Ludwigshafen Lauter Bums und zartes Gezwitscher
«Mutterstadt.» Dass Blasmusik keinesfalls antiquiert ist und Musiker jeden Alters Spaß daran haben, das beweist die Mutterstadter Blaskapelle. Nicht umsonst feiert die Formation aus rund 50 Musikanten in diesem Jahr ihren 90. „Geburtstag“. Derzeit wird fleißig für das Jubiläumskonzert am Sonntag, 11. März, geprobt. Ein Besuch.
Montagabend im katholischen Gemeindezentrum – es ist wieder Probe für die beiden Orchester der Blaskapelle. Und doch ist es kein üblicher Termin. Die Musiker haben ein Probewochenende hinter sich und Dirigent Thomas Zelt weiß, dass das den einen oder anderen ganz schön geschafft hat. Schließlich ist die Muskulatur der Lippen auch nicht unendlich strapazierbar. Doch die Musiker geben ihr Bestes. Ein kirchlicher Bläsersatz zum Warmspielen erklingt in voluminösen Sound. Dann geht es zur Sache. „Tirol 1809“, ein Werk des österreichischen Komponisten Sepp Tanzer steht auf dem Probenplan. Drei Sätze – Aufstand, Kampf am Berg Isel und Sieg – umfasst das Werk, das dem Freiheitskampf der Tiroler unter Andreas Hofer gewidmet ist. Trompetensignale, Schlachtengetümmel, dramatische Blechbläser-Töne, donnerndes Schlagwerk erfüllen nun den Proberaum. Thomas Zelt korrigiert, lobt aber auch: „Das war richtig gut“, bescheinigt er den Trompeterinnen, die eine Passage in großer Perfektion intoniert haben. Ganz anders klingt es dann beim Werk „Mont Blanc“, das in moderner und origineller Tonsprache die Besteigung des Gipfels beschreibt. „Ich brauch einen großen Bums auf die Eins“, fordert der Dirigent. Und dann erklingen plötzlich Vogelstimmen. Ein Stimmenimitator? Im Orchester? Nein, ein Smartphone „zwitschert“. Eine ganz neue „Instrumentengattung“, die eigentlich nicht während des Musizierens erklingen sollte. Die Tücken der neuen Technik eben. Vor dem großen Orchester hat Thomas Zelt mit der Jugend geprobt. Zum Konzert, und schon ab der nächsten Probe, die dann im Palatinum stattfindet, werden beide Orchester zu einem großen Klangkörper zusammengeführt. Der Jüngste unter den gut 50 Musikern ist der zehnjährige Altsaxofonist Hannes Gerlinger. Seit eineinhalb Jahren ist er dabei, seit drei Jahren musiziert er, hat mit der Blockflöte angefangen. „Da ist das Griffmuster ähnlich wie auf dem Saxofon“, erklärt der junge Musiker. „So richtig Spaß gemacht hat mir die Musik erst, als ich mit den anderen im Orchester zusammengespielt habe“, erzählt er, auch mag er besonders den Zusammenhalt. Sein Lieblingsstück in diesem Programm ist „Mont Blanc“. „Schwierig, aber auch sehr schön“, ist sein Urteil. Neben der Jugend sitzen gestandene Musikanten bis ins hohe Alter. Der Älteste ist der 82-jährige Tenorsaxofonist Günter Tildmann. „Ich spiele noch Geige im Seniorenorchester Mannheim“, erzählt er. Und: Er ist auch noch ein begeisterter Motorradfahrer. Der dienstälteste Musikant in der Runde ist Alfons Bug (80), der seit seinem 14. Lebensjahr mitspielt. „Musik hält fit – vor allem da oben“, schmunzelt er und tippt sich an die Stirn. Ob Jung oder Alt, ob Teenager oder gestandene Familienväter, sie alle wollen am Sonntag ein tolles Jubiläumskonzert geben. Gespielt wird ein Querschnitt der sinfonischen Blasmusik, beginnend mit „Concert Fanfare“ bis Melodien aus dem Musical „Phantom der Oper“. Noch Fragen? —Jubiläumskonzert der Mutterstadter Blaskapelle am Sonntag, 11. März, 18 Uhr, im Palatinum Mutterstadt. Der Eintritt kostet zwölf Euro, Schüler bis 14 Jahre zahlen sechs Euro. Kartenvorverkauf im Palatinum sowie bei allen Musikern. —Neue Musiker sind willkommen. Die Blaskapelle probt montags um 19.45 Uhr im katholischen Pfarrheim, Friedrichstraße 2. Einfach vorbeigehen.