Ludwigshafen "Ludwigshafen hat es verpasst, Studentenstadt zu werden"

Szenekneipen, coole Locations und eine Prise Subkultur: Auch das macht Hochschulstandorte wie etwa Mannheim attraktiv.
Szenekneipen, coole Locations und eine Prise Subkultur: Auch das macht Hochschulstandorte wie etwa Mannheim attraktiv.

300 bis 400 Studenten-Wohnungen fehlen derzeit in Ludwigshafen. Das hat Hochschul-Präsident Peter Mudra am Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion gesagt. Zugehört hat auch Andreas Schülke vom Studierendenwerk Vorderpfalz. Im Interview meint er: In Ludwigshafen wurde eine Entwicklung verschlafen.

Herr Schülke, Ludwigshafen möchte mehr Wohnraum für Studenten schaffen. Können Sie weiterhelfen?

Wir könnten schon und wir wollen auch … … aber? Es mangelt an den richtigen und bezahlbaren Standorten in der Stadt. Wir müssen ja sozialverträgliche Mieten für Studierende anbieten – und das können wir nur mit Förderung oder billigem Baugrund. Sind die Verantwortlichen der Stadt schon auf Sie zugekommen? Wir sind im Gespräch. Es geht jetzt um den Nachweis von geeigneten Grundstücken. Das Problem sind die relativ hohen Preise für Baugrund in Ludwigshafen. Da sind wir noch nicht so weit bei der Stadt durchgedrungen. Das Thema haben wir aber bisher nicht auf die Agenda gesetzt, weil es zunächst einmal um den Nachweis von Grundstücken geht. Aber wir sind in Kontakt. Wie viele Wohnheimplätze bieten Sie aktuell in Ludwigshafen an? Es gibt gerade mal 174 Wohnheimplätze des Studierendenwerks in Ludwigshafen. Der Mietvertrag mit dem Investor läuft 2024 aus. Danach könnte die Zahl auf Null sinken. Das kann weder die Stadt noch die Hochschule wollen. Wir bauen gern, aber die Standorte und die Preise müssen stimmen. Da warten wir auf ein Signal aus dem Rathaus. Mehr Studenten heißt gleich belebtere Innenstadt: Geht diese in Ludwigshafen aufgemachte Rechnung auf? Studierende sorgen für junges und kreatives Leben in einer Stadt. Das kann man im „kleinen“ Landau spüren. Aber Studierende können nicht der Kitt sein, um Löcher in der Stadtentwicklung zu stopfen. Was läuft besser in Landau? In Landau hat es in den vergangenen 20, 30 Jahren eine Stadtentwicklung hin zu einem familiären Charakter gegeben. Hier ist es einfach so, dass Studierende willkommen sind. Und in Ludwigshafen sind Studierende nicht willkommen? Das weiß ich nicht. Aber wenn ich das Revue passieren lasse, was einer der Studenten bei der Podiumsdiskussion gesagt hat, habe ich da so meine Fragezeichen im Kopf. Die Stadt leidet darunter, dass sie kaum als Hochschulstandort wahrgenommen wird. Woran liegt das? Ludwigshafen hat es meiner Meinung nach verpasst, einen strategischen Weg zu finden, wie man zu einer Studentenstadt wird. Es fehlen Konzepte und Angebote, wie man Studierende in ein lebendiges Stadtbild integriert. Das passt zur Kritik einiger Studenten bei der Podiumsdiskussion, hier gebe es keine besondere Willkommenskultur. Anderswo bekommen angehende Akademiker ein Semesterticket wie in Mannheim oder ein Fahrrad wie in Oldenburg geschenkt. Sollte die Stadt da aktiv werden? Ich glaube nicht, dass allein ein Willkommenspaket Studierende nach Ludwigshafen locken würde. Das tut schon die exzellente Hochschule. Die Stadt ist für viele Studierende erst mal zweitrangig. Und dann sagt der Studierende halt, und das soll jetzt nicht böse klingen: Ich kann ja nach Mannheim ziehen. Natürlich muss Ludwigshafen aktiv werden. Studierende sind nicht nur ein belebendes Element, sondern die Basis einer Technologieregion. Dafür muss man halt Anreize schaffen. Welche denn? Dass man etwa eine Gründerszene oder ein Gründerbüro wie in Landau etabliert, falls sich Studierende selbstständig machen wollen. Wie das neue Gründerzentrum „Freischwimmer“ im Hallenbad Nord. Das ist der richtige Weg. Man muss alle Möglichkeiten ausschöpfen. Dazu gehört vielleicht auch ein Campus in der Innenstadt. Die Landesregierung hat die Idee eines City-Campus allerdings im Sommer verworfen – die IHK-Tischrunde, ein Unternehmerkreis, der das Ludwigshafener Image aufwerten will, hatte den Vorschlag ins Spiel gebracht, den Campus ins Zentrum zu verlegen. Wie haben Sie die Debatte verfolgt? Die Idee war nicht schlecht, aber für deren Umsetzung war es zu spät. Da wurde also eine Entwicklung verschlafen? Ja. Aber das ist nichts, was Ludwigshafen nicht wieder wettmachen könnte. Am Dienstag war auch davon die Rede, dass es Studenten in coole Städte zieht, dahin, wo es Szeneviertel, gute und günstige Wohnungen gibt – fehlt Ludwigshafen diese Coolness? Eine coole Stadt muss nicht über ihre eigene Coolness diskutieren. Ich kann nur sagen, was ich von den Studierenden höre. Und da sagt keiner, Ludwigshafen ist cool. Was kann eine Stadt tun, um sich als Hochschulstandort von der Konkurrenz abzuheben? Sie muss verstehen, was neben der guten Lehre an der Hochschule zum Leben von Studierenden dazugehört und auch mal gemeinsam mit den jungen Leuten ungewöhnliche Wege gehen – in allen Bereichen: Wohnen, Kitas, Beratung, Mobilität und so weiter. Man muss Angebote schaffen, und zwar nicht am Stadtrand oder auf Flächen, die sonst keiner haben will – das wird nicht funktionieren. Und der Posttunnel in Ludwigshafen müsste endlich geöffnet werden, um eine schnelle Verbindung vom Hauptbahnhof zur Hochschule zu schaffen. Auch der Nahverkehr ist ein Standortfaktor. Welchen Hochschulstandort in der Region würden Sie in die Kategorie „sexy für Studenten“ einstufen? Mannheim, weil es sich mit der Popakademie und einer guten Subkultur super aufgestellt hat. Zudem gibt es ein Willkommenspaket. Ludwigshafen muss seinen eigenen Weg suchen. Das wird eine Weile dauern.

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