Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ludwigshafen: Bald fehlen Hunderte Parkplätze

Ortsvorsteher Christoph Heller schlägt Alarm: Durch den Hochstraßenabriss und die neu entstehende City West fallen die Parkplätz
Ortsvorsteher Christoph Heller schlägt Alarm: Durch den Hochstraßenabriss und die neu entstehende City West fallen die Parkplätze Jaegerstraße und am Messplatz weg. Heller fordert Ersatz.

In der Ludwigshafener City könnten in Zukunft die Stellplätze für Autos knapp werden. Schon allein durch das Hochstraßenprojekt fallen einige Hundert Parkplätze weg. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Parkmöglichkeiten durch mehrere Neubauten. Ein Überblick, wo’s eng wird.

„Ich halte Parken für eines der wichtigsten Zukunftsthemen. Wir brauchen zusätzlichen Parkraum in der Innenstadt“, sagt Innenstadt-Ortsvorsteher Christoph Heller (CDU). Der 54-Jährige steht am Eingang des Jaegerparkplatzs am Rathaus-Center. Eine der Hauptursachen für die Probleme der Zukunft liegt ein paar Meter Luftlinie entfernt: die Hochstraße Nord. Bis 2030 soll der Betonkoloss abgerissen sein und durch eine ebenerdige Stadtstraße ersetzt werden. Dadurch fallen die Parkdecks des Rathaus-Centers (1100 Stellplätze) sowie die Parkplätze Jaegerstraße (360) und Messplatz (450) weg. Um den Wegfall von insgesamt 1900 Stellplätzen im Norden der Innenstadt aufzufangen, plädiert der Ortsvorsteher für den Bau eines Parkhauses auf den frei werdenden Flächen entlang der geplanten neuen Stadtstraße.

Vier Bauprojekte sorgen für Engpässe

Doch damit allein wird das Parkplatzproblem in der City mit aktuell 7200 Stellflächen nicht gelöst. Vier Bauprojekte sorgen schon in den nächsten fünf Jahren für eine hohe Nachfrage nach Stellplätzen: Den Anfang machen die Technischen Werke (TWL), die in diesem Jahr ihren neuen Verwaltungssitz ins runderneuerte ehemalige Kaufhof-Gebäude in die Bismarckstraße verlegen. 165 Stellplätze wären für den neuen TWL-Sitz erforderlich. Schließlich müssen die 400 Mitarbeiter und die Kunden irgendwo parken. Doch der Neubau bietet nur 67 Stellplätze, die fehlenden 98 Plätze sollen in Parkhäusern in der Nähe abgedeckt werden. So sieht es ein von der Stadtverwaltung in Auftrag gegebenes Parkkonzept vor. Die Stadt kommt Bauherren außerdem in der City entgegen: Bei Innenstadt-Objekten gibt es beim Stellplatznachweis einen sogenannten Nahverkehrsabschlag von 30 Prozent. „Damit soll gerade Dauerparkern der Wechsel auf den ÖPNV nahegelegt werden“, erläutert eine Verwaltungssprecherin. Zudem besteht für Investoren die Möglichkeit, sich aus dem Nachweis von Stellplätzen herauszukaufen, berichtet Heller. Und zwar dann, wenn neue Stellplätze „nicht oder nur unter großen Schwierigkeiten“ gebaut werden können, wie es in der Landesbauordnung heißt. Die Stadt prüft das in jedem Einzelfall.

Widerstand regt sich

Ähnlich sieht es beim neuen Pfalzwerke-Sitz im ehemaligen C&A-Gebäude an der Wredestraße aus, der bis 2022 fertig sein soll. Dort wären 261 Stellplätze erforderlich, die geplante Tiefgarage bietet jedoch nur Platz für 90 Autos. Und ein paar Meter weiter soll das 18 Stockwerke hohe „Metropol“-Hochhaus auf dem Berliner Platz entstehen. Der Parkplatzbedarf liegt hier bei 332 Plätzen. Die Investoren planen eine Tiefgarage für 135 Fahrzeuge und/oder ein vierstöckiges Parkhaus (200 Plätze) auf dem benachbarten Platanenhain. Dagegen regt sich Widerstand. Ein Grüner hat sich vor einer Woche an eine der 55 Platanen gekettet. Noch ist nichts entschieden, die Stadt prüft noch. „Ein neues Parkhaus wird nicht ausreichen. Das wäre nur ein erster Schritt“, befürwortet der Ortsvorsteher die Pläne des Investors. Er hält neue Radwege und den Ausbau des Nahverkehrs auch für wichtig, aber die Autofahrer dürften nicht vergessen werden. Neben einem neuen Parkhaus am Berliner Platz könnte er sich vorstellen, dass auch das Parkhaus an der Dammstraße aufgestockt wird.

Parkplätze fürs Polizeipräsidium am Westend

Denn an der nahen Heinigstraße entsteht auf einer Grünfläche ab 2020 das neue Polizeipräsidium, das nur eine Tiefgarage für Dienstfahrzeuge vorsieht. 600 Mitarbeiter und Besucher sollen unter der Hochstraße Süd auf dem „Parkplatz Westend“ parken. Dabei muss von der Hochstraße ab 2030 ein 500 Meter langes Teilstück abgerissen werden. Fazit: In etwa fünf Jahren werden bei den vier großen Neubauten in der City rund 700 Parkplätze fehlen, die laut Stadt über vorhandene Parkhäuser/-plätze aufgefangen werden sollen. In den nächsten 15 Jahren werden durch die Hochstraßenprojekte ferner über 2000 Stellplätze wegfallen. Die Lage in der Innenstadt wird sich verschärfen. Schon jetzt sind die Parkhäuser Bürgerhof und Pfalzbau stark frequentiert, besagt ein Gutachten der Stadt. Wie viele freie Plätze dort noch vorhanden sind, dazu macht Parkhaus-Betreiber Contipark keine Angaben. Die Verkehrsplaner verweisen außerdem auch auf das Parkhaus der Rhein-Galerie, das mit seinen 1400 Stellplätzen noch Kapazitäten habe. Auch die Walzmühle (1200 Plätze) stehe zur Verfügung. Laut Betreiber Lukom sind dort aber nur noch 200 Plätze zusätzlich verfügbar.

Auch nachts fehlen Plätze

Die Modellrechnungen stoßen beim Ortsvorsteher und dem Ortsbeirat auf große Skepsis. Die Parkraumuntersuchung vor zwei Jahren hat ergeben, dass schon jetzt in der City nicht nur tagsüber, sondern auch nachts Stellplätze für die Bewohner fehlen. Das bestätigt der Ortsvorsteher. Auch im angrenzenden Stadtteil Süd gebe es massive Probleme. „Wir brauchen dort mehr Anwohnerparken“, sagt Heller in Richtung Stadtverwaltung. Der Druck auf alle Verantwortlichen wird wachsen – mit jedem Stellplatz, der wegfällt.

Die Parkdecks ums Rathaus-Center werden bis 2030 weg sein.
Die Parkdecks ums Rathaus-Center werden bis 2030 weg sein.
Baufläche Polizeipräsidium: Mitarbeiter müssen anderswo parken.
Baufläche Polizeipräsidium: Mitarbeiter müssen anderswo parken.
Unter der Hochstraße Süd: Hier sollen künftig mehr Leute parken.
Unter der Hochstraße Süd: Hier sollen künftig mehr Leute parken.
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