Rhein-Pfalz-Kreis Kreismusikschule feiert 55-jähriges Bestehen mit Klassik-Open-Air-Konzert
Über das Interesse am Musikunterricht und den Wert handgemachter Musik sprechen Musikschulleiter Christoph Utz und seine Stellvertreterin Hiltrud Wies im Interview mit Julia Köller.
Seit 55 Jahren werden in der Kreismusikschule junge Menschen an Instrumenten und im Gesang ausgebildet. Hat sich das Interesse am Musikunterricht in dieser Zeit gewandelt?
Christoph Utz: Das Interesse am Musikunterricht hat sich eher gesteigert. Es ist ungebrochen hoch. Gerade im Instrumentalunterricht findet der Einstieg jetzt früher statt als in den Anfangszeiten. Das liegt unter anderem am Interesse der Eltern, die ihre Kinder frühzeitig in die Förderung geben möchten. Es hat sich aber auch das Angebot der Instrumente erweitert. Es stehen mehr kleine Instrumente zur Verfügung, zum Beispiel kleine Oboen, Kontrabässe oder Geigen.
Ist es schwerer geworden, Kinder und Jugendliche für klassische Musik zu begeistern?
Christoph Utz: Die Kinder machen die Musik, die ihnen gefällt. Sie unterscheiden nicht zwischen Klassik und Pop oder ernster und Unterhaltungsmusik. Kinder und Jugendliche sind nicht in Genregrenzen unterwegs, vor allem, wenn sie selbst Musik machen. Sie haben auch ein Interesse, alles auf ihrem Instrument zu spielen, was möglich ist.
Hiltrud Wies: Ich unterrichte seit 35 Jahren an der Musikschule Geige und Bratsche. In der Regel fängt man da nach Kinderliedern mit klassischen Stücken an. Wenn die Schüler in die Pubertät kommen, fordern sie oft ein Popstück ein. Aber sie merken schnell, dass Klassik besser zu ihrem Instrument passt.
Mit Hilfsmitteln wie Autotune und Künstlicher Intelligenz kann heutzutage im Prinzip jeder Musik machen. Warum ist es so wichtig, selbst ein Instrument zu erlernen und handgemachte Musik zu spielen?
Hiltrud Wies: Die handgemachte Musik ist tatsächlich Arbeit. Man braucht Motivation und verfolgt ein Ziel. Man braucht Ehrgeiz, hat aber auch, wenn man bei Auftritten mitmacht, eine Erfolgsgarantie und bekommt positive Rückmeldungen. Man hat ein Erlebnis. Und im Ensemble kommt noch ein unersetzbares Wir-Gefühl hinzu.
Christoph Utz: Es ist trotzdem spannend, mit der KI zu experimentieren. Das kann man aber besser, wenn man weiß, wie Musik funktioniert.
Beim Konzert in Limburgerhof präsentieren mehrere Ensembles ihr Können. Worauf dürfen sich die Zuhörer freuen?
Hiltrud Wies: Unser Ziel war es, viele Ensembles einzubinden. Wir haben als Eröffnungsfanfare ein reines Bläserensemble. Im ersten Teil mit dem Jugendsinfonieorchester erklingt klassische Festivalmusik, zum Beispiel die Ouvertüre zu Carmen. Im zweiten Teil kommt unser Bratschenpower-Orchester mit Pop-Songs, die eigens dafür arrangiert worden sind. Und im letzten Teil haben wir alle Ensembles zusammen, auch mit unserem Chor Juventus Vocalis. Das gibt dann ein großes Finale.
Bekommen Sie nach Konzerten wie diesem mehr Zulauf?
Christoph Utz: Veranstaltungen motivieren immer, selbst ein Instrument zu lernen. Wir haben danach immer Anrufe von Eltern, ob noch Plätze frei sind.
Hiltrud Wies: Was bei den Open Airs immer wieder auffällt, ist, dass wir damit auch ein anderes Publikum erreichen. Das ist eine schöne Sache.
Christoph Utz: Es geht ja auch darum, Musik im besten Sinne des Wortes populär zu machen.
Termin:
Das 4. Klassik Open-Air der Musikschule des Rhein-Pfalz-Kreises beginnt am Sonntag, 14. Juni, um 18 Uhr auf dem Burgunder Platz in Limburgerhof. Der Eintritt ist frei.
Zur Person
Christoph Utz ist Leiter der Musikschule des Rhein-Pfalz-Kreises und Vorsitzender des Landesverbands der Musikschulen Rheinland-Pfalz. Der 65-Jährige ist selbst studierter Kirchenmusiker.
Hiltrud Wies ist stellvertretende Leiterin der Kreismusikschule. Die 61-jährige Bratschistin leitet zudem das Jugendsinfonieorchester und hat die Gesamtleitung des Konzerts
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