Ludwigshafen
Ludwigshafen: Holger Bambach ist seit einem Jahr Chef der Autobahnpolizei
Für 244 Kilometer Autobahn und Bundesstraße sind Holger Bambach und seine Kollegen von der Autobahnpolizei zuständig. Seit einem Jahr leitet der 48-Jährige die Station in Ruchheim. Ein Job zwischen Lkw-Kontrollen, Unfallhilfe und dem Ärger über egoistische Autofahrer.
Gerade neulich war Holger Bambach bei einem Einsatz auf der Autobahn – ein Unfall mit einem Verletztem. Er kniete sich neben das Unfallopfer und half, als Lastwagen mit vollem Tempo und hupend an ihm vorbeifuhren. Es sind Situationen wie diese, die den 48-Jährigen ärgern, ihn aufwühlen. „Es ist sehr erschreckend, wenn man den Egoismus der meisten Leute sieht“, sagt Bambach beim Gespräch in der Polizeiautobahnstation Ruchheim. „Viele haben Rechte, aber keiner mehr Pflichten“, ist sein Eindruck – sei es in Staus, wo keine Rettungsgasse gebildet wird oder aber Privat-Pkw hinter Einsatzfahrzeugen durch die rettende Gasse herfahren.
„Geradeaus-Polizei“ genannt
Seit einem Jahr leitet Holger Bambach die Autobahnpolizei Ruchheim. „Wenn es irgendetwas gibt, wo ich nicht hinwollte, ist es die Autobahn“, sagt er. Unter Kollegen ist diese als „Geradeaus-Polizei“ verschrien. Schließlich ist das die einzige Richtung auf der Schnellstraße. Nach einem „kurzen, heftigen Meinungsaustausch“ habe sein damaliger Chef ihn aber doch überzeugt, sagt er schmunzelnd. Das ist ein paar Jahre her. Denn Bambachs Weg auf der Autobahn begann schon einige Jahre zuvor.
Eigentlich hatte der Mann aus dem Landkreis Birkenfeld bei Idar-Oberstein zuerst eine Ausbildung bei der Post gemacht, sich dann aber bei der Polizei beworben. Er war unter anderem bei der Bereitschaftspolizei in Enkenbach, dann an verschiedenen Stellen beim Polizeipräsidium Rheinpfalz. Bei der Kriminalpolizei Neustadt arbeitete er als Sachgebietsleiter Fahndung.
Dabei hatte er auch mit Fällen aus dem Programm „Visier“ zu tun, das sich mit entlassenen, rückfallgefährdeten Straftätern beschäftigt, darunter viele Sexualstraftäter. „Das war mit die belastendste Zeit“, sagt Bambach rückblickend. Die Gespräche mit den Tätern, „die Schicksale, die dahinter stecken“. „Als Polizist ist man es gewohnt, Probleme zu lösen“, doch das konnte man dabei nicht. Die Menschen hatten ja ihre Strafe abgesessen. „Ich bin selbst Vater“, sagt der Mann, der mit seiner Frau und seinem 19-jährigen Sohn in Neustadt lebt. Viele der Fälle nahm er im Kopf mit nach Hause.
Als Fahnder auf die Autobahn
2015 wechselte er zur Fahndung Zentrale Verkehrsdienste, auch Autobahnfahndung genannt. „Alle überörtlichen Täter müssen früher oder später über die Autobahn“, sagt Bambach. Von Bundesländergrenzen lassen sie sich – beispielsweise Geldautomatensprenger – nicht aufhalten. So begann schon damals sein Engagement für die länderübergreifende Arbeit, die ihm bis heute ein besonderes Anliegen ist. Bambach begann schnell, sich für die Arbeit „auf der Straße“, zu begeistern. „Ich hätte nie gedacht, dass man da so erfolgreich sein kann“, sagt er im Hinblick auf Drogenkurierfahrten, die er und seine Kollegen ebenso entdeckten wie verdächtige Fahrzeuge mit reisenden Tätern.
Viele Lkw-Kontrollen
Als Leiter der Polizeiautobahnstation Ruchheim ist der Kriminalhauptkommissar Chef von knapp über 40 Mitarbeitern. Er hofft auf mehr Personal. Denn zu den Aufgaben gehört mehr, als den Verkehr zu überwachsen und Unfälle aufzunehmen; so etwa die Bekämpfung von Kriminalität. Man versuche beispielsweie verstärkt, Verkehrsrowdys aus dem Verkehr zu ziehen. „Wir haben sehr viel mit Lkw-Kontrollen zu tun“, nennt Bambach einen weiteren Schwerpunkt. Das ergebe sich aus der A 61, die durchs Zuständigkeitsgebiet führt und auf der viele der großen Fahrzeuge unterwegs sind. Dieses Jahr hätten seine Kollegen außerdem bereits 20 gefälschte Dokumente gefunden und in fast 180 Fällen Blutentnahmen angeordnet, wegen Verdacht auf Alkohol- oder Drogenkonsum. Ein vielfältiger Job also und keineswegs nur „geradeaus“. Er und seine Kollegen sind für insgesamt 244 Kilometer Autobahn und Bundesstraße zuständig.
Über Ländergrenzen hinweg
Das Herzensthema länderübergreifende Zusammenarbeit möchte er weiter stärker in den Fokus nehmen, etwa mit gemeinsamen Kontrollen zusammen mit den baden-württembergischen und den hessischen Kollegen. „Polizei ist Ländersache und das ist ein Vorteil, den die Täter nutzen“, betont Bambach.
Den Ausgleich zum Job findet er beim Sport, mit Fitnesstraining und Mountainbike-Fahren. Er sagt über sich: „Ich habe eine große Stärke und eine große Schwäche: meine Emotionalität.“ Was auch mit seiner Vergangenheit zusammenhängt. Als er 13 Jahre alt war, wurden Bambach und seine Geschwister zu Vollwaisen. Seine damals 24-jährige Schwester übernahm die Vormundschaft für ihn, wofür Holger Bambach ihr öffentlich bei der Amtseinführung im vergangenen Jahr dankte. „Ich weiß, wenn das damals anders gelaufen wäre, wäre ich nicht auf dieser Seite des Gesetzes.“ Nun ist er es – und achtet darauf, dass das auch andere bleiben.