Irgendwo in Lu
Martin Poradisch über seine Heimat und das Hochwasser: „Wirklich gefährlich war es noch nie“
Sie haben Polen in bewegten Zeiten verlassen. Wie haben Sie diese Zeit von „Solidarnosc“ erlebt?
Das hat zu Beginn der 1980er-Jahre mit dem Streik der Werftarbeiter in Danzig begonnen. Mitbekommen habe ich das damals nur zufällig, weil wir gerade Urlaub an der Ostsee gemacht hatten. In unseren Medien wurde darüber nicht berichtet. Später hat uns das auch als Studenten beschäftigt. Wir haben versucht, die Bewegung zu unterstützen. Einige Kollegen von mir wurden deswegen verhaftet. Aber es war eine wichtige Zeit für uns, denn wir haben die Augen aufgemacht und gesehen, was hinter der ganzen Sache steckt. So wurden wir als Studenten politisch aktiv.
Wie sind Sie dann in Ludwigshafen gelandet?
Ich wollte nach dem Studium mein Leben verändern. Ich hatte in Kattowitz Betriebswirtschaftslehre studiert, aber zu dieser Zeit gab es dafür in Polen kaum Arbeitsplätze. Die wirtschaftlichen Bedingungen waren nicht gut, deshalb wollte ich es in Deutschland versuchen.
Ging das so einfach?
Ich habe ja deutsche Vorfahren, deshalb bin ich erst einmal im Grenzdurchgangslager Friedland gelandet.
Auch von dort ist es noch ein weiter Weg bis nach Ludwigshafen …
Ja, ich bin auch erst einmal in den Schwarzwald gekommen, wo ich eine Weile war. Dort kam dann das Angebot für einen Sprachkurs, aber der war in Frankenthal, und so kam ich in die Pfalz. Dann hat es noch ein bisschen gedauert, aber dann habe ich eine Arbeitsstelle bei der BASF gefunden. So bin ich eben hier in Ludwigshafen und wohne mittlerweile auf der Parkinsel.
Wohnt es sich dort auch bei Hochwasser entspannt?
Ach, ich wohne dort jetzt schon seit 2004. Seither war es nur zwei-, dreimal ein bisschen kritischer, aber wirklich gefährlich war es noch nie. Nur meine Nachbarn hatten schon Wasser im Keller.
Sie sind noch bei der BASF beschäftigt?
Nein. Ich habe am 1. Dezember einen Aufhebungsvertrag unterschrieben.
Das ist noch gar nicht so lange her. Haben Sie sich denn schon an die neue Freizeit gewöhnt?
So ganz abgeschlossen ist dieser Vorgang noch nicht. Und ich hatte eigentlich auch noch keinen konkreten Plan für die Zeit danach. Aber es war ein guter Zeitpunkt, auch wenn ich ein paar Abstriche machen musste. Dafür habe ich jetzt aber mehr Freizeit.
Und was haben Sie damit vor?
Meine Frau und ich haben uns vorgenommen, viel zu reisen. Vor allem in Richtung Westeuropa und Spanien. Bis jetzt haben wir immer nur Heimaturlaube in Polen gemacht. Dort gibt es zwar auch schöne Orte, aber wir wollen nochmal etwas anderes sehen. Das wird zwar sicher auch etwas Geld kosten, aber dafür habe ich ja auch lange gearbeitet. Ich glaube, insgesamt kann ich mich über mein Leben nicht beschweren.
Was gehört eigentlich zu einem traditionellen polnischen Weihnachtsfest?
Das unterscheidet sich gar nicht so groß von hier. Der größte Unterschied ist wahrscheinlich das Essen. Da gibt es in Polen Fisch. In der Regel einen Karpfen. Aber von Karpfen bin ich selbst kein Freund. Deshalb holen wir uns normalerweise einen anderen Fisch.