Ludwigshafen
Ludwigshafener Möbelfirma will hoch hinaus
Steffen Wieseke hat viel Erfahrung im Möbelgeschäft. Seit zehn Jahren arbeite er in der Branche, sagt der 31-jährige gelernte Groß- und Einzelhandelskaufmann aus Haßloch. „Key Account Manager“ sei er gewesen, also einer, der das Bindeglied zwischen Firma und Hersteller im Online-Geschäft ist. Die Erfahrungen und Verbindungen aus dieser Zeit will er jetzt nutzen, um das eigene Geschäft groß zu machen. Unit-Z heißt die Firma, deren Geschäftsführer Wieseke ist. Und die ist mehr oder weniger aus Zufall entstanden.
Denn im vergangenen Jahr hatte er noch einen Arbeitgeber, die Firma RWK & Kuhlmann aus dem ostwestfälischen Löhne, wo viele Küchenhersteller ihren Sitz haben. Für diese Firma hatte Wieseke ein digitales Angebot aufgebaut. Doch die Firma ging in die Insolvenz. Wieseke wollte die ganze Arbeit nicht umsonst seinlassen – und transferierte seine ausgegliederte Abteilung kurzerhand an die in Ludwigshafen ansässige Firma KMU. Dann blieb nur noch die Umfirmierung in die Unit-Z. Wieseke ist alleiniger Geschäftsführer und zur Hälfte auch Firmeneigner. Die andere Hälfte besitzt Ralf Marohn, umtriebiger Unternehmer aus der Region und Bürgermeister von Neuhofen.
Alte Marke wiederbelebt
Die beiden sind die einzigen festangestellten Mitarbeiter der Firma, zwei weitere seien frei beschäftigt, sagt Wieseke. Unter dem Markennamen Geba, der einem insolventen Hersteller aus Löhne gehörte, bietet die Firma jetzt vor allem Küchen an – rein über das Internet. Hergestellt, geliefert und gegebenenfalls vor Ort installiert werden die vormontierten Küchenmöbel von Partnerfirmen. Die sitzen in Deutschland, zum Beispiel wie Ratiomat in Chemnitz, die nach Aussage von Wieseke die meisten der Küchen schreinert.
Das Konzept scheint aufzugehen, wenn man Wieseke Glauben und Gehör schenkt. In der Region habe man schon einzelne Aufträge ausgeführt, und der übernommene Markenname mache sich bezahlt, denn Bestandskunden des Vorgängers hätten sich bereits mit Wünschen nach Reparaturen und Renovierungen in Ludwigshafen gemeldet, wo die Neugründung ihren Sitz im Stadtteil Süd hat. Mit Unternehmen wie dem Versandhändler Otto und der Baumarktkette Obi habe man Partner, über deren Plattformen man zusätzlich zur eigenen Website die Ware vertreibe. Der Geschäftsplan sieht auch schon vor, dass als Nächstes die Geba-Möbel in Küchenstudios kommen sollen. Der Umsatz soll stetig wachsen, im kommenden Jahr soll es schon Auszubildende in der Firma geben.
„Hier passiert was“
Irgendwann könnte sich die Unit-Z auch vorstellen, bestimmte Teile in China produzieren zu lassen, sagt Wieseke. Dann könnte Geschäftsmann Marohn hilfreich sein, der seit vielen Jahren Firmen dabei berät und gute Kontakte in die dortige Geschäftswelt hat. „Junge Unternehmer unterstütze ich gerne“, sagt Marohn auf Anfrage. Seine Rolle bei der Unit-Z, betont er, sei aber vorrangig die eines Mentors. „Er ist der Know-how-Träger“, sagt Marohn über Wieseke. Er selbst wolle sich nicht in den Vordergrund drängen.
Bleibt die Frage: Warum eigentlich Ludwigshafen? Denn ohne Fertigung oder Lager vor Ort ist die Standortwahl fast uneingeschränkt. Steffen Wieseke kann viele Gründe nennen. „Hier in der Gegend sind viele junge und gut ausgebildete Leute, die wir gebrauchen können“, sagt der Geschäftsführer. Außerdem sei allein der Name der Stadt überraschend viel wert. „Da steckt das Wort Ludwig drin, da ist ein Hafen dabei, das klingt im Ausland nach etwas. Und wer die BASF kennt, weiß auch, dass die Stadt einen Rang hat.“ Was Wieseke auch nicht müde wird zu betonen, ist das Potenzial, dass er in der Stadt sieht. „Ludwigshafen ist gerade sehr stark im Wandel. Die Leute packen an. Hier passiert einfach was.“