Ludwigshafen Kritik an der Bahn
Harsche Kritik an der Deutschen Bahn hat gestern der Beirat für Menschen mit Behinderung geäußert. So gebe es an Bahnhöfen und Haltepunkten in Ludwigshafen immer wieder Probleme mit der Barrierefreiheit für Behinderte, meinte Vorsitzender Holger Scharff (SPD).
„Die Bahn bleibt hinter den Erwartungen zurück. Häufig funktionieren Rolltreppen nicht, Fahrstühle fallen aus. Beispielsweise am Bahnhof Ludwigshafen-Mitte gibt es diese Probleme“, fasste Scharff die Kritik bei der Sitzung des Beirats zusammen. Deshalb forderten die Beiratsmitglieder nachdrücklich, dass die Bahn die Beseitigung bekannter Mängel und die Instandsetzung von Aufzügen oder Rolltreppen schneller angeht. In der Debatte stellte Beiratsmitglied Sonja Rühm fest, dass sich an der Problematik für mobilitätseingeschränkte Menschen in Maudach nichts geändert habe. Laut Bürgermeister Wolfgang van Vliet (SPD) habe die Stadt bei der Bahn wegen der Probleme nachgehakt, doch das Unternehmen ignoriere überwiegend solche Anfragen. Der Beirat stimmte schließlich einem Antrag über barrierefreien Zugang zu Bahngleisen einstimmig zu und regte an, dass sich auch der Stadtrat mit dem Thema befassen soll. Daneben informierte sich der Beirat auch über die Überwindung von Barrieren für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Andrea Hilbert von der Koordinierungsstelle für Psychiatrie berichtete über die Situation Betroffener. Psychische Erkrankungen spielten auch volkswirtschaftlich eine große Rolle. So gebe es im Deutschland etwa acht Millionen Menschen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren, die unter einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung leiden. Psychische Erkrankungen seien nach Muskel-Skelett-Erkrankungen der zweithäufigste Grund für Krankschreibungen. Im Jahr 2012 sei etwa jeder siebte Fehltag am Arbeitsplatz auf psychische Erkrankungen zurückzuführen gewesen (13,7 Prozent). Bei der Frühverrentung seien psychische Erkrankungen die Hauptursache. Fast jede zweite Frühverrentung habe so einen Hintergrund, wobei Depressionen dabei die häufigste Ursache bildeten. Hilbert erinnerte an das regionale Krisentelefon für Betroffene (0800-2203300), das es seit dem Jahr 2000 gibt und in dessen Einzugsgebiet 620.000 Menschen leben. Alle, die in einer akuten Krise einen Rat brauchen, können anrufen. Hilbert wies auch darauf hin, dass in Ludwigshafen in Kürze die Broschüre „Psychosozialer Wegweiser“ erscheint, die als Ratgeber für Kinder, Jugendliche und ihre Familien gedacht sei.