Fussgönheim
Kunstgalerie zeigt Arbeiten der Speyerer Malerin Maria Trezinski
Bis zu 15 mal drei Meter groß seien ihre Bilder, berichtet die Künstlerin. Zu monumental für die buergyderuijtergallery an der Hauptstraße wie wohl für die meisten Galerien überhaupt. Aber, immerhin, bis zu 1,70 Meter Höhe wachsen in Fußgönheim nun die Pilze und selbst auf den kleineren Bildern sind sie ganz überwiegend viel größer als in Wirklichkeit. Der lateinische Ausstellungstitel „Semper in Obscuris“ („Immer im Dunkeln“) deutet es bereits an: Trezinski ist besonders daran gelegen, sonst weithin übergangene und übersehene kleine Objekte aus Flora und Fauna in den Blickpunkt zu rücken. Die schiere Größe trägt dazu bei. „Durch die Maßstabsverschiebung der Bildmotive“, erläutert die 27-Jährige, „wird der Betrachter mit einer Welt konfrontiert, die normalerweise unsichtbar bleibt und gemieden wird.“
Zwischen schön und unheimlich
Mit den Mitteln der Malerei, hier meist in Acryl- und Ölfarben auf Leinwand oder Holzfaserplatte, wird jede vertraute Perspektive aufgebrochen und eine oftmals faszinierende Ästhetik freigelegt. Es ist auch die Ambivalenz zwischen Schönheit und dem Unheimlichen, die Trezinski beeindruckt und an der Natur reizt.
Insekten wie Holzbienen und Käferlarven, Knochen und Körperorgane wie Wirbel und Herz, balzende Frösche oder andere Kleintiere hat sie auf diese Weise bereits verewigt. Auf Pilze beschränkt sie sich also keineswegs. Für eine rot leuchtende, schwarz gefleckte und durch Radioaktivität mutierte „Feuerwanze“, 1,40 Meter hoch und zwei Meter lang, wurde ihr 2018 in Kaiserslautern in der Nachwuchskategorie der Pfalzpreis für Bildende Kunst verliehen.
Knallige Farben, verrückte Formen
Auf die Pilze, berichtet die einstige Meisterschülerin Wolfgang Ellenrieders, sei sie zuletzt während zweier Stipendien gekommen: im nordrhein-westfälischen Schwalenberg und im pfälzischen Obermoschel. Als Stipendiatin des Kunstvereins Donnersbergkreis war sie gehalten, sich dem seit Jahren festgeschriebenen Thema „Ländliche Begegnung“ anzunähern, und hat sich dabei auf Pilze konzentriert. Die drei Herbstmonate des zurückliegenden Jahres, die sie vor Ort verbrachte, hätten ja geradezu dazu eingeladen, erklärt die Künstlerin: „Pilze haben die knalligsten Farben und die alienhaftesten, verrücktesten Formen.“ Alle Bilder, die in der Nordpfalz entstanden, sind bereits verkauft. In der Ausstellung, die bis 27. Februar läuft, sind aber einige noch zu sehen, flankiert von Bildern aus Schwalenberg – und eben Speyer, wohin es die gebürtige Braunschweigerin, die an der örtlichen Hochschule für Bildende Kunst studierte, vor wenigen Jahren verschlagen hat.
Sehr eingehend, „ähnlich wie Forschungsobjekte“, studiere sie die Pilze, die sie im Wald entdecke, aber nicht sammle, sondern nur skizziere und fotografiere. Dabei macht sich Maria Trezinski ein Bild von der Struktur und der Textur des Motivs, das sie auch noch auf andere Weise erfährt. So beeinflussen beispielsweise ihre Beobachtungen über das glänzende Äußere, das Gewicht oder den besonderen Geruch ihre Herangehensweise an den malerischen Umgang mit dem Objekt. Ebenfalls in Lebensmittelläden erwirbt sie Speisepilze oder lässt sich von einschlägiger Literatur, Pilzführern und Kochbüchern, inspirieren.
Manche Pilze selbst komponiert
Steinpilze sind zu erkennen, Maronen-Röhrlinge oder Fliegenpilze, aber längst nicht alle der Pilzporträts zeigen eine natürliche Gattung. Die übrigen sind Hybride, die Trezinski aus verschiedenen Arten oder schlicht Farben und Formen selbst komponiert hat. Schlank oder rundlich, angefressen oder absonderlich, knubbelig oder knorpelig. Die psychedelische Farbigkeit einiger Bilder lässt freilich auch an die rauschhaften Wirkungen denken, die der Genuss bestimmter Pilze zeitigen kann. „Das Spannungsfeld zwischen Tod, Verlust und Trauer sowie Wärme und Exzess zieht sich wie ein roter Faden durch meine Arbeiten“, meint die Künstlerin dazu.
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www.bdr.gallery