Ludwigshafen
„LU can learn“: Startschuss für neues Bildungsprojekt
Bis zu 50.000 junge Menschen jährlich verlassen bundesweit die Schulen, ohne einen Berufsreifeabschluss zu erreichen. „Für die Betroffenen bedeutet das in der Regel, in eine ungewisse, oft schwierige berufliche und persönliche Zukunft zu steuern“ sagt Jana Sand, Projektleiterin am Heinrich-Pesch-Haus. Zu helfen, „wo es brennt“, sei deshalb die Grundidee des Projekts „LU can learn“, das die Verantwortlichen bereits seit gut einem Jahr vorbereiten.
Mit einem Team aus Ehrenamtlichen soll dabei vor allem eines geboten werden: Unterstützung bei der Vorbereitung auf einen nachträglichen Hauptschulabschluss im Rahmen der sogenannten „Nichtschülerprüfung“. An insgesamt drei Terminen pro Jahr könne diese Prüfung in Rheinland-Pfalz absolviert werden, im Pesch-Haus will man junge Menschen, die nicht mehr schulpflichtig, bislang aber ohne Schulabschluss sind, intensiv darauf vorbereiten.
Unterrichtet werden sollen die künftigen Teilnehmer von „LU can learn“ von Montag bis Freitag, jeweils 10 bis 15 Uhr. Verschiedene Prüfungsfächer wie Deutsch, Mathematik und Sozialkunde sowie weitere Wahlfächer wie Biologie und Erdkunde werden dann auf dem Lehrplan stehen. „Das Team ermöglicht dabei eine engmaschige Betreuung in kleinen Gruppen bis hin zum 1:1 Unterricht, eine gezielte individuelle Förderung kann somit gewährleistet werden“, erklärt Max Berger, der verantwortliche Projektkoordinator des Pesch-Hauses. Die Ehrenamtlichen werden ihmzufolge über die gesamte Dauer des Projekts von professionellen Pädagogen vorbereitet und begleitet, der Unterricht zur Vorbereitung der Prüflinge werde sich über den Zeitraum von einem Jahr erstrecken.
„Auf Lebensweg bestärken“
Neben der Vermittlung von Lerninhalten soll mit dem Projekt „LU can learn“ aber auch an den sozialen Kompetenzen der jungen Menschen ohne Schulabschluss gearbeitet werden. „Wir wollen sie auf ihrem Lebensweg bestärken und ihre Persönlichkeitsbildung fördern“, betont Jana Sand. „Unsere künftigen Schüler müssen wissen, dass es Motivation, Disziplin und Willen erfordert, die Berufsreife zu erlangen – aber auch, dass sie auf ihrem Weg nicht alleingelassen werden.“
Vorbild für „LU can learn“ ist das Mannheimer Projekt „Das andere Schulzimmer“, durch dessen Arbeit bereits seit 2018 zahlreiche junge Menschen ihren Schulabschluss nachholen konnten, wie Max Berger berichtet. Er selbst habe bei den Mannheimer Kollegen schon hospitiert und so auch erlebt, was die großen Vorteile dieses ehrenamtlichen Angebots sind. „Die Teilnehmer des Programms haben ganz unterschiedliche Lebensbiografien – manche hatten große Probleme in ihrem Elternhaus, andere sind in die Drogenabhängigkeit abgerutscht, wiederum andere wurden gemobbt und leiden unter Schulangst“, erzählt Berger.
In einer besonderen Lernatmosphäre, gekennzeichnet durch Kleingruppen mit teils nur zwei bis vier Personen entstehe jedoch mit der Zeit ein sehr vertrauensvoller Umgang. „So entwickelt sich auch Motivation und Identifikation, was wiederum dazu führt, dass die Mannheimer Kollegen mit dem ,anderen Schulzimmer’ bei 25 bis 30 Teilnehmern pro Jahr Erfolgsquoten von bis zu 97 Prozent erzielen.“
Kooperation mit Firmen
Mittelfristig ziele „LU can learn“ jedoch nicht nur darauf, Jugendliche fit zu machen für einen Schulabschluss. „Integraler Bestandteil des Projekts wird sein, sie auch fit zu machen fürs Arbeitsleben“, betont Michael Käufer von der Stiftung Jugend.Hafen, die mit dem Pesch-Haus kooperiert und dessen neues Bildungsprojekt fördert. Konkret werde es deshalb auch darum gehen, Partnerfirmen zu finden, bei denen die jungen Menschen bereits begleitend zur Vorbereitung auf den Schulabschluss ein Praktikum absolvieren. „Für eine spätere Wahl ihres Berufs erhalten sie so Einblicke und lernen, sich zu bewerben und in einen Betrieb zu integrieren“, erläutert Käufer.
Wenn das Projekt „LU can learn“ Mitte März startet, wird den Verantwortlichen zufolge ein Team aus zunächst 18 Ehrenamtlichen insgesamt fünf Schülerinnen und Schüler begleiten. Sukzessive wolle man das Ganze dann auf zirka 35 Ehrenamtliche und 20 Lernende erhöhen. Das Pesch-Haus sucht deshalb noch ehrenamtliche Lehrkräfte. „Sie sollten eine gute Allgemeinbildung sowie vertieftes Wissen in einem Fachgebiet mitbringen. Der Einsatztag und die Einsatzdauer können selbst bestimmt werden, es sollten aber mindestens zwei Stunden pro Woche sein“, erläutert Projektkoordinator Max Berger.
Noch Fragen?
„LU can learn“ ist ein Projekt des Heinrich-Pesch-Hauses und der Stiftung Jugend.Hafen, das auf die ehrenamtliche Mitwirkung vieler Menschen angewiesen ist. Es steht Bewerberinnen und Bewerbern, die ihren Berufsreifeabschluss nachholen wollen, ab sofort offen. Interessierte – jene, die junge Menschen auf dem Weg zu ihrem Abschluss begleiten wollen, und auch diejenigen, die ihren Schulabschluss nachholen möchten – können sich beim Koordinator des Projekts, Max Berger, melden. Kontakt: bergerm@hph.kirche.org.