Ludwigshafen
Mannheimer Cinema Quadrat an neuem Standort
Früher war hier Karstadt, später Mömax, ein Möbelkaufhaus. Nun ist das Cinema Quadrat in K1 eingezogen. Mannheims Kommunales Kino ist damit zurück in den Quadraten, denen es seinen Namen verdankt. Am neuen Standort, dem vierten in seiner fast 50-jährigen Geschichte, möchte das Kino viele Jahre bleiben. Die Voraussetzungen dafür sind hervorragend.
Von Stefan Otto
„Andere Filme anders zeigen“ steht groß als Motto in dem von Grund auf neu gestalteten Foyer, das auf einer Seite überraschend den Blick in einen weiten Innenhof freigibt. „Hier könnten wir im Sommer Open-Air-Kino machen“, meint Peter Bär vom Vereinsvorstand hoffnungsvoll.
In erster Linie wurde für diesen Zweck freilich der neue Kinosaal geschaffen, der auf der anderen Seite ans Foyer anschließt. Rund 200 Quadratmeter ist er groß und annähernd sechs Meter hoch, so dass er genügend Platz für 110 breite und bequeme Sitze bietet. Jeder von ihnen ist mit zwei Armlehnen und Getränkehalter komfortabel ausgestattet. Ausreichend Beinfreiheit, selbst für große Kinogänger, ist gegeben und freie Sicht von allen Plätzen garantiert. Die neun Sitzreihen der Tribüne sind ansteigend angeordnet, so dass der Hinterkopf des Vordermannes nicht mehr störend ins Bild ragen dürfte, was nicht unwichtig ist in einem Kino, das oftmals Filme mit Untertiteln zeigt.
Die Leinwand ist jetzt doppelt so groß
Die Leinwand ist mit 30 Quadratmetern doppelt so groß wie im alten Cinema Quadrat im Collini-Center. Auf einem Podest können Podiumsdiskussionen stattfinden. Für den Dolby-Surround-Ton sorgen 22 Lautsprecher. Hinten im Vorführraum stehen neben dem 4k-Projektor, über den das Kino schon am alten Standort verfügte, noch ein 16mm- und ein 35mm-Filmprojektor. „Auch wenn die analoge Projektion immer seltener wird, bleibt es unsere Devise, dass wir alles zeigen können, was es bisher an Formaten gab“, erläutert Bär. „Nur so können wir die ganze Filmgeschichte abbilden“, ergänzt Kino-Mitarbeiter Harald Mühlbeyer.
Zentrale Lage
„Im Programm wird es keine großen Änderungen geben, weil wir ja schon ein diverses und komplexes Programm machen“, kündigt Bär an. „Wir zeigen das, was sonst in Mannheim nicht laufen würde.“ Etwa 450 Vereinsmitglieder hat das nichtgewerbliche Cinema Quadrat. Viel Stammpublikum, das regelmäßig ins Kino kommt. Recht verborgen im Collini-Center wie inmitten einer Baustelle gelegen, hatte es zuletzt keinerlei Laufkundschaft mehr. „Das Collini-Center war zum Schluss eher eine Horror-Immobilie“, urteilt Bär. „Hier haben wir jetzt den Vorteil, dass wir in den Quadraten sind, dass wir eine Straßenbahnhaltestelle vor der Tür haben und eine Tiefgarage im Haus.“
Dass das Cinema Quadrat das Collini-Center verlassen muss, war schon vor Jahren abzusehen. Das Gebäude am Cahn-Garnier-Ufer ist schon lange baufällig und eingerüstet, um Passanten vor eventuell herabfallenden Bauteilen zu schützen. Andere Mieter wie das Marchivum haben ihr neues Domizil bereits bezogen, das Technische Rathaus wird ins Glückstein-Quartier verlegt werden. „Wir wollten nicht die Letzten sein, die im Collini-Center das Licht ausmachen“, sagt Bär.
Der vierte Umzug
Es ist der vierte Umzug des 1971 gegründeten Kommunalen Kinos. Vom Tattersall zog es 1974 ins Studio im Werkhaus des Nationaltheaters und von dort 1982 in den sogenannten Kubus in L7, womit es zum ersten Mal wirklich in den Quadraten angekommen war. 1990 begab es sich ins Collini-Center. Für zunächst 15 Jahre hat das Kino nun die insgesamt 500 Quadratmeter umfassenden Räumlichkeiten im dritten Stock des sogenannten „Karree Mannheim“ in K1 gemietet. „Mit der Option auf weitere 15 Jahre und noch weitere 15 Jahre“, erläutert Peter Bär.
Das Eröffnungsprogramm
Den Umzug und die Neueröffnung in K 1,2 nimmt das Cinema Quadrat zum Anlass, von heute, Samstag, bis Sonntag, 8. Dezember, ein besonderes Eröffnungsprogramm zu zeigen. Es soll die ganze Bandbreite der regelmäßigen Filmreihen abbilden.
Heute ab 17.30 Uhr, wenn das Kino bei freiem Eintritt erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich ist, laufen in Endlosschleife verschiedene Kurzfilme. Um 21.30 Uhr ist Buster Keatons annähernd 100 Jahre alte Stummfilmkomödie „Verflixte Gastfreundschaft“ zu sehen, live begleitet von Laurent Leroi am Akkordeon und Michael Herzer am Kontrabass.
Einen weiteren Klassiker, Alfred Hitchcocks Tierhorror „Die Vögel“, präsentiert und analysiert am morgigen Sonntag, 1. Dezember, 19.30 Uhr, der Mannheimer Psychotherapeut Gerhard Schneider. Eine Veranstaltung aus der langjährigen Cinema-Quadrat-Reihe „Psychoanalytiker stellen Filme vor“, in der verschiedene Referenten besonders Themen, Motive und Strukturen unter der Oberfläche der filmischen Erzählung reflektieren.
„Avatar – Aufbruch nach Pandora“ in 3D repräsentiert am Montag, 2. Dezember, 19.30 Uhr, die Reihe „Großes Kino“, in der alte und neue Filmklassiker zu sehen sind, die ihre wahre Wirkung erst auf der großen Leinwand entfalten. Im neuen Cinema Quadrat auf einer 30 Quadratmeter großen Leinwand.
Für den Ciné-Club, der originalsprachlich französische Filme auf die Kinoleinwand bringt, steht am Dienstag, 3. Dezember, 19.30 Uhr, die rasante Komödie „Edmond“ (deutscher Verleihtitel: „Vorhang auf für Cyrano“). Eine fiktive Entstehungsgeschichte von Edmond Rostands „Cyrano de Bergerac“, vorgestellt von Virginie Jouhaud-Neutard, der Geschäftsführerin des Institut Francais Mannheim, und Cosima Besse aus dem Vorstand des Vereins Deutsch-Französische-Vereinigung Rhein-Neckar.
Der Mittwoch, 4. Dezember, bringt um 19.30 Uhr eine neue Ausgabe des Kurzfilmfestivals Zum Goldenen Hirsch, in dem zehn Beiträge aus der Region um die Gunst des Publikums konkurrieren. In der Reihe „Film und Kunst“ in Kooperation mit der Kunsthalle Mannheim läuft am Donnerstag, 5. Dezember, 19.30 Uhr, die Dokumentation „Moritz Daniel Oppenheim“ in Anwesenheit der Hanauer Regisseurin Isabel Gathof, während am Freitag, 6. Dezember, 19.30 Uhr, ein „Grindhouse Triple Feature“ das neue Cinema Quadrat sozusagen zum schmuddeligen Bahnhofskino werden lässt: Zu sehen sind gleich drei vermutlich wilde und reißerische Überraschungsfilme, Schund oder Pulp aus Action, Horror, Sex oder Martial Arts. Am Sonntag, 8. Dezember, 19.30 Uhr, führt Harald Mühlbeyer in der Reihe „Tonfilme des Weimarer Kinos“ in die deutsche Willy-Fritsch-Komödie „Ich bei Tag und du bei Nacht“ (1932) ein.
Am Samstag, 7. Dezember, ist das Cinema Quadrat dazu Spielstätte des 15. Bundeskongresses der Kommunalen Kinos, in dessen Rahmen jüngst restaurierte Kurzfilme des Sudanesen Ibrahim Shaddad, der in der DDR Film studierte, öffentlich zu sehen sein werden, sowie, ebenfalls frisch restauriert, die deutsche Screwball-Komödie „Sieben Ohrfeigen“ (1937) mit Lilian Harvey und Willy Fritsch.tto