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Am 30. Januar eröffnet ein Hauptwerk der Musik des späten 20. Jahrhunderts, György Kurtágs Kafka-Fragmente, die Konzertreihe der Gesellschaft für Neue Musik in Mannheim. Vorgetragen wird der Liederzyklus des ungarischen Altmeisters von Caroline Melzer (Gesang), Nurit Stark (Geige) und der Schauspielerin Nadine Schwitter, einem früheren Mitglied des Nationaltheaters.

Dieser Auftakt ist ein Novum: Statt in einem der angestammten Konzertsäle findet der Abend im Künstlerhaus Zeitraumexit im Stadtteil Jungbusch statt. Sidney Corbett, Kompositionsprofessor der Mannheimer Musikhochschule und neuer künstlerischer Leiter der Avantgardereihe, spricht vorsichtig von einem Pilotprojekt. An einem Ort, wo experimentelle Kunstformen aus den Bereichen Theater, Tanz, Performance und bildende Kunst heimisch sind, sucht die Gesellschaft für Neue Musik die Begegnung mit einem neuen, jüngeren Publikum. Corbett will also neue Wege beschreiten, jenseits der Tradition der Gesellschaft, die freilich aufrecht erhalten werden soll. Neben ungewohnten Aufführungsorten („die Gesellschaft soll hinausgehen in die Stadt“) ist die verstärkte Berücksichtigung von Werken junger Komponisten im Programm geplant und eine größere Beteiligung junger Musiker. So werden unter anderem Stücke des an der Mannheimer Hochschule studierenden Benjamin Helmer aus Schwetzingen, von Márton Illés oder Christophe Bertrand vorgestellt. Auch Hans Abrahamsen, nach Ansicht von Corbett „eine der führenden und eigenständigsten kompositorischen Stimmen Europas“, wurde hierzulande bisher höchst selten aufgeführt. Im Konzert des Ensemble Recherche wird der dänische Komponist im Mittelpunkt des Programms mit zeitgenössischen Kompositionen aus Nord- und Osteuropa stehen. Mit dem Trio Catch – Boglárka Pecze (Klarinette), Eva Bosch (Cello), Sun Young Nam (Klavier) – wird sich ein bereits prominentes Nachwuchsensemble vorstellen, mit einer Werkfolge, in der die neue Komponistengeneration ebenfalls stark vertreten ist. Eine unter mehreren Aspekten anregende Begegnung verspricht das Ursula Mamlok gewidmete Porträtkonzert unter Mitwirkung von Kolja Lessing (Violine) und Andreas Kersten (Klavier). Die in Berlin geborene, heute 92-jährige Komponistin war 1939 durch das nationalsozialistische Regime aus Deutschland vertrieben worden und gehörte dann in Amerika zu den bedeutenden Vertretern der Moderne, während ihr Oeuvre in Europa weitgehend unbekannt blieb. Seit 2006 lebt sie wieder in Berlin und wird beim Konzert anwesend sein. Wiederbegegnungen mit zwei dem Publikum der Gesellschaft für Neue Musik bestens bekannten kammermusikalischen Elitetruppen bieten die beiden folgenden Konzerte. Das Atelierprogramm mit Stücken von Ulrich Leyendecker, Corbetts Vorgänger an der Mannheimer Hochschule, gestaltet das Minguet Quartett. Beim Gesprächskonzert mit Lucia Ronchetti im Vorfeld ihres Auftragswerks „Mitternachtsabitur“ am Nationaltheater wirken die Neuen Vocalsolisten Stuttgart mit. Die römische Komponistin hatte vor zwei Jahren für die Junge Oper in Mannheim die Kammeroper „Neumond“ geschrieben. Ganz im Zeichen der Klassiker der modernen und zeitgenössischen Musik steht schließlich das letzte Konzert des Jahres: Steffen Schleiermachers Klavierabend mit Musiken von Karlheinz Stockhausen, Pierre Boulez und Wolfgang Rihm. Auf dem Programm stehen außerdem eine eigenes Stück des Pianisten und eines vom italienisch-deutschen Komponisten Fabio Nieder.

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