Ludwigshafen Ludwigshafen: BASF-Lärm nervt Anwohner
Fackellärm wegen Reparaturarbeiten raubt Menschen in Oppau und Edigheim den Schlaf. Am Wochenende soll es laut Konzern leiser werden.
In Oppau zischt, faucht und dröhnt es seit mehreren Wochen. Die Geräusche werden vom Wind aus dem nördlichen Werksteil in die angrenzenden Wohngebiete getragen. Je nach Windrichtung ist auch Edigheim von der Lärmbelästigung stark betroffen. Bei Ortsvorsteher Udo Scheuermann (SPD) sind bis jetzt etwa 20 Bürger vorstellig geworden, die sich über den Lärm beschwert haben. „Und ich werde weiter ständig angesprochen“, sagt er.
Das Grundgeräusch sei 24 Stunden am Tag zu hören
Der Ortsvorsteher spricht von einem „unerträglichen Zustand.“ Der 71-Jährige ist selbst betroffen, wohnt im Ostring nur wenige Hundert Meter Luftlinie vom Chemiewerk entfernt. Das Grundgeräusch sei 24 Stunden am Tag zu hören, sieben Tage die Woche – seit einem Monat. Die Oppauer und Edigheimer sind einiges an Lärm gewöhnt, wenn beispielsweise Revisionsarbeiten am Steamcracker anstehen. Das ist die Herzkammer des Chemiewerks. In der Anlage wird Rohbenzin mithilfe von Dampf unter hohen Temperaturen aufgespaltet. Eine rund 140 Meter hohe Fackel verbrennt dröhnend überschüssiges Produkt. Die Flamme macht die Nacht zum Tag. Der Fackelschein ist dann bis an die Weinstraße zu sehen.
BASF bittet um Verständnis
„Das dauert in der Regel ein paar Tage. Doch so schlimm wie jetzt und vor allem so lange war die Lärmbelästigung noch nie“, sagt Scheuermann, der am Dienstag deshalb einen Termin bei der Werkleitung hat. „Viele Leute sagen mir, dass sie nicht mehr schlafen können. Die Werkleitung muss sich etwas einfallen lassen, damit die Situation für die Anwohner erträglicher wird“, fordert der Ortsvorsteher. Der Chemiekonzern habe vor einigen Wochen nur eine Meldung veröffentlicht, dass wegen Revisionsarbeiten im Werksteil Nord mit Lärmbelästigungen zu rechnen sei und noch angefügt, dass die BASF ihre Nachbarn um Verständnis bitte.
Vor allem nachts sei die Dauerbeschallung nervig
Doch das scheint nun aufgebraucht zu sein. „Die gehen einem ganz schön auf den Wecker“, sagt eine Oppauerin. Sie berichtet davon, dass der Oppauer Friedhof, der gegenüber der Werksgrenze liegt, alles andere als ein Ort der Stille sei. Und vor allem nachts sei die Dauerbeschallung für die Anwohner der BASF sehr nervig.
Die Fackel dient laut BASF der Sicherheit
Auf Anfrage erklärte der Konzern gestern, dass vor allem eine Fackel den Lärm verursache. Sie gehöre nicht zum Steamcracker, sondern zu einer Produktionsanlage, in der seit 21. Juni Reparaturarbeiten laufen. Diese seien unumgänglich und auch angekündigt worden. Um die Leitungen der Anlage gasfrei zu bekommen, müssten Produktrückstände über die Fackel verbrannt werden. „Da ist starker Druck drauf, und das dröhnt“, sagte eine BASF-Sprecherin. Die Fackel diene der Sicherheit bei den Arbeiten und müsse ständig brennen.
BASF bedauert Belastung der Anwohner
Auch bei der BASF haben sich bereits einige Bürger beschwert. Nach Konzernangaben haben sich bis gestern elf Anwohner telefonisch bei der Umweltzentrale gemeldet. Das Fackelgeräusch sei unterschiedlich laut, der Lärmpegel hänge vom Druck auf der Leitung und der Verbrennungstemperatur ab. Der Betrieb, zu dem die Fackel gehört, hoffe, heute oder am Wochenende die Anlage wieder anfahren zu können. „So ist es geplant. Dann wird die Fackel ausgehen, und es wird leiser“, sagte die Konzernsprecherin. Die BASF bedauere die Belastung für die Anwohner. Dennoch seien Reparatur- und Wartungsarbeiten an den Produktionsanlagen unvermeidbar – letztere seien von den Aufsichtsbehörden in bestimmten Intervallen vorgeschrieben. Daher könne es passieren, dass Arbeiten auch auf die Sommerzeit fallen, wenn der Lärm von Anwohnern durch geöffnete Fenster deutlicher wahrgenommen werde. Im akuten Fall gehe es aber um eine Reparatur, die nicht hätte aufgeschoben werden können, betonte die BASF-Sprecherin. Noch Fragen? Beschwerden und Nachfragen von Anwohnern nimmt die BASF-Umweltzentrale unter Telefon 0621/604040 entgegen. Informationen über Fackeltätigkeiten im Netz unter www.basf.com .