Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ludwigshafen: Tüfteln unterm Schuldach – die Robotik AG des Geschwister-Scholl-Gymnasiums

Mitglieder der Robotik AG bei Tests auf dem Speicher des Scholl-Gymnasiums.
Mitglieder der Robotik AG bei Tests auf dem Speicher des Scholl-Gymnasiums.

Die „GSG-Robots“ des Geschwister-Scholl-Gymnasiums (GSG) in Süd waren am 18. Januar beim Regionalwettbewerb der First Lego League in Nürnberg erfolgreich. In allen Wertungen erreichten die Ludwigshafener die Maximalpunktzahl. Am Samstag geht’s zum Halbfinale „Middle“ in Regensburg. Ein Besuch.

„Schon ein spezieller Haufen“ sind die 13 Schüler, die sich auf dem Dachboden des Gymnasiums Friedrich-Heene-Straße 11 eingenistet haben, sagt Günther Schön. „Hier kann man auch mal was stehen lassen“, erklärt der 42-jährige Informatik-, Mathe- und Biolehrer, warum die Robotik AG seit acht Jahren auf dem Speicher ist. Mit Kollegin Juliane Bechtel erweckte Schön die AG damals zum Leben.

Kein stählerner Iron-Man-Anzug versteckt sich in einem der Schränke. Die Jugendlichen aus den fünften bis 13. Klassen sind auch nicht am hämmern und schweißen, wenn sie sich mal in der Pause, mal in der Freistunde unters Dach zurückziehen. Vielmehr wird gesteckt und „tief in die Programmierung abgetaucht“, wie Gründungsmitglied Anton (18) sagt.

Denn die GSGler nutzen Legosteine und Legotechnik, um sich immer wieder mit neuen Problemfeldern auseinanderzusetzen und beim internationalen Wettbewerb First Lego League (FLL) seit Jahren Pokale abzuräumen. Steine, Zahnräder oder Elektromotoren stehen teils wohlsortiert in Boxen an der Wand oder liegen noch von den letzten Versuchsläufen auf den Spielfeldern verteilt.

Immer wieder vordere Plätze

„City Shaper“ lautet das diesjährige Wettbewerbsmotto, bei dem es darum geht, mit größeren und kleineren urbanen Problemstellungen fertig zu werden. „Einen Stau in der Stadt auflösen“ sollen die selbstgebauten Helfer etwa laut Lena (15). „Ein Gebäude bauen, zum Beispiel mit einem Kran“, nennt die 14-jährige Maria eine andere Wettbewerbsvorgabe, die auf dem zweidimensionalen, rund drei Quadratmeter weiten Spielfeld verwirklicht werden soll. Auch eine Rollstuhlfahrerin in einer barrierelosen Schaukel befindet sich auf der Miniaturlandschaft. Sie soll von einem Roboter „zum Schaukeln gebracht“ werden, wie Maria ausführt.

„Im August kriegen die Teams weltweit die Spielfelder zugeschickt“, erläutert Lena den Zeitplan. „Bis Januar haben wir dann Zeit, die Roboter zu programmieren und die Probleme zu lösen.“ Die Lebensqualität älterer Menschen, die Bekämpfung von Naturkatastrophen oder Weltraumreisen waren Themenvorgaben der vergangenen Jahre. Bei den Regionalwettbewerben schaffte es die zehnköpfige Turniermannschaft der Robotik AG seit 2012 immer wieder auf den ersten Platz oder in dessen Nähe. Auch im europäischen Halbfinale kamen die Ludwigshafener schon mehrfach auf vorzeigbare Punktestände.

In vier Kategorien ist der Wettkampf unterteilt: „Beim Robot-Game stellen wir den Roboter auf den Tisch, lassen ihn fahren und die Punktzahl wird ermittelt“, grenzt die 14-jährige Tina diese von der Kategorie Robot-Design ab. Aber auch „Teamwork“ sei eine Wettbewerbsklasse für sich, bei der die Juroren ganz genau hinschauen: „Machen die Coaches oder das Team die Arbeit? Haben sie Spaß oder streiten sie sich?“, erzählt der 16-jährige Jannis vom Erfolg beim letzten Regionalwettbewerb am 18. Januar in Nürnberg – die GSG-Robotik AG holte unter 16 Mannschaften fünf von sechs ersten Plätzen. Das nächste europäische Semifinale steht unmittelbar bevor: Am Samstag tritt die Robotik AG in Regensburg an.

Gemeinschaft als Stärke

Losgelöst vom Spielfeld wird im Wettbewerb jährlich ein Forschungsauftrag ausgeschrieben. Dieses Jahr ließen sich die GSGler die Solarmarkise einfallen: Da Fassade und Dach des GSG denkmalgeschützt sind, dürfen keine Panels zur Gewinnung von Sonnenenergie montiert werden. Als Lösung konstruierte die AG ihre Solarmatte: Dünn und flexibel lässt sie sich an jede Fenstermarkise hängen und mit ihr auf- und abrollen.

Bei so viel regem Forschergeist, gibt es da nicht auch Frusterlebnisse? „Oh ja“, muss Mitthillan (16) nicht lange überlegen: „Zum Beispiel, wenn der Roboter nicht richtig funktioniert.“ „Oder wenn es mit der Programmierung nur ein paar Mal läuft und dann plötzlich nicht“, kennt auch Tibor (16) Momente, in denen man alles hinschmeißen könnte. „Gerade in solchen Momenten ist es von Vorteil, dass wir so viele sind“, weiß Gründungsmitglied Anton, dass die Stärke in der Gemeinschaft liegt.

Muss man eigentlich gut in Mathe sein, um bei der Robotik AG mitzumachen? „Eine Mathe-Affinität ist schon sehr deutlich“, meint der 14-jährige David und lacht, betont aber auch, dass das nicht reicht: „Teamgeist und Integration“ seien mindestens genauso wichtig. „Sagen wir es so“, fasst Anton zusammen: „Niemand kommt als Mathe-Robot-Nerd in unsere AG rein, aber alle gehen so raus.“

Im Netz

www.first-lego-league.org

Das GSG-Team beim Wettbewerb in Nürnberg.
Das GSG-Team beim Wettbewerb in Nürnberg.
x