Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Manga mit Musik: „Merregnon“ im BASF-Feierabendhaus

„Merregnon“ ist ein Musik-Märchen.
»Merregnon« ist ein Musik-Märchen.

Geschichten erzählt zu bekommen, ist schön. Und wenn sie für alle Generationen tauglich sind, sind sie noch schöner. Das BASF-Konzertprogramm und die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz hatten zu „Merregnon. Land of Silence“ ins Feierabendhaus in Ludwigshafen geladen.

Ein Abend für alle war versprochen. Der war kurz, ein Dreiviertelstündchen für ein Fantasy-Märchen und zuvor 15 Minuten Werbeblock („Applaus bitte!“), für den Heike Schumacher, Musikvermittlerin bei der Staatsphilharmonie und Erzählerin der Story, die richtige Frau war. Alles toll und alle toll, die Musik der für ihre Kompositionen für Videospiele berühmte Japanerin Yoko Shimomura, die Dirigentin Johanna Malangré, die Story von Frauke Angel, das Orchester, dessen leitmotivisch in die Partitur eingespeisten Instrumente und ihre Spieler einzeln vorgestellt wurden.

„Merregnon“ ist ein sinfonisches Märchen für Kinder und Jugendliche (gut so) und für „Interessierte, die mit klassischer Musik bisher nur über Computerspiele in Berührung gekommen sind“. Was aber tut hier jemand, der mit Computerspielen absolut nichts am Hut hat? Und als Angehörige einer Zielgruppe von hinten bis vorne nicht in Frage kommt? Ganz einfach: zusehen, zuhören. Seinen Gefallen finden. Und da wurde man nicht schlecht bedient.

Komponistin mit klassischer Ausbildung

Erst mal der Blick ins Publikum. Der Saal ist annähernd halb voll, Kinder und Jugendliche sind in der Überzahl. Das Orchester ist klasse, die Komposition der in der Spielebranche verankerten Shimomura hört sich gut an. Man merkt die klassische Ausbildung, und ohne die geht es (in diesem Fall) nun einmal nicht. Das alles klingt wie aus einem Guss. Das Orchester tobt sich (meist) durch die Partitur. Leider ist von dem Versprechen, die mit den einzelnen Personen verbundenen Instrumente bei ihren solistischen Einsätzen mit der Kamera einzufangen und auf die Leinwand zu projizieren, nichts zu sehen; die Leinwand bleibt eine Leerstelle. Das irritiert.

Natürlich ist die Geschichte vom Land, in dem die Menschen schweigen, einfach gestrickt nach dem beliebten Schema „Kinder retten die Welt.“ Und die geht so: Das Waisenkind Miru (Cello) findet den verletzten Vogel Ikari (Flöte), der sie zum Verursacher des kollektiven Schweigens führt, dem bösen Skissor (Klarinetten). Mit ihrem Hund Mako (Schlagwerk) und Freund Hikito (Trompete) macht sie sich auf , befreit den guten, in Ketten schmachtenden Drachen Yamakito (Klavier und Euphonium), der seine neue Freiheit besingt und mit diesem Gesang das Böse vertreibt und das Schweigen bricht.

Optische Erzählung mit Hindernissen

Erzählt wird die Geschichte als Manga mit Musikbegleitung von der in lässigem Schwarz auftretenden Staatsphilharmonie unter Leitung der jungen, drahtig agierenden Johanna Malangré, die (neben anderem) Chefdirigentin des Orchestre National de Picardie ist und die ein hörbar gutes Händchen für Musik abseits der klassischen Orchestermusik hat. Nur bei der optischen Erzählung klemmt es dann doch. Vom Ausfall der Videoeinblendungen der Instrumente abgesehen, läuft die Story in allenfalls minimal bewegten Standbildern ab. Ach, hätten die tellergroßen Augen von Miru doch nur ein einziges Mal geblinzelt! Stattdessen: ein Bild, Pause und leere Leinwand, nächstes Bild, Pause und leere Leinwand und so fort.

„Ein Projekt, aus der Leidenschaft seiner Schöpfer geboren, Leidenschaft verströmend und Leidenschaft säend. Merregnon könnte irgendwo in der Zukunft liegen“, schwärmt es im Programmheft. Nun, die Leidenschaft ruckelt in der Musik nicht. Und für die Zukunft ist gesorgt. Nächstes Jahr, voraussichtlich am 29. Februar, geht es am gleichen Ort weiter mit „Merregnon. Heart of Ice“. Die Verantwortung liegt wieder bei Thomas Bröcker, dem Gründer und kreativen Kopf der Merregon Studios.

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