Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Land unter im Stadtpark und auf der Promenade

Komplett überflutet: die Nordspitze der Parkinsel.
Komplett überflutet: die Nordspitze der Parkinsel.

Der Rheinpegel zwischen Mannheim und Ludwigshafen hat am Montag den Wert von acht Metern überschritten. Der Stadtpark auf der Parkinsel wurde komplett überflutet, Teile der Uferpromenade stehen unter Wasser. Viele Anwohner sind gekommen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Im Norden der Stadt gibt’s ein Problem.

„So hoch habe ich den Rhein noch nie gesehen“, sagt Marcus Keller-Leist, als er am Lichtenberger Ufer über die Hochwasserschutzwand linst. Sein Vater Edmund Keller kann sich noch gut an das Hochwasser von 1955 erinnern, als der Rhein bis in die Innenstadt schwappte. „Das Wasser stand mir damals im Keller bis zum Schienbein“, erzählt der 94-jährige Schuhhaus-Inhaber. Damals habe es keine Schutzmauer gegeben. Das Wasser sei bis zur Kreuzung Ludwig-/Wredestraße geströmt. Der Pegel stieg am 12. Januar 1955 auf 8,76 Meter – der zweithöchste jemals gemessene Wasserstand in Ludwigshafen.

Auch Dieter Platter aus dem Stadtteil Süd kann sich noch gut daran erinnern, als Ludwigshafen auf einmal nicht nur am, sondern im Rhein lag. „Ich war damals als Berufsschüler in der Rheinschule. Das Wasser stand bis an die Straßenbahnschienen in der Innenstadt“, erzählt der 82-Jährige, der Maler und Lackierer gelernt hat. Er ist mit dem Rad auf die Parkinsel gekommen, um dort mal einen Blick auf die aktuelle Lage zu werfen.

Mit Lage in Bayern nicht vergleichbar

Dort fließt der Rhein durch den Stadtpark, der von Sonntag auf Montag komplett überflutet wurde. „Ich mache mir keine großen Sorgen“, sagt eine Anwohnerin. Der Deich an der Parkstraße sei erst vor ein paar Jahren mit einer Spundwand ertüchtigt worden. „Ich bin froh, dass das gemacht worden ist“, sagt die Insulanerin.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Ein paar Meter weiter wirft eine Anwohnerin vom gegenüberliegenden Rheinufer Süd einen Blick auf den Wasserstand im Luitpoldhafen. „Als die Häuser damals gebaut wurden, hieß es, die Tiefgarage bleibt so lange trocken, bis die Innenstadt geflutet wird“, erzählt sie. So weit werde es diesmal aber laut den Prognosen nicht kommen. Sie habe Freunde in den Hochwassergebieten von Bayern, dort sei die Lage wirklich schlimm.

Drehbrücke für Autos gesperrt

Am Montagvormittag steht das Wasser im Luitpoldhafen nur wenige Handbreit unterhalb der Unterkante der Drehbrücke. Arbeiter der Stadt sperren die Straße für den Autoverkehr. Nur noch Radfahrer und Fußgänger dürfen die Brücke überqueren, gegen die Wassermassen drücken. Der motorisierte Verkehr muss über die Straße auf dem Damm an der Kammerschleuse ausweichen.

Mitten im Überschwemmungsgebiet liegen die Sportanlagen vom Park-Tennisclub und dem TFC Ludwigshafen. Ein kleiner Damm umgibt das Areal. In der Zufahrt sind zahlreiche Sandsäcke aufeinander geschichtet worden. Dort fließt das Wasser schon vorbei.

Erinnerungen an frühere Hochwasser

„Ich habe früher hier beim Park TC gespielt“, sagt eine Seniorin. „Wir sind bei Hochwasser schon über die Plätze gepaddelt,“ erinnert sich die Mundenheimerin. Ihr Mann stamme von der Parkinsel und „deswegen sind wir hier, um mal nachzusehen“.

»So hoch habe ich den Rhein noch nie gesehen«, sagt ein Ludwigshafener.
„So hoch habe ich den Rhein noch nie gesehen“, sagt ein Ludwigshafener.
Wasserlandschaft: Der Rhein fließt durch den Stadtpark.
Wasserlandschaft: Der Rhein fließt durch den Stadtpark.
Erst in der Nacht zum Mittwoch soll der Rheinpegel wieder unter acht Metern liegen.
Erst in der Nacht zum Mittwoch soll der Rheinpegel wieder unter acht Metern liegen.
Aus Sicherheitsgründen abgesperrt: die Drehbrücke.
Aus Sicherheitsgründen abgesperrt: die Drehbrücke.
Am Ostasieninstitut.
Am Ostasieninstitut.
Sicht auf die Mannheimer Seite: ein ungewohnter Anblick.
Sicht auf die Mannheimer Seite: ein ungewohnter Anblick.

Foto 1 von 6

Auch an der Rheinpromenade stehen hinter der Schutzmauer Menschen und machen Fotos. Ein Pärchen mit Hund hat alle Absperrungen ignoriert und lässt den Vierbeiner auf der noch nicht überschwemmten Wiese springen. Der Kommunale Vollzugsdienst (KVD) kann nicht überall sein. Die Streifen haben schon am Sonntag Jugendlichen den Zugang zum Park verwehrt. Die Beamten sind gefordert. Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) meldet sich deshalb zu Wort: „Sorge bereiten Bürger, die Warnschilder ignorieren und abgesperrte Bereiche betreten. Ich appelliere daher nochmals und eindringlich an alle, dies unbedingt zu unterlassen, da sie sich in Lebensgefahr begeben können. Wir werden das kontrollieren und haben auch die Polizei darüber informiert.“

Riegeldamm mit Lücken

Nach Angaben von Björn Berlenbach vom Tiefbauamt sorgen aktuell die Wassermassen aus dem Neckar für einen Rückstaueffekt im Rhein. Momentan deuteten die Prognosen darauf hin, dass der Rheinpegel maximal auf 8,30 Meter steigen und dann im Laufe des Dienstags wieder unter die Acht-Meter-Marke sinken soll.

Der bisherige Rekordwert war 9,17 Meter bei der Hochwasserkatastrophe am Jahreswechsel 1882/83. Edigheim, Oppau und Teile von Friesenheim wurden überflutet. Es gab damals 36 Tote. 4200 Menschen verloren ihr Zuhause. Der Damm, der gegenüber der Neckarmündung in den Rhein unter zusätzlichem Druck stand, hielt den Wassermassen nicht mehr stand und brach. Als Konsequenz wurde vor einigen Jahren hinter dem Hauptdeich ein sogenannter Riegeldamm gebaut, der zusätzlichen Schutz bieten soll. Dieser Damm verläuft zwischen der Autobahn 6 und dem BASF-Nordhafen und soll im Falle eines Bruchs des Rheinhauptdeichs verhindern, dass weite Teile von Ludwigshafen von Norden her überflutet werden. Bei einem Wasserstand von über acht Metern soll er geschlossen werden. Doch damit haben die Städte Frankenthal und Ludwigshafen in der aktuellen Lage Probleme.

„Es gibt drei Deichscharten, die verfüllt werden müssen. Das Material liegt dort vor Ort, war aber viel zu nass“, berichtet der Ludwigshafener Feuerwehrchef Stefan Bruck. Frankenthal habe deshalb 500 Kubikmeter neue Erde angefahren, um zwei Lücken zu schließen. Ludwigshafen hat am Montag mobile Dammsperren besorgt, um eine weitere Scharte schließen zu können. Die Lage sei nicht wirklich dramatisch, „aber wir müssen tätig werden“, sagt Berlenbach. Seit der Nacht auf Montag sind Deichwachen im Einsatz. Zusätzlich werden auch Straßen und Tunnel in Nähe des Rheins begangen. Die Brücke über den Rehbach ist gesperrt.

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