Mannheim
Konzert in der SAP-Arena: „Und die Chöre singen für dich“
„Wer, wenn nicht wir“, lautete das diesjährige Motto des 2018 ins Leben gerufenen Projekts, das infolge der Corona-Pandemie einen etwas holprigen Start hinter sich zu bringen hatte und zwei Jahre nacheinander aussetzen musste. „Wahnsinn, dass wir das wieder machen können!“ freute sich denn auch Fabian Sennholz, der Kopf hinter der Veranstaltung, der die eindrücklichen Mannheimer Chorgesänge auch moderierte. Wincent Weiss’ „Wer wenn nicht wir“ war passenderweise der Eröffnungssong des Abends, dem bis zum Wochenende drei weitere in Köln, Hamburg und Berlin nachfolgen werden.
„Unsere Mission ist, dass jedes Kind die Chance erhält, zu erleben, wie cool und wie erfüllend es ist, gemeinsam Musik zu machen“, erläuterte der Chorleiter, Keyboarder, Komponist und Professor für Ensemblearbeit an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Als Ausbilder angehender Musiklehrer hat Sennholz 6K United! konzipiert, um den schulischen Musikunterricht zu stärken, Kinder vermehrt zum Singen anzuregen, ihre stimmliche Entwicklung und musikalischen Kompetenzen zu fördern. Wie nebenbei, weiß er, vermag Chorgesang auch das Selbstvertrauen und die soziale Kompetenz, die Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer der Kinder zu stützen. Der Name „6K United!“ geht vermutlich darauf zurück, dass jedes Konzert bis zu 6.000 (k für 1.000) Kinder zum gemeinsamen Singen versammeln soll.
Schulchöre und Verwandte füllen die Halle
Ganz so viele waren nicht nach Mannheim gekommen, jedoch etwa die Hälfte der Arenaränge mit Sängern, der Innenraum und die andere Hälfte mit Besuchern, hauptsächlich Eltern und Geschwister der Teilnehmer, gut gefüllt. Aus Ludwigshafen waren unterschiedlich große Chöre etwa der Lukas- und der Realschule Plus am Ebertpark, aus Limburgerhof der Domholzschule oder aus Mannheim der Erich-Kästner-, der Pestalozzi-Schule und des Moll-Gymnasiums beteiligt. Dazu zahlreiche weitere Schülerchöre aus Billigheim-Ingenheim, Bubenheim, Edenkoben, Insheim, Neustadt, Quirnbach, Bad Kreuznach, Karlsruhe oder Heidelberg.
Dirigiert wurden sie von Fabian Sennholz, der die ausgewählten Lieder von Lena Meyer-Landruts „Strip“ bis zum koreanischen „Arirang“ vorab den Kinderstimmen gerecht arrangiert und die teilnehmenden Lehrer und Chorleiter in verschiedenen Workshops geschult hatte. Liedgut, das man herkömmlich mit Chorgesang verbindet, war in Mannheim allein mit dem deutschen Volkslied „Die Gedanken sind frei“ vertreten, John Lennons Friedenshymne „Imagine“ oder Grönemeyers musikalischer Aufruf „Kinder an die Macht“ eher der älteren Generation vertraut, während die Schüler ganz besonders emotional und begeistert bei jüngeren deutschen Titeln von Jan Delay („Lächeln“), Lotte („Mehr davon“) oder Johannes Oerding („An guten Tagen“) agierten. Als sehr passend erwiesen sich bezeichnenderweise auch die Hits „Wir sind groß“ und „Chöre“ des Pfälzers Mark Forster, enthält letzterer doch die vielfach wiederholte Zeile „Und die Chöre singen für dich“, die auch im Finale der rund 100-minütigen, kurzweiligen Show noch einmal aufgegriffen wurde.
Größere Belohnung als ein Schulkonzert
Einen besonderen Akzent setzten die niedersächsischen Schüler Fabian Mahn und Anton Vedder, die mit Unterstützung der Chöre ihren klimakritischen Hip-Hop-Song „Bringt doch nichts“ performten, mit dem sie vor wenigen Monaten das Finale des KiKA-Songwriting-Wettbewerbs „Dein Song“ erreicht hatten. Überhaupt wurden die zahlreichen Chorsänger aus südwestdeutschen Schulen immer wieder von verschiedenen Vokalisten, einer zwölfköpfigen „sehr amtlichen Band“ und einer ansehnlichen Lightshow unterstützt. Mit diesem großen Auftritt werden die Teilnehmer sicherlich prägender belohnt, als das mit einem regulären Schulkonzert möglich wäre.