Ludwigshafen
Ludwigshafener Parks: Der Alwin-Mittasch-Park – ein kleiner grüner Geheimtipp
Ab ins Grüne (5): Weltkonzern, Chemie, große Anlagen – daran denkt, wer an die BASF denkt. Was nur Wenige wissen: Dem Ludwigshafener Unternehmen gehört auch die eine oder andere Grünfläche im Stadtgebiet. Etwa der Alwin-Mittasch-Park neben dem Feierabendhaus.
Wer im Klinikum arbeitet, als BASF-Mitarbeiter in der Feierabendhaus-Kantine speist oder regelmäßig die Friedenskirche besucht, ist wohl schon mal durch ihn hindurch, zumindest daran entlang gelaufen: am Alwin-Mittasch-Park. Feierabendhaus, Kirche und Klinikum an drei Ecken, an einer vierten ein großes Wohngebiet – so liegt die 3,4 Hektar große Grünfläche. Es ist ein öffentlich zugänglicher Park. Dennoch gehört er nicht der Stadt, sondern der BASF.
Auf der Fläche waren früher Kleingärten. Anfang der 1930er-Jahre wurden sie für BASF-Arbeiter und ihre Familien angelegt. 1954 gab es dann erste Planungen für die Umgestaltung zu einer großen Grünfläche. Wenige Jahre später baute die Wohnungsbaugesellschaft der BASF, damals noch Gewoge, zahlreiche Wohnungen im Umfeld des Park-Areals. Deshalb wurde 1957 die Grünfläche neu angelegt, um sie attraktiver zu gestalten. 1960 war der Ausbau abgeschlossen.
Keine unheimlichen Ecken mehr
Öffentlich zugänglich war der Alwin-Mittasch-Park noch nicht immer, wie Carsten Toppel erzählt. Er ist seit 2015 Leiter des Flächenmanagements, das sich um alle Flächen der BASF kümmert. Um die, auf denen Anlagen gebaut werden, um Parkplätze, und eben auch um das Grün des Konzerns. Jedenfalls erinnert ein kleines Häuschen nahe der Friedenskirche noch heute daran, dass der Park früher umzäunt war, überwacht und nachts abgeschlossen wurde. Es war das Pförtnergebäude.
Das ist schon seit den 70er-Jahren passé. Doch Veränderungen gab es auch in der jüngeren Vergangenheit. „Der Park hatte mal einen relativ schlechten Ruf“, sagt Toppel während des Rundgangs und ergänzt: „Hier waren viele dunkle Ecken.“ Es war ein beliebter Ort bei Dealern sowie für Kriminalität und Vandalismus – definitiv vor allem ein Ort, an dem sich Passanten nicht wohl fühlten. Die BASF hat etwas getan und den Park vor etwa fünf Jahren umgestaltet. Nach und nach seien die Wege erneuert, ein paar sogar rausgenommen worden. „Man kann jetzt den ganzen Park überblicken“, sagt Toppel. Die unheimlichen Ecken sind verschwunden. Außerdem sei die Beleuchtung verbessert worden, die Hunde-Auslaufwiese wurde abgeschafft. Die Vierbeiner sind nun nicht mehr erlaubt, worauf Schilder hinweisen.
Konzern sorgt für Pflege
Dafür, dass der Park gepflegt wird und die Mülleimer leer sind, sorgt die BASF. Grünschnitt und ähnliche Arbeiten „werden von Gartenbetrieben mitgemacht“, sagt Toppel. Es sind Firmen, die die BASF auch für andere Flächen beauftragt, etwa für das Grün entlang der Brunckstraße. Für Kontrollgänge allerdings ist die Stadt zuständig, genau genommen der Ordnungsdienst, da es sich um „öffentlichen Verkehrsraum“ handelt.
Dass der Park vielen Menschen, die in Ludwigshafen wohnen oder arbeiten nicht bekannt ist, wundert Toppel nicht. „Wir haben ihn nie aktiv beworben“, sagt der 48-Jährige. Auch sei der Alwin-Mittasch-Park bewusst kein aufwendig und kunstvoll gestaltetes Areal, wie etwa der Ebertpark, sondern schlicht, aber ordentlich gehalten. In der Mittagspause sieht man hier Klinikums-Mitarbeiter oder BASFler flanieren. Die richtig großen Menschenmassen gibt es hier selbst an warmen Sommertagen nicht. Ein kleiner, grüner Geheimtipp also.
Bienenhotel und Blühstreifen
Seit dem Projekt „Ludwigshafen summt und brummt“ gibt es hier auch ein Bienenhotel sowie Blühstreifen, in denen es tatsächlich ordentlich wimmelt. Ansonsten lässt es sich zwischen ganz alten und auch recht neu gepflanzten Bäumen flanieren. Bänke laden zum Ausruhen ein. Die Beete in Betonkästen seien bei Gartenbau-Aktionen der BASF-Mitarbeiter entstanden – teamfördernde Maßnahmen.
Klingt alles recht unaufgeregt. Doch die eine oder andere kuriose Geschichte gibt es dann doch rund um den Park. Etwa die des Tigers. Von einer Künstlerin gefertigt, stand die Raubtier-Figur, die genau genommen eher an einen Panther erinnerte, lange im Eingangsbereich des Parks. Inzwischen ruht sie jedoch in einer Kiste im BASF-Keller. Vor rund zehn Jahren sei sie abgebaut worden. Immer wieder war der Tiger Opfer von Vandalismus geworden, sogar der Schwanz fehlte irgendwann. „Das ist kein Park für Kunstwerke“, sagt Toppel.
Benannt ist die Fläche übrigens, wen wundert’s, nach einem Chemiker. Alwin Mittasch lebte von 1869 bis 1953 und arbeitete bei der BASF. Dort war er als Forscher und Assistent von Carl Bosch an der Ammoniak-Synthese nach dem berühmten Haber-Bosch-Verfahren beteiligt.
Die Serie
Über 1000 Hektar Grünfläche gibt es in Ludwigshafen, darunter viele Parks. In unserer Serie „Ab ins Grüne“ erzählen wir ihre Geschichten, treffen Park-Menschen und genießen selbst den wohltuenden Schatten großer Bäume.