Ludwigshafen
Ludwigshafen: Bei Hochstraßenfrage will OB Steinruck keine Risiken eingehen
Autofahrer müssen sich weiterhin auf erhebliche Verkehrsbehinderungen in und rund um Ludwigshafen einstellen. Die vor zwölf Tagen verfügte Sperrung der Hochstraße Süd auf dem 500 Meter langen Abschnitt „Pilzhochstraße“ wird wohl bis mindestens Ende September Bestand haben. Das bekräftigte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) am Montag im Rathaus vor der Sitzung des Hauptausschusses.
Auch ein Neubau sei eine mögliche Option
Es bleibe beim bereits angekündigten Prüfungszeitraum, sagte Steinruck. Die wissenschaftlich fundierten Berechnungen der externen Statiker beanspruchten mindestens vier bis fünf Wochen. „Erst dann können wir Aussagen darüber treffen, wie es mit der Hochstraße Süd weitergeht.“ Die Verwaltung werde alles daran setzen, um die Südtrasse schnell zu sanieren oder nach einer Alternativlösung suchen. Auch ein Neubau sei eine mögliche Option. Kosten würden das Projekt nicht stoppen, im Zweifel erhöhe sich der Schuldenberg der Stadt, so die 57-Jährige. Sie appellierte erneut an Bund und Land, der Stadt zu helfen. Im Stadtratssaal wiederholte Steinruck im Prinzip das, was sie bereits am 23. August, einen Tag nach der Teilsperrung, berichtet hatte. Zu den laufenden Untersuchungen sagte sie nichts. Sobald es neue Entwicklungen gebe, werde die Öffentlichkeit umgehend unterrichtet.
Restliche 26 „Pilze“ werden überprüft
Die Südtrasse (B 37) ist neben der ebenfalls maroden Nordschwester (B 44) die zentrale Hauptverkehrsader zwischen der Vorderpfalz und Mannheim. Sie war am 22. August aus Sicherheitsgründen teilweise für Pkw gesperrt worden. In einem der 27 Stützpfeiler des „Pilzhochstraße“ genannten Abschnitts der Trasse waren Risse entdeckt worden, die sich im Vergleich zum Vormonat im Millimeterbereich vergrößert hatten. Nun werden die Hohlräume der restlichen 26 „Pilze“ auf Schäden hin untersucht.
Am Montag mehr Staus als bisher
Das zunächst befürchtete Verkehrschaos war in den Folgetagen zwar ausgeblieben, auch weil in Baden-Württemberg noch Ferien sind. Ersten Erkenntnisse zufolge seien viele Pendler vom Auto auf Bus oder Bahn, vor allem aber aufs Rad umgestiegen, so die OB. Am Montag gab es laut Steinruck allerdings erstmals mehrere größere Staus, die zum Teil durch Unfälle ausgelöst worden seien. „Wir behalten die Lage genau im Auge und stimmen uns mit der Polizei, den Landesbehörden, den Verkehrsbetrieben und der Wirtschaft darüber ab, wie wir darauf reagieren können“, sagte Steinruck. „Wir wissen, dass die Sperrung die Menschen in der Region berührt.“ So sei der Bereich unterhalb der Pilzhochstraße aus Sicherheitsgründen bereits gesperrt worden. Es gebe ferner Überlegungen, die Abfahrtsrampe von der Konrad-Adenauer-Brücke in die Ludwigshafener Innenstadt (Zollhof-, Wredestraße, Rheinallee) leistungsfähiger zu gestalten, das könnte bedeuten: eventuell den Radweg dafür zu opfern, damit der Verkehr besser abfließt. Hier staut sich der Berufsverkehr täglich.
Mehr Grünphasen, zusätzliche Busspuren
An neuralgischen Punkten in Ludwigshafen (Rheinallee, Lagerhausstraße, Kaiserwörthdamm) könnten Ampeltaktungen mit längeren Grünphasen dem Aufkommen angepasst und zusätzliche Busspuren eingerichtet werden. Ein weiteres Augenmerk liege auf der Verbesserung der Situation für Busse in der Deutschen Straße und der Freiastraße (West). Parallel dazu werde die Situation in der Mundenheimer Straße beobachtet. Steinruck betonte, dass die Geschäfte in der Innenstadt weiterhin aus allen Richtungen erreichbar seien. Das Notallkonzept der Verwaltung greife. Die Stadt sei auf eine Sperrung gut vorbereitet gewesen, sonst hätte diese am 22. August nicht innerhalb von 30 Minuten verfügt werden können, entgegnete Steinruck Kritikern. Wegen ihrer filigranen Konstruktion und daraus resultierenden statischen Defiziten sei die normalerweise täglich von 59.000 Fahrzeugen genutzte Hochstraße Süd freilich „ein Sorgenkind“, akut einsturzgefährdet sei sie aber nicht. Für Lkw wurde sie bereits im Oktober 2017 gesperrt.
Nordtrasse wird engmaschiger überprüft
Auch auf der durch Korrosion schwer beschädigten Hochstraße Nord (44.000 Fahrzeuge täglich) gibt es seit Jahren kein Durchkommen für Lastwagen. Mangels Alternativen wird der Verkehr seit 22. August dennoch auf sie und die Kurt-Schumacher-Brücke umgeleitet. Wie lange die Nordtrasse dieser Mehrbelastung standhalte, sei unklar. „Wir gehen keine Risiken ein“, sagte Steinruck. Deshalb werde die Statik der Nordschwester engmaschiger als bisher geprüft. Steinruck: „Die Situation ist nicht einfach, deshalb müssen wir so schnell wie möglich mit dem Nordabriss beginnen.“ Derzeit laufe die finale Phase der Planfeststellung. Ende 2019 oder Anfang 2020 rechnet die OB mit dem Ende des Verfahrens. Mit vorbereitenden Abrissarbeiten sei bereits begonnen worden. Den Prozess jetzt zu stoppen, wie von manchen Kreisen gefordert, würde das Projekt um Jahre zurückwerfen. „Dann müssten wir wieder ganz von vorne anfangen, ein Verkehrschaos wäre dann programmiert“, so Steinruck.
Dritte Rheinquerung keine kurzfristige Lösung
Zu Forderungen aus Politik und Wirtschaft nach einer dritten Rheinquerung bei Altrip, die im Prinzip schon beschlossene Sache war, aber nach der Wiedervereinigung in den 1990er-Jahren aus dem Bundesverkehrswegeplan genommen wurde, sagte Steinruck: „Die Region holt jetzt ein, dass die dritte Rheinquerung damals verworfen wurde. Aus heutiger Sicht hätte man seinerzeit wohl anders entschieden.“ Eine dritte Rheinquerung sei aber nicht tot. Der Verband Region Rhein-Neckar habe bereits am 7. Dezember 2018 einen neuerlichen Prüfauftrag für eine dritte Rheinquerung beschlossen. „Die zuständige politische Ebene ist schon aktiv. Kurzfristig ist die dritte Rheinquerung aber nicht die Lösung, die wir brauchen“, so Steinruck. Während die Berechnungen zur statischen Tragfähigkeit der kritischen Stützkonstruktion weiterlaufen, arbeite die Verwaltung nun an alternativen Lösungsszenarien. Dies geschehe in enger Abstimmung mit den Nachbarkommunen und den Landesbehörden, so die OB.
Was das Notfallkonzept beinhaltet
Am Tag der Sperrung hat die Stadtverwaltung nach eigenen Angaben ihr vorbereitetes Notfallkonzept in Kraft gesetzt, erläuterte die OB dem Ausschuss. Neben den großräumigen Umfahrungsempfehlungen, die den äußeren Autobahnring einbinden, ergeben sich auch innerhalb Ludwigshafens Änderungen in der Verkehrsführung. Dazu gehört, dass •durch eine geänderte Wegweisung der Verkehr von der A 650 in Fahrtrichtung Mannheim auf die Hochstraße Nord (B 44) geleitet wird; in Fahrtrichtung Ludwigshafen-Innenstadt bleibt die Hochstraße Süd bis unmittelbar östlich der Pylonbrücke befahrbar •in östlicher Richtung, also Richtung Mannheim, die Abfahrt zur Wredestraße ebenso wie die Auffahrt von der Mundenheimer Straße offen sind; in westlicher Richtung, also Richtung Bad Dürkheim, die Abfahrt von der Konrad-Adenauer-Brücke zur Zollhofstraße sowie die Auffahrt nach Westen von der Kaiser-Wilhelm-Straße weiterhin möglich sind.
Zur Pilzhochstraße
Die Pilzhochstraße weist statische Defizite auf. Dies wurde festgestellt, als zur Vorbereitung von Sanierungsarbeiten im Jahr 2017 das Teilstück aufwendig nachberechnet werden musste. Vor allem die besondere pilzförmige Stützkonstruktion stellt für die Fachingenieure eine Herausforderung dar, weil nichts Vergleichbares für ein Sanierungskonzept herangezogen werden kann. Bei dieser Nachrechnung stellte sich heraus, dass im Bereich der Pilzstützen erhebliche statische Defizite vorhanden sind. Um die Brücke zu entlasten, wurde sie für den Lkw-Verkehr gesperrt. Seitdem wird die Brücke noch engmaschiger geprüft. Parallel dazu arbeitet die Verwaltung mit Unterstützung externer Fachleute an einem Sanierungs- und Sicherungskonzept. Weil die Konstruktion sowie die enge innerstädtische Lage als sehr schwierig gelten, nimmt dies Zeit in Anspruch. Die Brücke ist 60 Jahre alt.
Zur Hochstraße Nord
Die über 40 Jahre alte Hochstraße Nord ist irreparabel beschädigt und muss abgerissen werden. Ersetzt wird sie durch eine ebenerdige Straße. Dies ist das Ergebnis einer Phase intensiver Planung, politischer Beratung und Bürgerbeteiligung. Ihr liegt ein Stadtratsbeschluss zugrunde. Zurzeit läuft für das Vorhaben das Planfeststellungsverfahren unter Federführung des Landesbetriebs Mobilität (LBM).