Ludwigshafen Kommentar: Nicht nur Nerds

Erneut haben es Oliver Orschiedt und sein Team geschafft, einen beachtlichen Teil der Shogi-Gemeinde Europas in Ludwigshafen zu versammeln. Noch ist die Anhängerschaft des japanischen Brettspiels hierzulande überschaubar, doch wer an andere kulturelle Exportschlager aus Fernost denkt, kann sich auch für Shogi einen baldigen Boom vorstellen. Für den Außenstehenden mag die Beschäftigung mit dem exotischen Brettspiel auf den ersten Blick seltsam wirken. Stundenlang brüten Dutzende Erwachsene und Kinder über 81 Feldern, sie bewegen Spielsteine mit für Laien unverständlichen Schriftzeichen darauf. Man sollte aber nicht den Fehler begehen, Shogi als reinen Zeitvertreib für heutzutage „Nerds“ genannte Sonderlinge abzutun. Im Herkunftsland erfreut sich das traditionsreiche Spiel ungebrochener Beliebtheit, Millionen von Japanern beherrschen die Regeln. An mehreren Schulen in Deutschland bestehen mittlerweile Shogi-AGs, die das japanische Schach als Methode entdeckt haben, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsvermögen sowie analytisches Denken zu schärfen. Mit der Offenen Deutschen Meisterschaft hat Ludwigshafen seinen Rang als Shogi-Hochburg gefestigt.