Ludwigshafen
Lindy Huppertsberg: Sie ist „Lady Bass“
Der Weg zur studierten Bassistin war nicht geradlinig – durch die Aufnahmeprüfung hat sie sich „durchgemogelt“, wie sie heute erzählt. Wichtiger als akademische Weihen ist ihr Zusammenspiel mit internationalen Jazzgrößen. Seit vielen Jahren lebt Lindy Huppertsberg in Frankenthal-Studernheim – und ist Ehrenbürgerin von New Orleans, der Geburtsstadt des Jazz.
Geboren wurde Lindy Huppertsberg am 11. Januar 1956 in Köln. Musik war im Elternhaus präsent, der Vater ein Ballettmeister und Tanzlehrer. Lindy lernte als Kind Blockflöte, Akkordeon und Klavier. Ein Musikstudium stand aber nicht zur Wahl, auch das Abitur brauche sie „als Mädchen“ nicht, hieß es zuhause. Sie sollte etwas Solides lernen. Also machte sie eine Banklehre und arbeitete dann auch in dem Beruf. Ganz umsonst war das nicht, denn sie lernte 1976 einen anderen Banker kennen, der als Musiker einen Auftritt bei der Stadtsparkasse spielte: Agi Huppertsberg. „Da hat es gefunkt und wir haben geheiratet“, erzählt sie. Über ihn entdeckte Lindy den Jazz. Agi Huppertsberg wurde 1977 Mitglied der Barrelhouse Jazzband, die in Frankfurt ansässig war. Das junge Paar zog nach Mainz, Lindy machte das Abitur nach. Zugleich wurde sie Roadie bei der Barrelhouse Jazzband. Sie fuhr den Bandbus, half beim Verladen und Aufbauen von Technik und Instrumenten.
Ein Bass wurde gebraucht
Und weil da auch ein Bass gebraucht wurde, den ihr Vorgänger gespielt hat, lernte sie auch Bass spielen. Mit dem Abitur in der Tasche, wollte sie studieren. „Musik wollte ich machen, aber es gab noch kein Jazz-Studium. Also wählte ich Schulmusik“, erklärt sie. Dafür nahm sie klassischen Unterricht, wichtigstes Ziel: Das Vorspiel der Aufnahmeprüfung schaffen. „Ich konnte eigentlich noch nicht viel, aber mit meinem Lehrer habe ich ein Vortragsstück vorbereitet und das lief sehr gut“, erinnert sie sich. Und so studierte sie ab 1980 Musik, Musikpädagogik und Französisch in Mainz. Dann wurde die Stelle des Bassisten bei der Barrelhouse Band frei. „Die haben mich gefragt, ich habe das als Chance gesehen und zugesagt“, erzählt die Bassistin. Die Ansprüche waren hoch, die Arrangements schwierig – aber die junge Frau meisterte die Aufgabe mit Bravour und wurde bald zu einer exzellenten und gefragten Musikerin, die mit vielen weiteren Jazz-Größen zusammenarbeitete. Bass-Legende Ray Brown, bei dem sie Unterricht nahm, gab ihr den Ehrennamen „Lady Bass“.
Für das Publikum war es etwas Besonderes zwischen der Barrelhouse Herrenrunde eine blonde junge Frau Anfang 20 zu sehen. „Ich hatte da sicher einen Niedlichkeitsbonus“ meint Huppertsberg heute. „Ich hab mich manchmal gewundert, wie stark der Applaus war, auch wenn ich nicht toll gespielt hatte.“ Die Männer der Band machten kein Aufhebens um die Frau am Bass. Für die sei wichtig gewesen, dass sie ihre Sache gut mache. Und das ist das, was auch für Lindy Huppertsberg zählt: „Es geht um das Können und um den Groove und es war immer mein Bestreben, ernst zu nehmenden Jazz zu machen“, betont sie. Von 1979 bis 1989 gehörte sie zur Barrelhouse Band, dann wollte sie eigene Projekte umsetzen. Nach ihrer ersten eigenen Band „Lady Bass & The Real Gone Guys“, entstand die Idee, eine Band mit Kolleginnen zu starten.
Den Bus gefahren
Doch im Deutschland der frühen 90er war es schwer, eine eigene Band mit Frauen zu gründen. Da half ihr Jazz-Legende Clark Terry. Er vermittelte Amerikanerinnen, mit denen Huppertsberg die „Swinging Ladies“ gründete. Die Band spielte Bebop und Mainstream und tourte in den 90er Jahren regelmäßig durch die USA und durch Europa – und Lady Bass fuhr wieder einmal den Bandbus.
Ende der 90er Jahre gab es dann in Deutschland Musikerinnen, mit denen Huppertsberg die Formation „WitchCraft“ gründete, später gab es auch die „Swinging Ladies 2.0“ in neuer Besetzung. Weitere feste Kooperationen gibt es mit Andreas Hertel und Thilo Wagner. 2014 ging Huppertsbergs Nachfolger bei der Barrelhouse Band wieder zurück in seine Heimat England – die Stelle war wieder zu besetzen. Jüngere neue Bandmitglieder wollten neben dem traditionellen New Orleans Jazz auch neuere Stile aufgreifen. Und sie kannten ebenfalls Huppertsberg, als die Frau mit dem richtigen Sound und Groove am Bass. „Sie haben mich gefragt und ihre Ideen vorgestellt und mir hat das gefallen. Also bin ich wieder dabei“, sagt die Bassistin. Im nächsten Jahr wird die Barrelhouse Jazz Band ihr 70-jähriges Bestehen feiern.
Bilder aus dem Musikerinnenleben
In der Corona-Zeit war es für Huppertsberg schwierig, als Musikerin, die fast ausschließlich von Auftritten lebt. In der unfreiwillig freien Zeit hat sie die Geschichte ihrer musikalischen Karriere in einen Erzähl-Abend mit Musik gefasst. „Lined with a Groove“ heißt das Programm, illustriert mit Bildern aus ihrem Musikerinnenleben.
Noch Fragen?
www.ladybass.de. Die Barrelhouse Jazz Band spielt am Sonntag, 22. Januar, 16 Uhr, im Julius-Hetterich-Saal, Grünstadter Straße 2, Ludwigshafen-Maudach