Ludwigshafen
Litauische Pianistin Onuté Grazinyté spielt im BASF-Gesellschaftshaus

Die Programmdramaturgie der Matinee wirkte einleuchtend. Fünf tonale Charakterstücke gaben den Auftakt: geistreich liebenswürdige Miniaturen des estnischen Altmeisters Arvo Pärt, einer international hoch angesehenen Größe der Moderne. Eines Komponisten, der stets konsequent seinen eigenen Weg beschreitet, sich zu Sowjetzeiten dem parteioffiziellen kulturpolitischen Diktat ebenso wenig unterwarf wie er sich bis heute an keine Avantgarde-Dogmen hält.
Es folgten die zweite Klaviersonate der polnischen Komponistin Grazyna Bacewicz (1909-69) und nach der Pause Präludien vom russischen Visionär und Synästheten Alexander Skrjabin, dem litauischen Spätromantiker Mikalojus Ciurlionis und Olivier Messiaen. Zwischen den Musiken und den Ideen der drei Letztgenannten erblickte Onuté Grazinytè, die auch die Moderation des Programms übernommen hatte, Gemeinsamkeiten. Romantik in Reinkultur kam schließlich mit Schumanns f-Moll-Sonate (aus seiner frühen Schaffensphase) am Schluss zum Wort. Apropos Moderation: die junge Pianistin führte auf ausgesprochen charmante Weise durch das Programm und weckte damit viel Sympathien bei den Zuhörern.
Ausgeprägtes virtuoses Potenzial
Das Wesentliche freilich: Grazinyté, in zahlreichen renommierten Wettbewerben ausgezeichnet, profilierte sich als Klavierspielerin mit ausgeprägtem virtuosem Potenzial (heutzutage allerdings eine Selbstverständlichkeit bei Instrumentalisten ihrer Generation). Ihre pianistische Brillanz demonstrierte sie eindrucksvoll etwa im Schlusssatz von Grazyna Bacewiczs Sonate, den sie ausgesprochen bravourös präsentierte. Vor allem: Grazinyté versteht es, das Klavier zum Klingen zu bringen. So blieb vor allem der majestätische Tastendonner bei den stürmischen Aufschwüngen im Kopfsatz von Schumanns Sonate oder bei Bacewicz im Gedächtnis haften.
Viel Beifall und zwei Zugaben gab es zum Schluss: von Mikalojus Ciurlionis und „Vater unser“ des tief religiösen Arvo Pärt, den Grazinyté singend und sich am Flügel begleitend vortrug.