Ludwigshafen Ludwigshafen-Edigheim: Billard ist besser als sein Ruf

Beim Billard muss man über einen langen Zeitraum die Konzentration hochhalten.
Beim Billard muss man über einen langen Zeitraum die Konzentration hochhalten.

Pool-Billard hat nicht unbedingt den besten Ruf – beim Pool-Billard-Club Red Lions aus Ludwigshafen-Edigheim kämpfen sie mit Vehemenz gegen dieses negative Bild an. Im Interview spricht der Vorsitzende Jascha Krehbiel über Vorurteile, Trendsetter und Träume.

Herr Krehbiel, was fasziniert Sie so sehr am Pool-Billard?

Das Ursache-Wirkungs-Prinzip. Nur mit dem Queue (dem Spielstock, Anm. d. Red.) kann man die Richtung der weißen Kugel und damit auch die Richtung der anderen Kugeln bestimmen und beeinflussen. Das sind alles sehr komplexe Abläufe. Es ist sehr faszinierend, so etwas planen zu können und mit einem Stoß komplexe und zugleich faszinierende Kettenreaktionen auszulösen. Die Sportart Billard hat keinen guten Ruf, deshalb wenig Zulauf und ein Nachwuchsproblem. Woran liegt das? Es ist nicht leicht, darauf eine Antwort zu finden. Wer sie weiß, kann sich gerne bei mir melden (lacht). Billard hat sicherlich einen schlechten Ruf, wird als Kneipen-Sportart abgestempelt, obwohl das nichts mit unserem Sport zu tun hat. Wir spielen in einem eigenen Vereinsheim, nicht in einer Bar mit Spielautomaten, wo geraucht werden darf. Deshalb ist dieser Ruf nicht gerechtfertigt. Und das schreckt die Leute ab? Ja, ich glaube, dass viele Leute genau dieses Bild von Billard haben und deshalb auch ihre Kinder nicht zu uns ins Training schicken. Hinzu kommt, dass Billard oft nicht als Sport gesehen wird. Billard ist jetzt sicherlich kein Leistungssport. Aber man muss über einen langen Zeitraum die Konzentration hochhalten. Und das ist auch eine Form von Belastung. Entgegen dem deutschlandweiten Trend haben die Red Lions steigende Mitgliederzahlen. Warum? Wir haben seit Januar 2017 ein eigenes Vereinsheim, müssen also nicht mehr in einer öffentlichen Gaststätte spielen. In solch einem Ambiente liegt der Fokus auf dem Sport, unsere Mitglieder können die Spielstätte 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche nutzen. Außerdem sind die Kosten für den Einzelnen deutlich gesunken. Es ist nun nur noch ein monatlicher Beitrag fällig, es fallen aber keine zusätzlichen Kosten mehr für jedes Training an. Dadurch sind einige Billardspieler aus anderen Vereinen zu uns gewechselt – und es hat der eine oder andere wieder angefangen, der in der Vergangenheit aufgehört hatte. Die Red Lions haben im vergangenen Jahr einige Landesmeister gestellt. Und die erste Mannschaft spielte in der vergangenen Saison sogar in der Regionalliga, immerhin der dritthöchsten deutschen Spielklasse. Bei uns liegt der Fokus aber eher auf dem Breitensport, der Freude am Spiel. Wir haben zum Beispiel keinen Etat für die erste Mannschaft, um Spieler von außerhalb nach Ludwigshafen zu locken. Das ist gang und gäbe? Ab der Regionalliga ist es normal, dass man Spieler anlockt, indem man ihnen Prämien zahlt oder sie im Verein keinen Mitgliedsbeitrag zahlen müssen. Aber ich finde, dass es okay ist, wenn Vereine das machen, die das Budget dazu haben. Bei uns ist es anderes. Alle unsere Spieler sind schon sehr lange bei uns. Nach dem Abstieg wird es diese Saison schwierig mit dem direkten Wiederaufstieg. Die Mannschaft hat die Ambitionen, wieder aufzusteigen. Aber es gibt in der Oberliga eben nur einen Aufsteiger pro Saison. Langfristig wollen wir aber wieder in die Regionalliga, vielleicht ist irgendwann sogar mal die Zweite Liga möglich. Ohne Spieler von außen zu holen. Unsere Akteure haben die Spielstärke dafür, sie müssten sie nur alle mal zum gleichen Zeitpunkt abrufen. Wie stark sind denn die Pool-Billard-Spieler in Rheinland-Pfalz im bundesweiten Vergleich? Wir sind sicherlich nicht das stärkste Bundesland, Bayern und Baden-Württemberg sind uns weit voraus. Wir sind eher im Mittelfeld. Es gibt einige Mannschaften in Deutschland, die auch Topspieler aus den Niederlanden oder Österreich unter Vertrag haben. Die Bundesliga gilt ja auch als die stärkste Liga der Welt.

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