Ludwigshafen
Mehr Grün statt grauem Beton am Hauptbahnhof
Wer am Hauptbahnhof ankommt, sieht alles andere als eine Visitenkarte für die Stadt. Seit Jahrzehnten sorgt das Erscheinungsbild des Bahnhofs für Diskussionen. Eigentümerin ist die Deutsche Bahn – und die will nun neue Schritte unternehmen, um das Areal zu verschönern.
„Der Hauptbahnhof Ludwigshafen ist immer noch ein wichtiger Knotenbahnhof für Rheinland-Pfalz und die Region,“ sagt Martin Büchle, der als Bahnhofsmanager für das Gebiet Kaiserslautern auch für Ludwigshafen zuständig ist. 1969 einst als „modernster Bahnhof Europas“ eröffnet, hat das Areal immer noch eine wichtige Funktion – auch wenn der Fernverkehr größtenteils über den Hauptbahnhof Mannheim läuft. In Ludwigshafen befindet sich ein Gleisdreieck, das direkte Verbindungen nach Mannheim, Kaiserslautern und Mainz ermöglicht. Der Schwerpunkt liegt auf dem Regionalverkehr. Am meisten los ist morgens und abends durch den Schul- und Berufsverkehr. Täglich steigen in Ludwigshafen knapp 10.000 Passagiere um. Für diese Reisenden will die Bahn nun den Aufenthalt im Bahnhof attraktiver machen, erläutert Büchle.
Unterführung als Galerie
Begonnen wurde die Umgestaltung bereits im Jahr 2020, mit der Verschönerung der Unterführung zwischen den Gleisen. Bunte Streetart bedeckt seitdem deren Wände, dank der Kooperation mit dem Buntic-Media Kollektiv, einer Vereinigung von 25 internationalen freischaffenden Graffiti-Künstlern aus der Region und halb Europa. Die Motive rangieren von Tierbildern über die Skyline der Stadt bis zu Letter-Art. Das mache nicht nur die Unterführung viel lebhafter, sondern sorge auch für einen reduzierter Kostenaufwand, sagt Bahnhofsmanager Büchle. Die kunstvollen Wandbilder werden von den üblichen Tags und Schmierereien verschont, es bestehe wohl ein größerer Respekt gegenüber den Streetart-Werken. Vorher mussten die blanken Wänden regelmäßig neu überstrichen werden.
Viele kleine SchritteIm Empfangsgebäude wurde die Deckenbeleuchtung neugestaltet, energiesparende Lampen verbessern die Nachhaltigkeit. Nach Anregungen von Fahrgästen wurden zudem neue Sitzgelegenheiten aufgestellt.
Im Gang des Hauptgebäudes sollen Leuchtwände mit einem Blättermotiv Ruhe und Helligkeit in den Raum bringen. „Man merkt, dass das auch die Leute dazu motiviert, sauberer mit diesem Ort umzugehen,“ betont Büchle. Zudem seien besonders seniorenfreundliche Bänke installiert worden, die mit höheren Sitzflächen und Armlehnen das Hinsetzen und Aufstehen erleichtern. Stück für Stück wolle die Bahn mit solchen Neuerungen alle Abschnitte des Hauptbahnhofs überarbeiten.
„Grüne Oase“ im Bahnhof
Aktuell liegt der Fokus auf den Grünanlagen. Fünf Flächen sollen überholt und neu bepflanzt werden. In Zusammenarbeit mit der Garten- und Landschaftsbaufirma Seitz (Mannheim) hat die Bahn eine Pflanzenauswahl getroffen, die dem industriellen Aussehen des 60er-Jahre-Gebäudes entgegenwirken soll, erläutert Büchle.
Herzstück soll dabei ein zentrales Rondell zwischen den Gleisen werden. „Eine grüne Oase,“ so beschreibt Projektleiter Robin Bandini das Ziel. Hauptthema sei die Insektenfreundlichkeit. Den Großteil der Fläche wird eine Wildblumenwiese bedecken, die sehr pflegeleicht sei und den Insekten Nahrung und Unterschlupf bieten soll. Pfade werden die Reisenden zu Sitzbänken führen, die eine „Rast im Grünen“ ermöglichen, wie sich die Bahnverantwortlichen erhoffen.
Die drei kleineren Plateaus auf dem Rondell werden durch die Hauptattraktionen gekrönt: Lagerströmien, das sind kleine Bäumchen, die in diesem Sommer gekräuselte rosa Blüten tragen werden. Umgeben werden diese Gehölze von einer mehrjährigen Staudenmischung, die so ausgewählt worden sei, dass zu jeder Jahreszeit immer etwas blühe, beschreibt Bandini das Konzept. Je nach Wetterverhältnissen soll von dieser Blütenpracht ab dem Frühsommer auch bereits etwas zu sehen sein. Die Säharbeiten werden bis Ende dieser Woche abgeschlossen.
Zukunft „City West“
Die Umgestaltungen der vergangenen Jahre hätten die Deutsche Bahn bereits 200.000 Euro gekostet, betont Büchle und tritt damit Spekulationen entgegen, dass dem Unternehmen der Standort in Ludwigshafen egal sei: „Es ist uns wirklich wichtig, etwas für das Stadtbild zu tun“, sagt Büchle beim Rundgang über das Areal.
An den übergroßen Dimensionen des Hauptbahnhofs und den vielen Betonflächen lässt sich aus Sicht der Verantwortlichen vorerst wenig ändern. Nach dem Abriss der Hochstraße Nord soll aber in unmittelbarer Nähe in den 2030er-Jahren ein neues Stadtviertel mit Wohn- und Geschäftshäusern entstehen: die „City West“. Auf einer Gesamtfläche von 340.000 Quadratmetern sind Wohnungen für 3400 Bürger und Arbeitsplätze für 5000 Menschen geplant. Damit könnte es gelingen, die Innenstadt zu erweitern und das jetzt verödete Areal um den Ludwigshafener Hauptbahnhof zu beleben. Entsprechende Gespräche zwischen der Stadt und der Bahn sind geplant.