Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Mainzer unter Pfälzern: Tobias Mann bekommt den Schifferstadter Saumagenorden

Preisträger Tobias Mann mit den Vereinsoffziellen und -hoheiten.
Preisträger Tobias Mann mit den Vereinsoffziellen und -hoheiten.

Der Mainzer Kabarettist Tobias Mann erhält den 33. Saumagenorden. Wie er bei der Jubiläumsfeier der KG Schlotte für Stimmung sorgt und was ihn mit der Pfalz verbindet.

Passend zum Anlass hatte der Kabarettist und erfahrene Fasnachter Tobias Mann eine Büttenrede mitgebracht. „Ist denn die Welt verkehrt, ein Mainzer wird von den Pfälzern geehrt?“ Damit legte Mann den Ton für einen Abend fest, der zwischen närrischem Jubel, politischem Witz und ehrlicher Freude pendelte. Der Mainzer erhielt am Montagabend den 33. Pfälzer Saumagenorden der Karnevalgesellschaft Schlotte in Schifferstadt. Für die KG war es ein doppeltes närrisches Jubiläum: 77 Jahre Schlotte und 33 Ordensträger.

Wie immer begann der Abend mit den festen Ritualen der Schlotte: Die Senatoren zogen feierlich in den bunt geschmückten Saal ein, das Publikum schmetterte das Schifferstadter Rettichlied und schunkelte im Takt. Immer wieder hallte der närrische Schlachtruf „Ahoi!“ durch den Saal – oft dreimalig, wie es sich gehört. Auch ein eigens für den neuen Preisträger geschriebenes Lied durfte nicht fehlen: „Tobi, der Schiffersmann von Schifferstadt“.

Prominenz, Dreigängemenü und Bütt

Unter den Gästen saß viel lokale Prominenz: aktive und ehemalige Politiker, Unternehmer wie die Schifferstadter Familie Heberger und zahlreiche Sponsoren. Nur eine, die sonst fast immer mitfeiert, fehlte: Sängerin Margit Sponheimer, die durch ihr Lied „Am Rosenmontag geboren“ untrennbar mit der närrischen Zeit verbunden ist, konnte leider nicht dabei sein.

»Ein Schiffersmann aus Schifferstadt« – das Lied wurde eigens für den Preisträger getextet.
„Ein Schiffersmann aus Schifferstadt“ – das Lied wurde eigens für den Preisträger getextet.
Tobias Mann und sein späterer Laudator saßen einander gegenüber.
Tobias Mann und sein späterer Laudator saßen einander gegenüber.
Zur Verleihung des Saumagenordens gehört auch ein Saumagen mit Sauerkraut.
Zur Verleihung des Saumagenordens gehört auch ein Saumagen mit Sauerkraut.
Der Mainzer »Bajazz mit der Laterne« sorgte bei seiner Büttenrede für gute Stimmung.
Der Mainzer "Bajazz mit der Laterne" sorgte bei seiner Büttenrede für gute Stimmung.
Die Laudatio von Markus Merk sparte nicht mit Seitenhieben – Tobias Mann nahm es mit Humor.
Die Laudatio von Markus Merk sparte nicht mit Seitenhieben – Tobias Mann nahm es mit Humor.
Immer wieder posierten Tobias Mann und die Karnevalisten der Schlotte für Fotos.
Immer wieder posierten Tobias Mann und die Karnevalisten der Schlotte für Fotos.
Bei seiner Büttenrede kehrte der Ordensträger zu seinen Karnevalswurzeln zurück.
Bei seiner Büttenrede kehrte der Ordensträger zu seinen Karnevalswurzeln zurück.
In seinem eigens gedichteten Pfalzlied kamen manche Pfälzer Orte weniger gut weg.
In seinem eigens gedichteten Pfalzlied kamen manche Pfälzer Orte weniger gut weg.
Am Ende gab es viel Applaus.
Am Ende gab es viel Applaus.

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Traditionell zünftig war dagegen das traditionelle Dreigängemenü für die Gäste: eine kräftige Kartoffelsuppe, Saumagen mit Sauerkraut und zum Abschluss Apfelstrudel mit Vanillesoße. Während die Karnevalisten auf den Hauptgang warteten, wurde die Pfalzhymne angestimmt – und die Küche bekam ihren verdienten Applaus.

Für gute Stimmung sorgte zur Mitte des Abends die Mainzer Karnevalsgröße „Bajazz mit der Laterne“, René Pschierer. In seiner Bütt nahm er Politiker wie den Nahrungsexhibitionisten Markus Söder aufs Korn, der gern sein Essen in den sozialen Netzwerken teilt. Er sprach auch über aktuelle Popkultur und die leider sehr berechtigten Sorgen der Jugend. Seine Pointen wurden mit der typischen Karnevalsmusik und Schunkeln gefeiert.

Liebevolle Rede mit Seitenhieben

Dann wurde es Zeit für den Höhepunkt des Abends: die Ordensverleihung. Große Namen haben diesen Preis bereits erhalten. Politiker wie Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl oder die Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Prominente wie die Schauspielerin Marie-Luise Marjan, die als „Mutter Beimer“ in der Lindenstraße bundesweit bekannt wurde, oder die Sängerin Vicky Leandros, sowie Sportikonen wie FCK-Legende Fritz Walter und Weltschiedsrichter Markus Merk.

Merk war es denn auch, der die Laudatio auf Mann hielt. Eigentlich fällt diese Aufgabe traditionell dem Vorjahrespreisträger zu. Doch der Literaturkritiker Denis Scheck war verhindert – und so sprang Merk, Weltschiedsrichter und 14. Saumagenordensträger, ein. Mit einem Augenzwinkern kommentierte er den Tausch: „Glück gehabt“, sagte er mit Blick auf Manns literarisches Schaffen – und erntete dafür Lacher.

Der größte Teil seiner Rede war allerdings wohlwollend – und aufwendig recherchiert. Merk zeichnete Manns Weg nach: Geboren wurde der Preisträger am 229. Tag des Jahres 1976, dafür dankte der Laudator „Mama und Papa Mann“, die viel Applaus erhielten. Nach seinem BWL-Studium wurde Mann Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl. Die Universitätslaufbahn wurde dann allerdings durch die Bühnenkarriere unterbrochen, die Dissertation „ruht“ – laut eigener Aussage will Mann seine Doktorarbeit irgendwann noch fertigstellen. „Glaube das, wer will“, kommentierte Merk mit einem Augenzwinkern. Er fügte aber noch ernst hinzu, Manns Programm zeige Haltung. Das mache ihn preiswürdig. Und weil er schaffe, was jeder Künstler wolle, dass das Publikum „Zugabe“ rufe.

Stolzer Preisträger

Den 740 Gramm schweren Saumagenorden, ein Unikat aus Rosenquarz, gefertigt in Idar-Oberstein, überreichte schließlich die amtierende „Tollität“, Prinzessin Lea I. Zusätzlich gab es einen Präsentkorb mit Pfälzer Spezialitäten – Wein und natürlich Saumagen. Der energiegeladene Tobias Mann schien Spaß zu haben an dem Abend zu seinen Ehren. Stolz präsentierte er den Orden ins Publikum.

In seiner Rede fragte Mann schelmisch, wie er es in die Reihe der Preisträger geschafft habe – schließlich seien unter ihnen auffällig viele „Schwarze“, also CDU-Politiker. Vielleicht, so spekulierte er, habe die KG Schlotte einfach Lust gehabt, „noch einen linksgrünversifften Kabarettisten“ auszuzeichnen. Ein Seitenhieb auf den FCK und die Ligen, die Mainz und Lautern trennen, wurde noch mit Johlen beantwortet. Danach wurde wieder gelacht.

Pendler zwischen Mainz und Pfalz

Zum Abschluss sang Mann ein Lied, das er eigens für die Pfalz geschrieben hat: In Ludwigshafen übergebe man sich ins Hafenbecken, über Mutterstadt lache die ganze Welt, Speyer ohne Dom wäre nur ein Parkplatz – seine Wahl falle also eindeutig auf Schifferstadt, wo man „es schöner hat“. Natürlich wurde eine Zugabe fällig. Mann bedankt sich, dass es fast keine Verwechslungen – ob absichtlich oder unabsichtlich – mit seinem Fast-Namensverwandten, dem Autor Thomas Mann, gegeben hatte.

Dann war die Veranstaltung schon fast vorbei. Viele der Gäste wollten ein Foto mit dem Preisträger machen. Ab jetzt verbinde er die Pfalz mit seinem Saumagenorden, sagt Mann. Allerdings kenne er Land und Leute ja auch schon sehr gut. „Ich spiele oft hier, zum Beispiel in Kaiserslautern, habe Freunde, die in Wachenheim wohnen – bin also quasi ein Pendler zwischen Mainz und der Pfalz.“ Seinen Schifferstadter Saumagen – es war der zweite, wie er zugibt, da er sich schon auf den Abend habe vorbereiten wollen – fand er übrigens sehr gut. Den Saumagen, den er als Präsent mit in die Heimat bringt, wird er mit seiner Frau essen.

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