Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Metropol in Ludwigshafen: Tetzners letzte Chance

Günther Tetzner möchte mit dem „Metropol“ eine „Belebung am Berliner Platz“ erreichen. Momentant klafft auf der früheren „Torten
Günther Tetzner möchte mit dem »Metropol« eine »Belebung am Berliner Platz« erreichen. Momentant klafft auf der früheren »Tortenschachtel«-Fläche ein großes Bauloch.

Günther Tetzner hat noch immer keine vollständige Planung für das „Metropol“auf dem Berliner Platz vorgelegt. Auch am Montag im Stadtrat konnte der Bauherr kein Finanzierungskonzept präsentieren. Trotz viel Kritik stimmte das Gremium einer Frist bis Jahresende zu. Dann werden die ersten Schritte zum Baurecht automatisch zurückgenommen.

„Ich gehe davon aus, dass Herr Tetzner uns jetzt Antworten auf die noch offenen Fragen geben wird.“ Mit diesen Worten hat Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) gestern Nachmittag den Tagesordnungspunkt 3 der Stadtratssitzung eingeleitet. Es war ein Antrag der Verwaltung, den Einleitungs- und Offenlagebeschluss aus dem Jahr 2016 aufzuheben. Damit wäre das Planungsvorhaben gestoppt worden. Es wäre das Ende des „Metropol“-Hochhauses gewesen, das nach ersten Plänen aus dem Jahr 2014 bereits längst auf dem Berliner Platz stehen sollte. Dessen Projektentwickler Günther Tetzner – Geschäftsführender Gesellschafter der Ettlinger Firma Timon Bauregie – war in die Stadtratssitzung gekommen, um über den aktuellen Stand des Projekts zu referieren.

Positive Mietflächennachfrage

Er sprach von einer Mietflächen-Nachfrage im „Metropol“, die „über alle Erwartungen positiv“ sei. Er habe Mieter gefunden, „die es bislang in Ludwigshafen noch nicht gibt“. Einen Baubeginn stellte er für Winter 2019 in Aussicht, Ende 2021 oder Anfang 2022 könne das „Metropol“ dann eröffnen. Ankermieter ist seinen Angaben zufolge die Hotelkette Centro-Hotels aus Hamburg, die bislang deutschlandweit 56 Häuser betreibt. Für die Erdgeschossflächen des zweitürmigen Komplexes präsentierte Stephan Mertens vier seinen Angaben nach interessierte Mieter. Mertens ist laut Tetzner der neue Geschäftsführer von Timon Bauregie. Neben der Selbstbedienungskette Back-Factory, mit der – wie auch mit dem Hotel – schon der Vertrag unterschrieben ist, sollen das Burger-Restaurant „Hans im Glück“ und eine Filiale der Maudacher Bäckerei Otto Schall ins „Metropol“ einziehen. Außerdem die Restaurantkette L’Osteria. Im kleineren der beiden Türme sollen Büro- und Praxisflächen entstehen, in den oberen Stockwerken sind laut Mertens Boardinghouse-Zimmer denkbar. Tetzner versprach eine „Konkretisierung der Pläne bis Dezember“. Bis dahin möchte er auch „Ross und Reiter“ für die Finanzierung des Vorhabens nennen. Nachdem die 2017 geplante Zusammenarbeit mit einem irischen Investor gescheitert war (wir berichteten), hatte Tetzner im August vergangenen Jahres Pegasus Capital Partners aus Erlangen als neuen Projektpartner vorgestellt. Damals formulierte Tetzner als Ziel, dass das Unternehmen auch finanziell ins „Metropol“-Projekt einsteigen sollte. Auf Nachfrage von SPD-Stadtratsmitglied Hans Mindl gab Tetzner gestern zu, dass er sich auch von Pegasus getrennt habe.

Versuch, die Schwierigkeiten zu erklären

Tetzner versuchte in seinen Ausführungen, die Schwierigkeiten des Bauvorhabens zu erklären. „Wir haben über zehn Millionen Euro investiert“, sagte er – „und das ohne Baurecht. Da schläft man ziemlich schlecht.“ Es sei normal, dass erst in einer späteren Entwicklungsstufe die Finanzierung feststeht. Diese und auch andere Äußerungen sorgten für Kritik von den Stadtratsmitgliedern. Gleich mehrmals kam das Wort „Vertrauen“ zur Sprache. Dieses sei längst verspielt worden. Statt der sofortigen Aufhebung des Einleitungs- und Offenlagebeschlusses zuzustimmen, schlug Hans Mindl, stellvertretend für die große Koalition, einen Änderungsantrag vor. Der Einleitungs- und Offenlagebeschluss soll demnach nicht sofort, sondern mit Rechtswirkung zum 31. Dezember dieses Jahres aufgehoben werden. Dieser Vorschlag wurde bei 13 Gegenstimmen mehrheitlich vom Stadtrat angenommen. Auch der gleichzeitig tagende Ortsbeirat Süd stimmte zu. Grüne, FDP und LKR votierten allerdings gegen den Vorschlag und befürworteten stattdessen, Tetzner sofort die erste Bebauungsgrundlage zu entziehen. Die Unterlagen, die Tetzner den Fraktionsvorsitzenden in der Sitzungspause vorgelegt habe, hätten „keine validen Fakten“ gezeigt, nannte Thomas Schell (FDP) einen der Gründe dafür.

Aufschub mit mehreren Möglichkeiten

Der Aufschub bietet mehrere Möglichkeiten: Günther Tetzner könnte entweder vor dem 31. Dezember ein überzeugendes Konzept vorlegen. Dazu gehört auch „eine Finanzierung, die belastbar ist“, wie Steinruck nach der Abstimmung mahnte. Eine zweite Option: Tetzner verkauft das Grundstück – entweder vor oder nach Ablauf der Frist. RHEINPFALZ-Informationen zufolge gibt es bereits mehrere Investoren, die gegenüber der Stadtspitze ihr Interesse an dem Grundstück bekundet haben. Die einfachste Variante für einen neuen Eigentümer wäre es dann, ein dem „Metropol“ vergleichbares Konzept vorzulegen. Damit könnte er laut Baudezernent Klaus Dillinger (CDU) das bereits angestoßene Bebauungsplanverfahren fortführen. Es ist aber auch möglich, dass ein neuer Investor etwas ganz anderes mit dem Grundstück vorhat. Sollte Tetzner sich bis Ende Dezember nicht rühren oder den Stadtrat nicht mit einem Konzept überzeugen, wird der Einleitungs- und Offenlagebeschluss mit Wirkung zum 31. Dezember 2018 automatisch aufgehoben. Damit hat sich das Projekt „Metropol“ faktisch erledigt – zumindest unter Tetzners Regie. Sollte es danach zu einer Insolvenz der Metropol Projektentwicklung Ludwigshafen GmbH kommen – diese ist Besitzerin des Grundstücks – würde sich eine Entwicklung auf dem Areal wohl weitere Jahre verzögern. 

Zwei getrennte Türme, der höchste 67 Meter hoch: An dem im August 2017 vorgestellten, überarbeiteten Entwurf soll weitestgehend
Zwei getrennte Türme, der höchste 67 Meter hoch: An dem im August 2017 vorgestellten, überarbeiteten Entwurf soll weitestgehend festgehalten werden.
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