Ludwigshafen Kreuzen, drehen, kreuzen
Dannstadt-Schauernheim. „Leinenschlag, Ganzschlag, Halbschlag, kreuzen, drehen“, was beim erstem Hinhören wie seemännische Anweisungen klingt, sind bei genauerem Hinschauen die Grundtechniken des Klöppelns, die man braucht, um filigrane Spitze herzustellen. Präsentiert wurde diese aus dem 16. Jahrhundert stammende alte Handarbeitstechnik am Tag der offenen Tür des Kultur- und Heimatkreises Dannstadter Höhe.
Irene Jäger, Jutta Prochnow und Ursula Leber erklärten und zeigten den interessierten Besuchern immer wieder geduldig die einzelnen Schritte. „Hach, so etwas kann ich nicht, das ist mir zu viel“, kommentierten etliche Besucherinnen den Umgang mit den Klöppeln auf Rolle oder Flachkissen. „Es ist gar nicht so schwer, wie es aussieht, man fängt ja langsam an“, lautete die regelmäßige Antwort von Irene Jäger. „Sie können es ja mal ausprobieren“, sagte sie und zeigte auf eine kleine Rolle neben sich. Auf der ist ein einfaches Muster im Leinenschlag mit zwei Farben aufgezogen. Vereinzelt lassen sich Frauen von ihr animieren, das Handwerk zu versuchen. Und tatsächlich, wenn man das ganze selbst in der Hand hat, wird das Hexenwerk überschaubarer, wie ein Selbstversuch beweist. „Die Inneren von links nach rechts kreuzen, dann alles nach links drehen und wieder die Inneren kreuzen, ablegen“, und eh man sich versieht ist die, zugegeben recht kurze Reihe, fertig. Die zweite geht schneller von der Hand, auch wenn man noch umdenken muss, da die Reihe von links nach rechts gearbeitet wird. „Es ändert sich aber nichts an der Reihenfolge“, sagt Irene Jäger. „Wichtig ist, dass man übt. Es reicht nicht, nur in den Kursstunden zu klöppeln“, erzählt Jutta Prochnow, die seit 20 Jahren klöppelt. Sie geht immer noch in den Kurs, um Anregungen zu bekommen. Wie vielseitig Klöppeln ist, beweist eine kleine Ausstellung von selbst gefertigten Produkten, die die drei Damen zum Tag der offenen Tür mitgebracht haben. Deckchen, Bilder, Schals, Anhänger, ein Kragen, eine Weste und sogar Schmuck können da bewundert werden. Ursula Leber, Kursleiterin in Dannstadt und Dudenhofen und gerade frisch zurückgekehrt vom Kongress des Deutschen Klöppelverbands, von den neuesten Trends. „Es geht zu Dreidimensionalem“„, sagt sie und zeigt einen kleinen geklöppelten Tannenbaum. „Klöppeln ist so vielfältig, da ist es schon fast Zufall, wenn in einem Kurs zwei Frauen das Gleiche machen.“ Gearbeitet wird nach sogenannten Klöppelbriefen, in denen Form und Muster aufgezeichnet sind, und die unter die Arbeit gelegt werden. Die genaue Ausführung kann man dann der technischen Zeichnung entnehmen, in der die verschiedenen „Schläge“ farblich gekennzeichnet sind. Als Materialien werden Leinen, Seide oder Baumwolle verwendet – je nachdem wozu das Geklöppelte später benutzt wird. „Aber eigentlich kann man alles verwenden, sogar Rosshaar und Metall“, sagt Ursula Leber. (acl)