Ludwigshafen
Ludwigshafen und seine Bunker
Die gescheiterte „Generalprobe“ der alliierten Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg am 19. August 1942 in Dieppe in Nordfrankreich für den „D-Day“ ist Thema eines Vortrags von Klaus Jürgen Becker am Samstag, 4. Dezember, 15 Uhr, im Stadtarchiv. Der stellvertretende Archivleiter tritt dabei in seiner Funktion als Schatzmeister des Arbeitskreises Bunkermuseum Ludwigshafen ans Mikrofon. Becker will sich in seinem Vortrag mit der mit einem Desaster für die Alliierten endenden Landungsoperation mit 237 Schiffen und 7500 Soldaten auseinandersetzen.
Mit diesem Thema aus Nordfrankreich bewegt sich der Arbeitskreis, dem 30 Mitglieder angehören, nicht nur geografisch weit weg von seinen eigenen Zielen: der Beschäftigung mit der Geschichte des Luftkriegs im Ersten und Zweiten Weltkrieg über Ludwigshafen und mit dem Ziel der Wissensbewahrung der heute noch sichtbaren Zeugen wie Hochbunker, von denen immer noch 26 über die ganze Stadt verteilt sind. Denn Ludwigshafen wurde schon 1939 von den Berliner NS-Behörden zum „Luftschutzort 1. Ordnung“ erklärt – wegen der kriegswichtigen Industrie.
Bunker katalogisiert
Ein Bunker wird im Zuge des Hochstraßenabrisses bald verschwinden: Der Würfelbunker nahe der Kurt-Schumacher-Brücke mit dem weithin sichtbaren Ludwigshafener Stadtwappen auf dem Dach. Er wurde vor rund 80 Jahren in der Nähe des damaligen Hauptbahnhofs gebaut, hatte sieben Stockwerke und ein weitläufiges Erdgeschoss. Der geplante Abriss dieses mächtigen Weltkriegs-Monumentes war einer der Gründe für die Entstehung des Arbeitskreises am 23. Februar 2017.
Der Arbeitskreis hat unter anderem die noch bestehenden zivilen Hochbunker der Stadt katalogisiert und möchte sie nach und nach ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken. Zum Beispiel durch geführte Begehungen, Workshops oder Vorträge. Die wuchtigen Beton-Giganten aus der NS-Zeit wurden meist zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in den Jahren 1940 bis 1943 hochgezogen und oft mit fensterähnlichen Verzierungen an den Fassaden notdürftig getarnt: Sie sollten damit harmlose Wohnhäuser vorgaukeln. Innen gab es sanitäre Anlagen sowie Technik für Lüftung, Strom- und Heizung. Gucklöcher ganz oben waren dazu da, nach Luftangriffen Brände in der Umgebung zu entdecken.
Einige Bunker stehen leer
Heute stehen einige dieser Weltkriegs-Zeugen leer oder unter Denkmalschutz wie zum Beispiel die beiden Bunker mitten in der Gartenstadt, der achteckige Mundenheimer Bunker an der Saarlandstraße, der backsteinverkleidete „Scheunenbunker“ in Niederfeld oder der Bunker an der Rohrlachstraße. Einige werden als Standorte für weitreichende Antennen genutzt wie der Bunker an der Wattstraße in Mundenheim. Nach Kriegsende wurden einige Bunker nach und nach privatisiert. So der Rolles-Bunker im Hemshof, der zeitweise ein Hotel war, als Wasserturm fungierte und heute als „Kulturm“ dient.
Der spitzbögige Bunker nahe des Hauptbahnhofs wird seit 1988 von den Mitgliedern des Alpenvereins als 25 Meter hoher Kletterbunker genutzt, auf einem Bunker an der Saarlandstraße befindet sich ein Penthouse mit weitem Rundumblick. Der inzwischen in Privatbesitz befindliche Hällmayer-Bunker in Oppau wurde nie ganz fertiggestellt und barg deshalb die schutzsuchenden Menschen in den unteren Etagen. Er hat eine tragische Geschichte: Dort starb 1945 ein Mann, als er mit einer weißen Fahne den Angreifern signalisieren wollte, dass es keinen Widerstand gibt: Er war der letzte Oppauer Kriegstote …
Zahlreiche Angriffe im Zweiten Weltkrieg
Dass die Kriege des 20. Jahrhunderts auch Gefahr aus der Luft brachten – das musste Ludwigshafen erstmals wenige Tage nach Pfingsten 1915 erleben, als 18 feindliche Flugzeuge etwa 40 Bomben auf die BASF und die Stadtteile Nord, Friesenheim und Mundenheim warfen. Es waren zwölf Tote und 28 Verletzte zu beklagen. Im Ersten Weltkrieg gab es deutschlandweit einer Statistik zufolge durch Bombenabwürfe insgesamt 729 Tote und 1754 Verletzte. Als nach dem Zweiten Weltkrieg diese Luftkriegsbilanz allein für Ludwigshafen gezogen wurde, mussten nach 124 Luftangriffen auf die Stadt 1778 Tote und 2962 Verletzte registriert werden.