Ludwigshafen Ludwigshafen: Umleitung statt Fahrverbot

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In der Heinigstraße waren am Montagnachmittag ausnahmsweise mal weniger Autos unterwegs.

Die Stadt will den Durchgangsverkehr von der Heinigstraße in die südwestlich parallel dazu verlaufende Lorientallee umleiten. Damit soll die zentrale Hauptachse in der Innenstadt entlastet und die Abgasbelastung spürbar gedrosselt werden. Ende Juni soll das Projekt starten. Dafür haben sich der Bau- und Grundstücksausschuss sowie die Ortsbeiräte Süd und Nord gestern ausgesprochen.

Mit diesem Schritt will die Stadt drohende Diesel-Fahrverbote in der Heinigstraße vermeiden. Denn an der Landesmessstelle in der täglich von 30.000 Fahrzeugen befahrenen City-Hauptachse wird der Stickoxid-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft seit Jahren überschritten. Die Belastung verursachen vor allem Diesel. Zwar wurde bereits eine Reduzierung erreicht – im Vorjahr lag die Konzentration nur noch vier Mikrogramm über dem zulässigen Grenzwert. Doch sind die bereits in den Luftreinhalteplänen angestoßenen Gegenmaßnahmen laut Stadt inzwischen ausgereizt. Die Einhaltung des EU-Grenzwerts bis spätestens 2020 sei damit nicht zu schaffen. Deshalb soll der Verkehr nun in größerem Umfang in die Lorientallee verlagert werden, in der täglich lediglich 10.000 Fahrzeuge unterwegs sind. Außerdem sei die Allee besser durchlüftet, weil es dort keine Wohnbebauung gibt, erläuterte Verkehrsplaner Thomas Lappe. Untersuchungen zufolge habe die Hälfte der Fahrzeuge in der Heinigstraße nicht das Ziel Innenstadt. Die Allee sei daher eine gute Alternative. Mit ihrer Strategie will die Stadt den Immissionswert an der Messstelle Heinigstraße um bis zu 16 Prozent reduzieren. Sie sieht vor, den Durchgangsverkehr in der Heinigstraße ohne Verbote weitgehend umzulenken. Die Erreichbarkeit des Zentrums soll dabei weiter gewährleist, der Verkehrsfluss erhöht und somit die Schadstoffbelastung unter den Grenzwert gesenkt werden. Wegweiser und Schilder mit Hinweisen zur Luftreinhaltung, angepasste Ampelphasen sowie Fahrspurverringerungen – stellenweise zugunsten von Radwegen – sollen helfen, den Verkehr neu zu justieren und zum gewünschten Ergebnis führen. Die geschätzten Gesamtkosten von 210.000 Euro trägt das Land – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass das Projekt bis zum Jahresende umgesetzt wird. Bis auf die Linkspartei, der die Eingriffe nicht weit genug gehen, lobten alle Fraktionen das Vorgehen. „Alles, aber bitte keine Fahrverbote“, meinte Süd-Ortsvorsteher Christoph Heller (CDU). Diese wären ein „Super-GAU“ für die Stadt und würden vor allem den Mittelstand ins Mark treffen. Die Grenzwerte einzuhalten, sei eine „schwierige und komplizierte Aufgabe“, denen sich die Großstädte aber stellen müssten, sagte Udo Scheuermann (SPD). Er merkte aber auch an: „Wenn wir ehrlich zueinander sind, ist die Umlenkung des Verkehrs nur eine Umverteilung der Schadstoffe. Ich hoffe, dass wir durch die Straßenverengungen nicht das Gegenteil erreichen.“ Wichtig sei es deshalb, die Menschen zu motivieren, möglichst aufs Auto zu verzichten. Hans-Uwe Daumann (Grüne) sprach von positiven Effekten für die Anwohner der Heinigstraße, derweil Andreas Hofmeister von der LKR („Man muss die Situation nicht dramatisch reden“) wiederholt bezweifelte, dass die Messstelle in der Heinigstraße am richtigen Standort postiert sei. EU-Vorschriften zufolge sollte sie dort stehen, wo die Wohnbebauung sei. „Dann hätten wir die vier Mikrogramm längst von der Backe.“ Für Umweltdezernent Klaus Dillinger (CDU) geht es darum, „die Gesundheit der Einwohner zu schützen, Grenzwerte einzuhalten und Fahrverbote zu vermeiden“. Breite Zustimmung gab es auch für die Erarbeitung eines Konzepts zum „umweltsensitiven Verkehrsmanagement“ sowie für die Aufrüstung des Verkehrsrechners durch die Firma Siemens (380.000 Euro). Zusätzliche Module sollen unter Berücksichtigung meteorologischer Daten für eine bessere Verkehrssteuerung sorgen, um etwa Echtzeitinformationen via App auf Handys oder auf Hinweistafeln zu übermitteln. Ziel ist auch hier ein reibungsloser Verkehrsfluss. Denn 60 Prozent der Abgase würden beim Anfahren der Fahrzeuge ausgestoßen, wie Umweltbereichsleiter Rainer Ritthaler betonte. Die Kosten übernimmt auch in diesem Fall das Land aus dem Fördertopf von einer Million Euro, der Ludwigshafen dafür bereitgestellt wurde. Parallel dazu wird am gemeinsam mit Mannheim und Heidelberg beim Bund beantragten Masterplan „Green City“ gefeilt – als Teil des Aktionsprogramms „Saubere Luft“, für das Berlin insgesamt eine Milliarde Euro an beteiligte Kommunen ausschüttet. Einige Anträge dazu hat Ludwigshafen bereits fristgerecht zum 31. Januar gestellt – etwa für die Beschaffung von 26 Elektrofahrzeugen samt Ladestruktur (562.000 Euro). Für 46.000 Euro soll das Fahrradverleihsystem um fünf Stationen aufgestockt werden. 90 Prozent der Kosten werden bezuschusst. Über den Förderweg des Masterplans wurden übrigens auch jene Gutachten beauftragt, die Vorteile der Ausweichroute Lorientallee zur Entlastung der Heinigstraße auflisten.

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Der Durchgangsverkehr in der Heinigstraße soll ab Ende Juni in die Lorientallee (Foto umgeleitet werden.
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