Ludwigshafen Krönender Abschluss mit leidenschaftlichem Ausdruck

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Die zugegebenermaßen abgegriffene Wendung „krönender Abschluss“ drängt sich für die letzte BASF-Matinee der auslaufenden Saison dennoch geradezu zwingend auf. Das junge koreanische Duo Clara-Jumi Kang (Violine) und Yeol Eum Son (Klavier) hat nämlich im Ludwigshafener Gesellschaftshaus ein mehr als begeisterndes musikalisches Ausrufezeichen gesetzt.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Von einer Entdeckung kann nur auf unsere Region bezogen gesprochen werden. Beide Künstlerinnen, ehemalige Siegerinnen und Preisträgerinnen in renommierten Wettbewerben, stehen schon mittendrin im großen internationalen Konzertbetrieb. Sie treten regelmäßig in traditionsreichen Musikzentren auf, mit Spitzenorchestern unter Leitung führender Dirigenten und an der Seite prominenter kammermusikalischer Partner. Vom Stand ihrer Laufbahn her sind sie uneingeschränkt reif für die Kammermusikreihe der BASF oder den „Big-Four“-Zyklus. Und von ihrem künstlerischen Format her sowieso. Die große Begeisterung, die Kangs und Sons Spiel jetzt ausgelöst hat, zu begründen und das Außergewöhnliche dieses Musizierens zu erklären, fällt nicht schwer. Um den extrem hohen Anspruch des Vortrags zu statuieren, genügten wenige Takte von „Drei Romanzen“ Clara Schumanns zu Beginn des Konzerts. Sie offenbarten unmissverständlich die Fantasie und gestalterische Präsenz, die die beiden Spielerinnen von den meisten ihrer Kollegen unterscheiden. Kang und Son verfügen über eine wesentlich weiter gefächerte Farbenskala, zeigen deutlich ausgeprägteres Gespür fürs musikalische Detail, für Nuancen und Differenzierungen und gewinnen den Klangfiguren eine mehr als beeindruckende Vielzahl der Facetten ab. Kurz, sie haben mit einem außerordentlich reichen Vokabular zur Musik mehr zu sagen, als es im Konzertalltag in der Regel zu vernehmen gibt. Womit sie den bedeutendsten ausführenden Musikern nahestehen. So wusste die in Mannheim geborene, heute in München lebende Kang, deren Vater, der Bassist Philip Kang, gegen Ende der achtziger Jahre dem Ensemble des Nationaltheaters angehört hat, überaus empfindsam in Clara Schumanns Romanzen, in denen allerdings die Sphäre der romantischen Salonromanzen nicht mehr weit liegt, zu schmachten. Mit romantischer Emphase, in vollem Einklang mit der Vortragsanweisung des Komponisten zum ersten Satz, „Mit leidenschaftlichem Ausdruck“, erklang anschließend Robert Schumanns erste Violinsonate in a-Moll. Die Aufführung stand im Zeichen vorwärts drängender Energie und düster emotionsgeladener Impulse, zu denen die Leichtigkeit und Eleganz des Mittelsatzes den feinen Gegenpol bildete. Sehr lebendig und perfekt ausgewogen entfaltete sich dabei der instrumentale Dialog der beiden Partnerinnen. Das war nach der Pause im wirkungsvoll empfindsamen „Poème élégiaque“ des belgischen Geigenvirtuosen Eugène Ysaye (1858-1931) ebenfalls der Fall. Ravels zweite Violinsonate in G-Dur, das Schlussstück des Programms, bestach diesmal durch Eleganz und Raffinement der Klangrede, im Mittelsatz, einem Blues, durch die Prägnanz der bizarren Tongestalten und im finalen Perpetuum mobile durch die Virtuosität der Darbietung, die der Phantastik des Stücks voll gerecht wurde. Zwei Zugaben gab es zum Schluss: Tschaikowskijs „Valse sentimentale“ und „La campanella“ von Paganini.

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