Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ludwigshafen: Angelika Schmucker erzählt Märchen

Völlig frei: Märchenerzählerin Angelika Schmucker benötigt keinerlei Requisiten, kein Kostüm, kein Buch, keine Gedankenstützen a
Völlig frei: Märchenerzählerin Angelika Schmucker benötigt keinerlei Requisiten, kein Kostüm, kein Buch, keine Gedankenstützen auf Karteikarten. Foto: uln

Draußen herrscht Herbstwetter, es ist windig und schmuddelig. Die Lampen entlang des Wegs zum Hospiz Elias verteilen sanftes Licht, ein Schild mit der Aufschrift „Märchenabend“ weist den Weg.

Drinnen wartet Märchenerzählerin Angelika Schmucker auf ihre Gäste: „Märchen erzählen in großen und kräftigen Bildern das Leben, sie erzählen von Lebenskrisen, geben Lebenshilfe und Lebenskraft.“ Sie selbst sei ein Fan von Irland, wo das Märchenerzählen noch ganz selbstverständlich sei und jeder irgendwie an die „Anderswelt“, an Feen und Hexen glaube. So beginnt sie auch den Abend mit einem irischen Märchen, in dem Jimmy, ein Boot, ein See und ein Schöpfgefäß eine Rolle spielen.

Schmuckers Stimme ist sanft und zugleich voller Kraft. Sie benötigt keinerlei Requisiten, kein Kostüm, kein Buch, keine Gedankenstützen auf Karteikarten. Sie erzählt völlig frei, die Nuancen ihrer Stimme, ihre Mimik und Gestik stellen die einzelnen Charaktere dar, vermitteln die Stimmung der jeweiligen Szene. Kaum hat sie begonnen, herrscht eine Stimmung der Entschleunigung im Raum, jeder hört gebannt zu.

Sehnsucht nach einem anderen Leben

Die Erzählungen beendet sie mit dem Spiel einer Klangschale oder eines Glockenspiels. Beides erzeugt wunderbare Töne, die nicht nur im Raum, sondern auch im Innern der Zuhörer nachschwingen. Oft gibt es auch ein Schmunzeln, gerade am Ende von Jimmys Erzählung, in der eine Sehnsucht nach einem anderen Leben liegt, die wohl manch Anwesender auch in seinem Leben schon gespürt hat.

Im Märchen von der Tochter der Blumenkönigin, einer Erzählung aus Siebenbürgen, geht es um einen Königssohn, um eine schöne Prinzessin, um alte weise Männer, eine Drachenmutter und lange Wege. Die Deutung überlässt Schmucker ihren Zuhörern, sie zerredet ihre Märchen nicht, gibt keine langatmigen Erklärungen ab. Sie erzählt und lässt das Ganze im Raum stehen. So kann jeder Zuhörer sich seine eigenen Gedanken machen und aus dem Märchen Parallelen zum eigenen Leben suchen und finden.

Die Brüder Grimm dürfen nicht fehlen

Zwischendurch gibt es auch Weisheiten wie des alten Manns mit dem langen, weißen Bart, der von einer Frau nach dem Geheimnis des ewigen Lebens gefragt wird: „Du musst auf Wein, Bier, Schnaps und Met verzichten, du darfst kein Fleisch und keinen Zucker essen und keine Männer lieben.“ Die Frau versichert sich: „Wenn ich das alles tue, werde ich ewig leben?“ Der weise Mann antwortet: „Dann wird es dir zumindest so vorkommen.“

Natürlich dürfen an solch einem Abend die Brüder Grimm nicht fehlen. Schmucker wählt von ihnen das nicht so sehr bekannte Märchen von Jorinde und Joringel – ein zunächst tragisches Märchen mit Happy End. Ganz anders das italienische Märchen von einem Kuhfladen, der sich in ein junges Mädchen verwandelt und bei dem das Wort „Merda“ eine lustige Rolle spielt. Die Zuhörer lachen am Ende – genauso wie bei der Geschichte aus Schweden von einer jungen und reichen Bauerswitwe, die in einen ihrer Knechte verliebt ist und sich nicht anders zu helfen weiß, um ihm ihre Liebe zu gestehen, als sich mit nackten Füßen am Nikolausmorgen in die Stiefel des Knechts am Kamin zu stellen – ein Schelm, ist , wer da nur an nackte Füße denkt!

Schmucker hat das Mannheimer Märchenhaus gegründet. Wer diesen Abend also verpasst hat, der kann unter www.mannheimermaerchenhaus.de nach den nächsten Märchenabenden schauen.

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