Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Liedermacher Rolf Zuckowski über das Kindermusical „Die Weihnachtsbäckerei“

„Zusammenzurücken und zu erleben, dass Familie unser größter Wert ist, das ist für mich das Wichtigste an Weihnachten“, sagt Rol
»Zusammenzurücken und zu erleben, dass Familie unser größter Wert ist, das ist für mich das Wichtigste an Weihnachten«, sagt Rolf Zuckowski.

Das Lied „Die Weihnachtsbäckerei“ kennt jedes Kind. Doch Liedermacher Rolf Zuckowski hat noch viele weitere Lieder zu Advent und Weihnacht geschrieben. Jetzt gibt es dazu ein Musical für Kinder. Worum es geht und wie es entstand, erklärt Zuckowski im Gespräch.

Herr Zuckowski, worum geht es im Musical „Die Weihnachtsbäckerei“?
Es ist ein Blick in eine Familie mit drei Kindern, zwei Jungs, ein Mädchen. Die freuen sich schon, dass die Weihnachtsbäckerei bald wieder beginnen kann. Dann müssen die Eltern weg und das Wetter ist so, dass sie nicht gleich wieder nach Hause kommen können. Dadurch sind die Kinder auf sich gestellt. Sie müssen die Zutaten organisieren, dafür gehen sie auf einen Weihnachtsmarkt. Dann werden sie müde und schlafen ein und träumen Dezemberträume. Also haben sie eigentlich noch nichts gebacken, wenn die Eltern nach Hause kommen. Am Ende kommt es zu einer sehr schönen Schlussszene mit der Weihnachtsbäckerei. Das erinnert ein bisschen an Broadway-Show.

Wie wird das auf der Bühne umgesetzt?
Es wird live gesungen, die Begleitung der Band kommt für die Tourproduktion aber vom Playback. Die Orchesterproduktion wäre für eine Tournee zu aufwendig und auch räumlich gar nicht überall möglich.

Sie haben ursprünglich das Musical nicht als solches geschrieben?
Nein ich habe Martin Lingnau und Hannah Kohl beraten, die aus meinen Liedern, die ich zu Advent und Weihnachten geschrieben habe, ein Musical gemacht haben. Ich hatte früher schon viele kleine Aufführungen meiner Lieder erlebt. Aber es war nie ein ganzes Musical mit einer durchgängigen Handlung. Die beiden haben sehr viel Musical-Erfahrung und haben mich einbezogen. Daraus sind dann Spiel- und Sing-Szenen geworden, die für Profis sind. Mit diesen Darstellern kann man ganz andere Ebenen erreichen, etwa mit punktgenauem Slapstick und mehr Choreografie, die die Bühne füllt. Wir standen dafür in engem Austausch, so dass das Musical sehr fröhlich wird, aber auch besinnlich und mit Tiefgang.

Das heißt, die Spielhandlung, ist von den beiden um ihre Lieder herum geschrieben worden?
Genau so kann man das sagen. Meine Lieder sind sozusagen die Pfeiler, auf denen die beiden dann die Brücke bauen, die zur Weihnachtsbäckerei hinführt. Das Lied ist ja das Ziel auf das alles hinläuft. Bis dahin ist spannend, ob das gelingen wird.

Sie sagten, es gebe auch besinnliche Momente. Was finden Sie besonders berührend?
Für mich ist das Emily, das Mädchen, das sich Sorgen macht, dass sie sich vielleicht zu viel gewünscht hat und deswegen Weihnachtsmann oder Christkind nicht kommen wollen. Ich glaube, das sind Befürchtungen, die alle Kinder kennen. Dann gibt es ein Lied, das der Weihnachtsmann singt. In dem klingt an, dass nicht überall fröhliche Weihnacht sein kann. Und das ist in diesem Jahr nun leider ganz besonders zutreffend. Viele Menschen machen sich Gedanken, wie wir in diesem Jahr Weihnachtsstimmung haben können, wenn in unmittelbarer Nähe so schreckliche Dinge passieren wie in der Ukraine. Oder wenn die Energiekrise uns trifft. Da gibt es nicht nur die fröhliche heile Welt. Aber es ist auch wichtig, eine Insel der Geborgenheit zu haben, gerade für die Kinder. Für sie soll bei der Aufführung Advent und Weihnachten mal so sein, wie sie und wir alle es gerne hätten.

Dass Weihnachten ein christliches Fest ist, rückt im Weihnachtsrummel manchmal in den Hintergrund. Zudem wird die Gesellschaft diverser und hier leben auch Menschen aus nicht-christlichen Kulturen. Wer wird denn von der Weihnachtsbäckerei angesprochen?
Ich glaube, meine Lieder helfen vielen Menschen dabei, Weihnachten zu entdecken, obwohl sie nicht im engeren Sinn christlich sind. Brauchtum spielt eine Rolle, aber auch Mitmenschlichkeit, Barmherzigkeit und Fürsorge. Das ist in den Liedern immer spürbar und das steht im Mittelpunkt des Weihnachtsfestes. Andererseits gibt es in den Liedern auch genügend Ansätze für gläubige Menschen. „Das Christkind ist geboren“, ist dafür ein Beispiel und es gibt noch mehr. Das christliche Weihnachten kann man auch in unserem Stück finden, auch wenn das kein explizit christliches Musical ist. Die Idee der Weihnacht und das Brauchtum mögen ja auch Leute aus anderen Kulturen, sofern sie nicht ganz streng in andere Religionen eingebunden sind.

Was bedeutet für Sie die Advents- und Weihnachtszeit?
Diese Zeit habe ich ganz oft auf Bühnen und auf der Autobahn verbracht. Das ist zum Glück nicht mehr so. Weihnachten ist für mich das Fest der Familie. Wir sind eine große Familie mit drei Kindern und fünf Enkelkindern und meine Frau und ich haben noch Geschwister. Zusammenzurücken und zu erleben, dass Familie unser größter Wert ist, das ist für mich das Wichtigste an Weihnachten. Das können wir bei uns durch gemeinsames Singen und Musizieren erleben. Und dass das Jesuskind das Licht der Welt wird, steht für meine Familie im Mittelpunkt, auch wenn wir nicht streng religiös sind.

Die Kinder die zu den Aufführungen kommen, kennen Ihre Lieder meistens schon. Können die mitmachen?
Ich glaube, es gibt kaum ein anderes Musical, bei dem so viel mitgesungen wird. Das Mitsingen ist auf jeden Fall ein ganz wichtiger Teil. Es gibt viele Momente, in denen die Kinder im Saal mitmachen können und nicht die ganze Zeit still sitzen müssen.

Welches Alter würden Sie für die kleinen Besucher empfehlen?
Ich denke, so ab vier Jahre geht das gut und die Kinder sind nicht überfordert von den Eindrücken des großen Raumes und Licht und Ton. Wer es schon früher mag, soll sein Kind beobachten und wird merken, wie es ihm damit geht. Falls nötig, kann man ja auch mal rausgehen. Für sehr kleine Kinder ist es vielleicht zu viel, die werden dabei nicht glücklich und die Eltern dann auch nicht. Die Aufführung dauert etwa eine Stunde.

Zur Person

Als Liedermacher für Kinder ist Rolf Zuckowski bekannt geworden, dabei hatte er davor schon längst erfolgreich als Komponist gearbeitet. Nana Mouskouri, Paola und Juliane Werding haben seine Lieder gesungen. Vor 75 Jahren in Hamburg geboren begann er bereits als Schüler, Musik zu machen. Kinderlieder schrieb er nach der Geburt seiner Tochter 1971. Mit ihr auf dem Weg zum Kindergarten entstand „Zebrastreifen-Zebrastreifen, mancher wird dich nie begreifen“ – Lieder aus der Lebenswirklichkeit der Kinder. Sein erstes Album „Rolfs Vogelhochzeit“ erschien 1977. Zwei Jahre später folgte „Rolfs Schulweg-Hitparade“. Inzwischen hat Zuckowski 44 Studioalben produziert und rund 800 Lieder geschrieben. Zusammen mit Peter Maffay hat er auch das Konzept für „Tabaluga“ entwickelt und dafür Stücke geschrieben. Angefangen mit Langspielplatten auf Vinyl, ist Zuckowski am Puls der Zeit geblieben. Er hat einen Tik-Tok-Kanal mit vielen Followern. Für seine Musik und sein soziales Engagement für Kinder wurde er vielfach ausgezeichnet.

Termin

Das Musical „Die Weihnachtsbäckerei“ findet am Donnerstag, 22. Dezember, 14.30 Uhr, im Mannheimer Rosengarten statt.

x