Ludwigshafen
Ludwigshafen: 30-Jähriger nach Attacken auf Polizisten und einen Arzt vor Gericht
Die Scheinwerfer eines Streifenwagens soll ein 30-jähriger Libyer im Dezember 2018 in Ludwigshafen eingetreten haben. Außerdem soll er im April 2019 einen Arzt in der Stadtklinik in Frankenthal angegriffen haben. Seit Montag muss sich der Mann, der in Mutterstadt wohnte, wegen des Vorwurfs der Körperverletzung, des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und der Sachbeschädigung vor Gericht verantworten.
Staatsanwalt Ardalan Moavenzadeh geht davon aus, dass der 30-Jährige wegen einer psychischen Erkrankung nicht für die Taten bestraft werden kann, sondern stattdessen in der geschlossenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses untergebracht werden soll. Sein Mandant „leugnet die Taten an sich nicht“, sagte Verteidiger Sven Zill. Allerdings „schildert er es so, dass es aus seiner Sicht Gründe gab“, so Zill.
Laut der Anklage ist der 30-Jährige, der seit etwa fünf Jahren in Deutschland lebt und abgelehnter Asylbewerber ist, am 11. Dezember 2018 zu einer Polizeistation in Ludwigshafen gekommen. „Er wollte, dass wir mit ihm zu seinem Arbeitgeber fahren, von dem er noch Lohn zu bekommen habe. Er hatte die Erwartungshaltung, dass die Polizei mitgeht, um sein Problem zu lösen“, berichtete ein als Zeuge aussagender Polizeibeamter.
Vier Polizisten bändigten den Mann
Der Mann sei „sehr aufgebracht“ gewesen, sagten drei Polizisten übereinstimmend. Gleich zu Beginn habe er gesagt, er würde „etwas kaputt machen, wenn nicht jemand mit ihm redet“, sagte einer der Beamten. Er habe dem Mann erklärt, dass die Polizei nicht zuständig sei, dass er sich an einen Anwalt oder das Amtsgericht wenden müsse, und sei wieder an seinen Arbeitsplatz gegangen, sagte der Beamte. Ein Kollege berichtete, dass er geschaut habe, was der Besucher mache und gesehen habe, wie der gegen den rechten Frontscheinwerfer eines Einsatzwagens trat. Danach habe er noch einmal die Geräusche einens Tritts und von zerspringendem Glas gehört. „Ich habe mich dann entschlossen, ihn in Gewahrsam zu nehmen“, sagte ein Beamter. Vier Polizisten waren erforderlich, um das Vorhaben umzusetzen. Der Mann habe sich „gesperrt“ und um sich getreten.
Angeklagter: Hatte Nerven nicht unter Kontrolle
„Ich war aufgeregt, weil die Polizei mir nicht zuhören wollte und mir gesagt hat, ich muss zu einem Anwalt“, ließ der Libyer über eine Dolmetscherin mitteilen. Es stimme, dass er das Auto beschädigt habe. „Ich habe meine Nerven nicht unter Kontrolle gehabt, das war falsch.“ Die Polizisten hätten im „wehgetan“, ihm unter anderem einen Finger in das Auge gesteckt.
Auch bei dem Vorfall in der Frankenthaler Stadtklinik am 24. April 2019 habe er sich nicht unter Kontrolle gehabt, sagte der 30-Jährige. Er habe mit dem Chefarzt sprechen wollen, weil er keine Tabletten mehr habe nehmen wollen. Stattdessen sei ein anderer Arzt gekommen. Der habe ihm einige Zeit zuvor eine Spritze gegeben, danach habe er längere Zeit Sehstörungen gehabt. Der 30-Jährige soll dann laut Anklage den Arzt geschlagen und eine Glasscheibe nach ihm geworfen haben.
Noch weitere Vorfälle bekannt
Nach Angaben des Vorsitzenden Richters Uwe Gau gab es noch weitere Vorfälle, die allerdings nicht in der Anklage aufgeführt sind. Am 3. September 2019 wurde der 30-Jährige schließlich vorläufig in der Pfalzklinik untergebracht. Sein Mandant habe Angst, dass er dort „auf unbestimmte Zeit bleiben muss für Taten, für die er normalerweise wohl eine Geldstrafe bekommen würde,“ sagte Verteidiger Zill. Der Prozess am Landgericht Frankenthal wird am Mittwoch, 9.30 Uhr, fortgesetzt.