Ludwigshafen
Menschen aus der Stadt: Christine Koch ist Intensivpflegerin am Klinikum Ludwigshafen
In der Gesundheitspraxis von Christine Koch hängt ein Kalender. Ein Spruch auf einem der Blätter lautet: „Die fünf wertvollsten Geschenke kannst du nicht einpacken: Liebe, Freundschaft, Lächeln, Verständnis, Zeit.“ Das beherzigt die 44-Jährige auch im Umgang mit ihren Patienten.
Christine Koch ist freiberuflich seit 2007 Gesundheitsberaterin für Rücken, Füße und Gelenke, hat eine Zusatzausbildung als Bewegungspädagogin und arbeitet außerdem in Teilzeit in der herzchirurgischen Intensivpflege des Klinikums Ludwigshafen. Wegen der besonderen Corona-Situation wurden dort vor einigen Wochen Zwölfeinhalb-Stunden-Schichten eingeführt. Dennoch hat die Pflegerin immer ein Lächeln auf den Lippen – für jeden.
Für Corona-Patienten gewappnet
In der medizinischen Intensivabteilung des Krankenhauses wurde zuletzt eine Handvoll Patienten behandelt, die alle beatmet werden mussten. Dazu kamen sieben weitere auf der normalen Station. Die Anzahl der Betten sei vorsorglich bereits erhöht worden, berichtet sie. „Die Anzahl der Covid-19-Patienten verändert sich täglich. Von einem Ansturm kann noch keine Rede sein“, meint sie, „aber wir sind gewappnet“.
„Ich übe meine Berufe alle mit großer Freude aus, das ist gleichzeitig eine Berufung für mich“, erzählt Christine Koch, die in Maxdorf aufgewachsen ist. Schon früh hat sich der Wunsch, im medizinischen Bereich zu wirken, abgezeichnet. Nach dem Abitur hatte die 44-Jährige sogar einen Studienplatz für Medizin in der Tasche. Ihre Oma benötigte jedoch Mitte der 1990er-Jahre nach einem Schlaganfall Hilfe. Obwohl Christine Koch damals erst 19 Jahre alt war, hat sie die Pflegebedürftige drei Jahre lang versorgt und das Studium auf Eis gelegt.
Arbeit mit missbrauchten Kindern
Dabei keimte die Idee, zunächst ein soziales Jahr im Schwerbehindertenbereich der Lebenshilfe zu machen. Aus dieser Zeit resultierte auch der spätere Wunsch nach einer weiteren Zusatzausbildung als Motopädagogin. Das Ziel dabei ist es, Stärken und Schwächen der Patienten herauszufinden. Die Zeit, die sie unterdessen im Zuge des Praktikums mit misshandelten und missbrauchten Kindern verbracht hatte, helfe ihr noch heute, manche Dinge anzupacken, ist sie überzeugt.
Ihren ursprünglichen Plan, Medizin zu studieren, hatte sie aber zunächst abgehakt. Dafür folgten zwei Semester Lehramt. „Aber die Biologieversuche brachten mir die Erkenntnis, doch lieber im sozialen Bereich zu arbeiten“, gibt Christine Koch offen zu. Sie landete im Jahr 1996 schließlich im Klinikum Ludwigshafen, um dort bis 1999 eine Pflegeausbildung zu machen.
Zweites Standbein als Fitnesstrainerin
Das Helfersyndrom habe sie vielleicht nicht unbedingt, aber wenn Christine Koch jemandem etwas Gutes tun kann, dann geht es ihr auch gut. „Das fängt mit kleinen Gesten im Alltag an, indem man die Menschen freundlich grüßt, die Tür aufhält und auch zuhört“, ist sie überzeugt.
Ihre Freizeit ist für ein Steckenpferd reserviert. In verschiedenen Fitnessstudios hat sie sich ein Standbein als Fitnesstrainerin geschaffen. Auch das nahm seinen Anfang bereits, als sie gerade erst 17 Jahre alt geworden war. Damals noch mit dem Hintergedanken, mit dem Trainer-Job das Studium zu finanzieren.
Mit zwei Hunden in der Natur unterwegs
Wer einen derart gefüllten Kalender hat, benötigt aber auch einen Ruhepol an seiner Seite. Für diesen Part im Leben der vielseitigen Mutterstadterin sind Ehemann Georg und die beiden Hunde Luke und Mia zuständig. Die Vier sind am liebsten in der Natur unterwegs. Eine ganze Wand im Behandlungsraum zeigt Fotos der Familie samt Haustieren. Kurze Aufenthalte in den Bergen sind außerdem ein Ausgleich für den oftmals hektischen Alltag der sportlichen Frau.
Mehrmals pro Woche geht Christine Koch mit den beiden Hunden zum Rettungshundesport beim Suchhundezentrum in Frankenthal. Die Tiere gehen dann auf Personensuche und sind mit mindestens der gleichen Begeisterung bei der Sache wie ihr Frauchen. Einmal hat ihr das Hobby sogar einen Gastauftritt mit Mischlingshund Luke bei den Dreharbeiten für einen TV-„Tatort“ beschert. Luke durfte dabei nach „Leichen“ suchen. Natürlich nur nach fiktiven.
Lieber Mutterstadt als Mallorca
Als vor Jahren ein Patient den Weg der 44-Jährigen gekreuzt hat, der sie gerne dauerhaft als Personal-Trainerin auf seiner Finca in Mallorca beschäftigt hätte, wäre sie fast schwach geworden: „Das war im ersten Moment schon verlockend. Aber ich will vielen Leuten helfen, nicht nur einem.“