Ludwigshafen Mit Kerzen und einer Prozession

Wenn am Freitagabend hunderte Menschen mit brennenden Kerzen durch Ludwigshafen ziehen, dann brauchen Anwohner sich nicht zu wundern. Die griechisch-orthodoxe Gemeinde in der Marienkirche feiert Ostern. Am Karfreitag, der bei den Orthodoxen auf den 29. April fällt, erwartet Erzpriester Konstantinos Zarkanitis in der Kirche in der Hohenzollernstraße rund 700 Besucher, Samstagnacht können es in und um das riesige Gebäude erfahrungsgemäß 1000 bis 1500 Gläubige sein, die die Auferstehung Christi feiern. Nicht nur aus Ludwigshafen kommen die überwiegend griechischstämmigen Christen zum Osterfest in den Hemshof. Auch aus Frankenthal, Bad Dürkheim, Mutterstadt, aus der ganzen Pfalz und Rheinhessen kommen die Gläubigen, berichtet Antonios Kirialanis, der Schriftführer der Gemeinde. Anders als zum Beispiel in Worms, das eine eigene griechisch-orthodoxe Gemeinde hat, gibt es in Ludwigshafen am Karfreitag eine Prozession durch die Straßen der Umgebung und eine Auferstehungsfeier am späten Samstagabend. Am Karfreitagabend wird Jesus auf das Grabtuch, das Epitaph, gelegt, das Mädchen der Gemeinde mit Blumen geschmückt haben. Unter anderem durch die Carl-Friedrich-Gauß-Straße und die Schanzstraße geht die Prozession. Höhepunkt des Festes ist jedoch, wenn Zarkanitis „Christos Anesti“ („Christus ist auferstanden“) verkündet und die Gemeinde mit „Alithos Anesti“ („Er ist wahrhaftig auferstanden“) antwortet. „Chronia polla! („Alles Gute“), wünscht man sich anschließend gegenseitig. Mit Stoffteddys und Blumen geschmückte Kerzen hängen am Mittwoch in der an Ikonen reichen Kirche schon bereit. Die Paten schenken den Kindern Kerzen, die sie in der Nacht der Auferstehung Jesu an der geweihten Osterflamme wie alle anderen Anwesenden anzünden dürfen, nachdem kurz vorher alle Lichter erloschen sind. Am Samstag um 23 Uhr ist es in Ludwigshafen soweit, wenn in Griechenland um 0 Uhr der neue Tag anbricht. Doch für die Kinder gibt es nicht nur Kerzen als Geschenke. „Mein Enkel Antonios bekommt von seinem Paten unter anderem Star-Wars-Figuren zu Ostern“, verrät Kirialanis, der für die Gemeinde seit 35 Jahren Schriftführer ist. „30 bis 40 Eier färbt meine Frau Maria jedes Jahr am Gründonnerstag“, ergänzt der pensionierte Sozialarbeiter die Schilderung der Traditionen. Nach Mitternacht schlagen die Menschen die roten Ostereier gegeneinander. Wessen Ei dabei heil bleibt, der darf das kaputte Ei seines Gegenübers behalten. Mit den Kerzen tragen die griechisch-orthodoxen Christen die heilige Flamme nach Hause. Eine Öllampe unter der Familienikone wird damit entzündet und mit Ruß wird ein Kreuz über der Haustür gezeichnet, welches das Gebäude segnen soll. In der Nacht und am Sonntag brechen die Familien gemeinsam das Fasten mit der traditionellen Majiritsa, einer Suppe aus Lamm-Innereien, und einem Grillfest. „Die Flüchtlinge willkommen heißen und ihnen zu essen geben“, dazu fordert Erzpriester Zarkanitis die Gläubigen auf. Am Sonntag wird er über den Einzug Jesu nach Jerusalem predigen. „Die Flüchtlinge kommen zu uns wie damals Jesus nach Jerusalem. Wir dürfen nicht schlecht über sie reden wie die Pharisäer über Jesus“, bringt er die Botschaft der Evangelien auf den Punkt. Er predigt auf Neugriechisch und Deutsch. Die Texte werden auf Altgriechisch und Deutsch gelesen. Vaterunser und Glaubensbekenntnis spricht die Gemeinde, der viele ehemalige „Gastarbeiter“ und deren Kinder und Enkel angehören, auf Deutsch und Neugriechisch. Etwa 2000 Griechen leben derzeit in Ludwigshafen. Neben der Kirchengemeinde gibt es griechische Sportvereine wie den GSV Hellas oder den Kulturverein Orpheus. Vier griechischstämmige Politiker sitzen im Ludwigshafener Stadtrat.