Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ludwigshafen: Debatte über radioaktive Altlasten im Gewerbegebiet „Sandloch“

Das Gewerbegebiet kurz vor der Wiedereröffnung 2016.  Archivoto: KUNZ
Das Gewerbegebiet kurz vor der Wiedereröffnung 2016. Archivoto: KUNZ

Um den Umgang mit radioaktiven Altlasten im Boden unter dem Gewerbegebiet „Am Sandloch“ in Rheingönheim ist eine Diskussion entbrannt. Die Grünen fordern mehr Transparenz und zweifeln an, ob die Sanierung des Gebiets ausreichend war. Die Behörden weisen die Kritik zurück und betonen: Es bestehe keinerlei Gefahr für die Bevölkerung.

Auslöser für die Debatte ist ein Bericht in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins „Spiegel“, in dem von teils radioaktivem Grundwasser und dem Austritt des strahlenden Edelgases Radon die Rede ist. Daraufhin haben die Grünen im Ludwigshafener Stadtrat Klarheit über die Urankontamination und den Radonaustritt gefordert.

Die Aufsichtsbehörde SGD in Neustadt weist daraufhin, dass die Altlasten seit Langem bekannt sind und das Gelände vor dem Bau eines neuen Fachmarktzentrums umfangreich saniert worden ist. Die Altlasten seien gesichert. Es bestehe keine Gefahr. Eine Gefährdung des Trinkwassers sei ausgeschlossen. Der nächstgelegene Trinkwasserbrunnen liege etwa 2,7 Kilometer Luftlinie entfernt im Maudacher Bruch, jedoch nicht im Abstrom des belasteten Grundwassers aus dem Gewerbegebiet. Das Areal werde ständig mit 16 Grundwassermessstellen überwacht. Bei einigen Messstellen sei der Uran-Gehalt im Grundwasser geringfügig zurückgegangen. Der Radon-Austritt liegt laut SGD im Jahresmittel deutlich unter dem vorgeschriebenen Grenzwert. Die Konzentration des Gases werde mit einer bei der Sanierung eingebauten Lüftungsanlage unter den geforderten Werten gehalten.

Kurzzeitige Spitzenwerte

In dem „Spiegel“-Artikel heißt es, dass im Supermarkt des Gewerbegebiets „kurzzeitig mehr als das Achtfache des Richtwerts“ für Radon gemessen worden sei. „Es besteht keine Gefahr für Beschäftigte und Kunden des Markts“, sagt dazu einer Sprecherin der Aufsichtsbehörde. Es gebe zwar kurzfristige Konzentrationsspitzen, man müsse diese aber im Zusammenhang mit der Gesamtkonzentration sehen. „Daraus kann man keine Schlüsse ziehen“, sagte die SGD-Sprecherin. Maßgeblich seien immer die Durchschnittswerte und nicht Spitzenwerte, die seit der Wiederöffnung in zweieinhalb Jahren zweimal kurzzeitig aufgetreten seien.

Unterdessen fordert Hans-Uwe Daumann von den Grünen im Rat, dass die SGD und die Stadtverwaltung Messwerte umgehend veröffentlichen und bewerten sollten. „Falls jemand der Meinung war, dass eine Abdeckfolie beim Bau des neuen Einkaufszentrums ausreichte, um die Altlasten von Uran, Radon, Arsen, Blei (...) im Zaum zu halten, muss er sich eines Schlechteren belehren lassen. Aktuelle Messwerte müssen transparent gemacht werden.“ Dabei gehe es den Grünen nicht um Panikmache, sondern darum, dass mit den „Altlastengefahren nachvollziehbar verantwortungsvoll umgegangen“ werde.

Altlasten von Farbenfabrik

Die Altlasten auf dem 28.000 Quadratmeter großen Areal stammen von einer Farbpigmentfabrik, die von den 1890er-Jahren bis 1959 dort ihren Sitz hatte. Grundlage für die Farben waren Schwermetalle. Im Boden fanden sich unter anderem Uran, aus dem sogenanntes Annagrün gewonnen wurde. Durch den Uran-Zerfall ist das Gas Radon entstanden. Im Boden wurden zudem auch Blei, Kupfer, Arsen und Mineralölkohlenwasserstoffe entdeckt.

2013 wurde von einem Investor gemeinsam mit den Aufsichtsbehörden ein Plan entwickelt, um das zwischenzeitlich brachliegende Areal wieder als Fachmarktzentrum nutzen zu können. Auf einen Aushub und die Entsorgung des Erdreichs wurde wegen des hohen technischen und finanziellen Aufwands verzichtet. Stattdessen wurden eine 40 Zentimeter dicke Betonplatte und Radonschutzfolien sowie ein Drainagesystem und ein Lüftungssystem in den Untergrund gebaut. Im stärker belasteten nördlichen Teil wurde die Böschung durch eine Spundwand ersetzt.

Das Areal wird auch nach dem Abschluss der Sanierung überwacht. Laut Aufsichtsbehörde gibt es keinen Grund zur Beunruhigung. Rainer Ritthaler vom Umweltbereich der Stadt sagte, dass die Verwaltung aufgrund der vorliegenden Ergebnisse die Einschätzung der zuständigen Behörden teile.

Einwurf: Vorschnell

Von Michael Schmid

Das Gewerbegebiet „Sandloch“ hat vor Jahren wegen seiner Altlasten für Schlagzeilen gesorgt. Die Aufsichtsbehörden versichern, dass seit der Sanierung weder für die dort Beschäftigten noch die Kunden eine Gefahr ausgeht. Punkt. Der nun in einem bekannten Nachrichtenmagazin erschienene Bericht zeigt nur einen Teilausschnitt und schürt beim Leser Unbehagen. Die Grünen im Rat hätten sich besser erst mal schlau gemacht, bevor sie zur Attacke blasen und die ganze Sanierung hinterfragen.

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