Handball
Letzte Dienstfahrt für die gläubige Frohnatur
Er wird am Samstag zum letzten Mal in den Mannschaftsbus der Eulen Ludwigshafen einsteigen. Dann fährt das Team zum Saisonabschluss zum Absteiger TV Emsdetten. Einige Spieler tragen letztmals das Rote Trikot des Handball-Zweitligisten. „Nach so einer langen guten und intensiven Zeit wird Wehmut aufkommen“, sagt Jannik Hofmann.
Der 27 Jahre alte Linksaußen verlässt nach vier Jahren die Pfalz und kehrt zum Ligarivalen TV Hüttenberg, seinem Heimatverein, zurück. „Der Abschied nach fällt nicht leicht, aber meine Frau und ich werden noch den Sommer bis Ende Juli in der Region verbringen“, sagt er. Bis dahin hat der angehende Lehrer noch einiges an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg zu erledigen. „Ich bin ja auch nicht ganz weg. Es sind ja nur 1:15 Stunden bis nach Hause“, sagt er.
Die Frohnatur sieht den Wechsel nüchtern und professionell. „Ich wusste, dass die Eulen früh jemand verpflichtet haben, so dass ich mit Hüttenberg in die Gespräche gegangen bin“, verrät er. „Hofmanovic“ gilt als einer der Lieblinge der Fans. Deshalb würdigte Geschäftsführerin Lisa Heßler bei der Verabschiedung ihn als einen „besonderen Menschen“. Sie gestand, wie schwer es ihr gefallen sei, das Gespräch mit dem Linksaußen zu führen. Denn das Ergebnis stand fest: die Trennung zum Saisonende. Hofmann zeigte sich sehr dankbar für die Zeit bei den Eulen und „für das ein oder andere Wunder, das ich erleben durfte“. Er ist dankbar, dass er nach seiner schweren Knieverletzung überhaupt wieder Handball spielen kann. „Ich habe hier Freunde gefunden“, sagt Hofmann.
Leidenszeit nach schwerer Verletzung
Jetzt kommt der Schritt zurück in die Heimat, zur Familie und zu einem guten Zweitligisten. „Es geht jetzt ein wunderbarer Lebensabschnitt zu Ende, den ich genießen durfte. Es war eine intensive Zeit mit Höhen und Tiefen“, beschreibt Hofmann die Vergangenheit in Ludwigshafen. Unvergesslich bleibt neben dem Aufstieg und dem Verbleib in der Bundesliga, seine schwere Verletzung, die er sich am 25. Januar 2020 bei einem Testspiel gegen den HC Erlangen zugezogen hatte. Die Ärzte stellten wenige Tage später einen Bruch des Schienbeinköpfchens fest. Es begann eine Leidenszeit. „Es war schon eine schwierige Phase in der Reha, aber mein Glaube hat mir Halt und Stärke gegeben, dass ich wieder gesund zurückkomme. Das ist mein Weg, den ich für mich gefunden habe“, betont Hofmann. Er blickte nach vorne, versuchte immer nah an der Mannschaft zu sein. Er war einer, der für gute Stimmung sorgte, der andere motivierte, der aber auch vieles zu einem guten Miteinander beitrug.
Das wusste auch die Geschäftsführung richtig einzuordnen und setzte damals ein klares Zeichen. Sie verlängerte den Vertag mit dem Linksaußen vorzeitig um ein Jahr bis 2022. „Hier geht es auch um soziale Verantwortung“, sagte einst Eulen-Trainer Ben Matschke: „In so einem Moment lässt man die Jungs nicht alleine.“
Gott gibt ihm eine Perspektive
Jannik Hofmann war nie alleine. Seine Ehefrau Melanie stand ihm stets zur Seite – und Gott. Jeden Tag betet er zu Gott. „Der Glaube gibt mir Halt. Er gibt mir Perspektive. Ich habe persönliche Erfahrungen gemacht in einigen Lebenslagen. Meine Gebete wurden erhört“, erzählt Hofmann.
Nicht nur sportlich steht ein neuer Lebensabschnitt an, auch privat. Hofmann wird Vater. Stolz zeigt er auf seinem WhatsApp-Profil das erste Ultraschall-Foto seines Nachwuchses. Aber zuvor hat er einen besonderen Wunsch: „Wir wollen das letzte Spiel der Saison gewinnen, dann hoffe ich, dass wir alle gesund bleiben und wir die Sommerpause nutzen können, um uns gut zu erholen“, sagt Hofmann, ehe er letztmals in den Morgenstunden am Sonntag aus dem Bus steigen wird. Dann endet seine letzte Dienstfahrt mit den Eulen Ludwigshafen – und seine Zeit hier.