Ludwigshafen
Ludwigshafen: Künstliche Intelligenz hilft bei Planung in der Hochschul-Mensa
Zu viel Essen produzieren und es anschließend wegwerfen? Das muss nicht sein. Das dachten sich zwei Studenten aus Bayern vor einigen Jahren. Ihre Unternehmensidee hilft auch der Hochschul-Mensa in Ludwigshafen.
Die Idee hatte Valentin Belser noch als Student. In der Mensa hatte er mitbekommen, dass häufig viele Mahlzeiten übrigbleiben. Er habe sich dann erkundigt, was damit passiert, und habe erfahren, dass das meiste weggeworfen werde, erzählt der Jungunternehmer aus Garching bei München. Und weil er gerade am Ende seines Studiums der Luft- und Raumfahrttechnik war und darüber nachdachte, was er nun beruflich machen will, kam er mit einem Studienkumpel, der Robotik zu seinem Fach gemacht hatte, auf eine Idee: Die beiden wollten den Küchenchefs helfen, die Anzahl der benötigten Essen genauer zu planen.
Seit eineinhalb Jahren im Einsatz
Belser und Kollege entwickelten also eine Software, die genau das können sollte. Sie gründeten das Start-up Delicious Data. Mit ihrer Software präsentierten sich die beiden bei mehreren Studierendenwerken, auch dem in der Vorderpfalz, das neben Standorten in Landau, Germersheim und Worms auch für die Mensa der Hochschule Ludwigshafen zuständig ist. Belser konnte mit seinem System überzeugen. Seit mittlerweile eineinhalb Jahren setzt das Studierendenwerk Vorderpfalz die künstliche Intelligenz von Delicious Data in Landau und Ludwigshafen ein, um Tag für Tag darüber zu entscheiden, wie viele Mensaessen es braucht.
Auch Wetter wird einberechnet
War bis dahin der Küchenchef der Ludwigshafener Mensa alleine dafür zuständig und plante aufgrund seiner Erfahrungen, hilft ihm seither die Software. Andreas Dubiel, Leiter der Hochschulgastronomie des Studierendenwerks Vorderpfalz, gibt folgendes Beispiel: „Man stelle sich vor, es ist Prüfungswoche, der Donnerstag ist ein Feiertag, und für Mittwoch ist schlechtes Wetter vorhergesagt – wie viele Essen sollen da für den Mittwoch zubereitet werden?“ Da helfe nun der Algorithmus von Delicious Data, der verschiedene Faktoren wie etwa Wetter, Veranstaltungen auf dem Campus oder auch die zuletzt bei einer derartigen Konstellation verkauften Essen in die Planungen einfließen lasse. „Die Entscheidung, wie viele Essen tatsächlich zubereitet werden, liegt letztlich aber nach wie vor beim Küchenchef“, sagt Dubiel.
Anfangs gab’s Vorbehalte
Allerdings habe die neue Software ihren Nutzen inzwischen unter Beweis gestellt. Habe es anfangs schon hier und da Vorbehalte gegen das neue System gegeben, habe sich inzwischen gezeigt, dass die Unterstützung durch die Software Sinn mache. „Zwischen Juli und November 2018 haben wir in Ludwigshafen und Landau noch im Schnitt 74 Essen pro Tag zu viel hergestellt, im gleichen Zeitraum des laufenden Jahres waren es nur noch 46“, macht Dubiel deutlich. An seinen vier Standorten produziere das Studierendenwerk Vorderpfalz jährlich etwa 285.000 Mahlzeiten, grob geschätzter Kostenpunkt: 450.000 Euro.
Algorithmus musste lernen
In den ersten Monaten nach der Inbetriebnahme habe der Algorithmus noch viel lernen müssen, sagt Belser. Aber je länger er im Einsatz sei, „desto genauer sind seine Prognosen geworden und desto mehr lernen wir wiederum von ihm“, ergänzt Dubiel. Und es laufe jetzt „wirklich gut“, versichert der Gastronomieleiter, Unternehmer Belser spricht von einem „marktreifen System“. Das Software-Paket, das das Studierendenwerk gekauft hat, läuft laut Dubiel bis Ende kommenden Jahres. Aber er gehe davon aus, dass die Küchenchefs der Landauer und Ludwigshafener Mensa auch danach weiter auf die künstliche Intelligenz aus Garching zurückgreifen werden können. Dabei gebe es auch Überlegungen, die kleineren Standorte in Germersheim und Worms mit einzubinden. „Hier wird es ab März für zwei, drei Monate eine Testphase geben“, kündigt Dubiel an.