Ludwigshafen
Ludwigshafen: Verein „donum vitae“ bietet seit 20 Jahren Beratung
In diesem Jahr feiert der Verein „donum vitae“ („Geschenk des Lebens“), der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Frauen in Schwangerschaftskonflikten zu beraten, sein 20-jähriges Bestehen. Auch in Ludwigshafen, in der Westendstraße 13, ist eine Beratungsstelle, um Frauen in Konfliktsituationen Hilfe zu bieten – im persönlichen Gespräch oder online.
Entstanden ist der Verein 1999 selber aus einer tiefen Konfliktsituation in der katholischen Kirche: In Deutschland ist der Schwangerschaftsabbruch gesetzlich verboten. Es gibt jedoch Ausnahmen, wenn er innerhalb von zwölf Wochen nach der Empfängnis durchgeführt wird – und nach Beratung in einer staatlich anerkannten Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle. Eine entsprechende Beratungsbescheinigung wird dort der Schwangeren ausgehändigt. Bis 1999 haben der Caritasverband und der Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) in ihren Beratungsstellen diese Bescheinigung erstellt.
1999 erklärte Papst Johannes Paul II. diese Praxis für unvereinbar mit der Lehre der katholischen Kirche, da der Beratungsschein den Schwangerschaftsabbruch ermögliche und damit das Zeugnis der katholischen Kirche für die Würde des Lebens verdunkle. Die katholischen kirchlichen Beratungsstellen konnten somit den Schein nicht mehr ausstellen und verloren ihre staatliche Anerkennung.
Kritik an päpstlicher Entscheidung
Die innerkirchlichen Kritiker dieser päpstlichen Entscheidung, vor allem Bischöfe wie Franz Kamphaus (Limburg) und Karl Lehmann (Mainz), gaben zu bedenken, dass damit die Kirche den Zugang gerade zu den Frauen verliere, die – aus welchen Gründen auch immer – einen Schwangerschaftsabbruch in Erwägung zögen. Dies bedeute, dass sie ihrem Auftrag, den Frauen zu helfen und für den Schutz des Lebens einzutreten, nicht mehr nachkommen könnte.
Hede Strubel-Metz, heute Vorsitzende des Vereins „donum vitae“ Ludwigshafen/Vorderpfalz, und Helga Schädler, stellvertretende Vorsitzende – beide seit Jahrzehnten ehrenamtlich im Bistum Speyer im Familienbund der Katholiken tätig – erinnern sich: „Das war wirklich eine große Sache; es musste etwas geschehen – und zwar schnell. Denn auch wenn Rom es anders sah – wir wollten die Frauen in diesen Nöten nicht alleine lassen und waren sicher, dass der Zugang nur über den staatlich vorgeschriebenen Beratungsschein möglich war.“
Das Wagnis lohnte sich
Aus dem Zentralkommittee der Katholiken (ZDK) enstand eine Bewegung mit vielen, auch prominenten Unterstützern, die zur Gründung des Vereins „donum vitae“ führte. Das Wagnis lohnte sich: Heute sind es mehr als 200 Beratungsstellen in Deutschland mit staatlicher Anerkennung.
Bei der Gründungsversammlung im Januar 2000 in St. Ludwig in Ludwigshafen traten sofort über 80 Mitglieder dem Verein bei. Und bald waren es über 200 Mitglieder in der Vorderpfalz. „Wir standen vor dem Nichts und mussten ins kalte Wasser springen; niemand wusste, wie es werden würde. Aber es gab auch viele gut ausgebildete und erfahrene Konfliktberaterinnen bei der katholischen Kirche, die ihre bisherige Aufgabe verloren hatten und zu uns kamen“, erzählt Schädler.
Kinderwunsch oder Trauer
Heute gibt es ein Netz staatlich abgesicherter „donum vitae“-Beratungsstellen im Land. Die Beratung ist kostenlos; einen Termin bekommen Betroffene innerhalb von zwei Tagen. Diplom-Sozialpädagogin Rania Joßé-Kappner ist Beraterin in Ludwigshafen und erzählt: „Schwerpunkt ist sicher die Schwangerschaftskonfliktberatung. Aber wir verstehen unseren Auftrag weiter und umfassender: Wir tun, was gebraucht wird, beraten, informieren und begleiten in allen Fragen rund um Schwangerschaft und Sexualität im Rahmen der geltenden Gesetze und auf der Grundlage unseres christlichen Menschenbildes. Auch psychosoziale Beratung bei Pränataldiagnostik oder unerfülltem Kinderwunsch kann ein Thema sein – oder Trauerbegleitung, wenn ein Kind verloren wurde, auch wenn es durch einen Abbruch geschehen ist.“
Ein besonderer Schwerpunkt ist die sexualpädagogische Präventionsarbeit nach dem Programm von „My Fertility Matters“ (MFM) in Schulen; Workshops – getrennt für Jungen und Mädchen – sind ein sehr gut angenommenes Konzept, so Joßé-Kappner: „Nur was ich kenne und schätze, kann ich schützen.“ Zudem hat „donum vitae“ den Auftrag des Bundes für die aufsuchende Flüchtlingshilfe von schwangeren Frauen bekommen. „Wir verstehen dies als Ausdruck der staatlichen Wertschätzung unserer Arbeit“, sagt die Ludwigshafener Vorsitzende.
Umfassendes Hilfsprogramm
Aus der spontanen Aktion von christlichen Laien vor 20 Jahren hat sich so ein tragfähiges umfassendes Hilfsprogramm zum Schutz des Lebens von Anfang an entwickelt. „donum vitae“ will weiterhin an der Seite der Frauen für das ungeborene Leben eintreten, „das wir niemals gegen, sondern nur gemeinsam mit der Mutter schützen können“, so Schädler, Joßé-Kappner und Strubel-Metz, die sich über jedes neue Vereinsmitglied freuen.
Kontakt
- Beratungsstelle „donum vitae“, Telefon 0621 5724344, E-Mail ludwigshafen@donumvitae.org
- Spendenkonto: IBAN DE30 5455 0010 0000 0498 09, BIC LUHSDE6AXXX, Sparkasse Vorderpfalz