Ludwigshafen Klein, erschwinglich und gut

Luxuriös ist die Box Tengor von Martin Bruckner.
Luxuriös ist die Box Tengor von Martin Bruckner.
Erinnerungsstück aus Finnland

Das Erbstück ihrer Mutter hält Edevej Gremm aus Maxdorf besonders in Ehren. Es ist eine alte Box-Kamera aus Finnland mit dem Namen Näpsä. Das Wort bedeutet in der Umgangssprache flink, fix oder gut gelungen, erzählt sie. „Deutsch würde man wohl Knipsi sagen“, erklärt Edevej Gremm. „Meine Mutter hat damit viele schöne Schwarz-Weiß-Fotos gemacht.“ Meist waren es Bilder von Wasa und Umgebung in Finnland, wo ihre Familie lebt. Dort wurde der sehr gut erhaltene Fotoapparat etwa 1940 angeschafft. In welchem Laden, steht noch auf einem Messingbeschlag auf dem Gerät: „In dem Fotogeschäft Nyblin, ich glaube, das gibt es immer noch in Helsinki“, erzählt sie. Im Jahr 2000 ist ihre Mutter verstorben, danach hat sie die alte Box-Kamera nach Maxdorf mitgebracht. Edevej Gremm, die in Finnland geboren wurde, hat selbst nie mit der Kamera fotografiert. „Aber ich glaube, sie ist noch voll funktionsfähig.“ Edevej Gremm ist 1975 der Liebe wegen in die Pfalz gezogen und „es gefällt mir hier sehr“. Zu schade zum Wegschmeißen „Seit vielen Jahren steht diese Box-Kamera in unserem Wohnzimmer mit anderen alten Kameras als Deko“, schreibt Hermann Brech aus Fußgönheim. Das gute Stück gehörte seinem Vater, der es vermutlich in den 1950-Jahren gekauft hat. Fotos, die damit gemacht wurden, existieren leider nicht mehr. Schon lange sei damit nicht mehr fotografiert worden. Vor einiger Zeit aber, als es noch Filme für diese Kamera gab, hat Hermann Brech versucht, ein paar Bilder zu schießen. „Doch leider hatte ich keine Idee, wie man den Apparat bedient, darum waren die Fotos alle verschwommen“, erinnert er sich. Doch zum Wegschmeißen war das antike Gerät einfach zu schade. Ganz schon mitgenommen sieht die alte Agfa-Box-Kamera von Theo Kißler aus Waldsee aus, „aber sie funktioniert wahrscheinlich immer noch einwandfrei“, erzählt der 91-Jährige. Er hat sie im Haus seiner Frau nach der Heirat entdeckt, das war 1952. Sie lag bei den alten Fotos. Was für ein Modell die Kamera ist und wie alt das Exemplar ist, war schon damals nicht bekannt. Fortan hat aber Theo Kißler damit Fotos gemacht: „Blumen im Garten oder von den Kindern“, erzählt der Senior. Und das war eine sehr mechanische Sache: Der Apparat hatte lediglich einen Hebel zum Öffnen der Blende, einen Auslöser zum Festlegen der Belichtungszeit sowie ein Rad zum Filmtransport. „Hat man zum Beispiel die Blende geöffnet, musste man die Belichtungszeit je nach den Lichtverhältnissen mitzählen: eins, zwei, drei ...“, erinnert sich der Waldseer. Die Bilder sind mit dem recht rudimentären Gerät aber immer gelungen. „Später habe ich mir einen moderneren Fotoapparat gekauft“, erzählt er. Inzwischen fotografiert der 91-Jährige mit einer digitalen Spiegelreflexkamera, immer noch am liebsten die Familie. Fan der Analog-Fotografie Eine ganz besondere analoge Kamera hat Stefan Frombold aus Hochdorf-Assenheim. Es ist eine Spiegelreflex-Großformatkamera, hergestellt in der ehemaligen DDR, genauer im Primar-Kamera-Werk in Görlitz um 1950. „Sie wurde ursprünglich als Studiokamera, danach bis 2008 zu Ausbildungszwecken in einer Fotografenschule eingesetzt“, erzählt der 37-Jährige. Erstanden hat er das Schmuckstück samt Zubehör im Internet. Belichtet wird damit ein neun mal zwölf Zentimeter großer Planfilm in einer Kassette. Besonders beeindruckend werden damit Fotos, die mit einer Langzeitzeitbelichtung gemacht werden. „Eines meiner schönsten Bilder ist das von einem Feuerwerk“, erzählt Frombold. Die Abstufungen zwischen hellen und dunklen Farbtönen und die Farbunterschiede würden bei einem solchen analogen Großformat-Foto besonders gut herauskommen. Doch diese Filme überhaupt entwickeln zu lassen, werde zunehmend schwieriger, immer weniger Labore böten das an. Dennoch möchte der Krankenpfleger weiter dabeibleiben und sich vielleicht noch weiteres Kamerazubehör anschaffen. Er hat auch noch eine weitere analoge Kamera: eine Agfa Isolette V. Die Mittelformatkamera mit einem sechs mal sechs Zentimeter Rollfilm hat einst seinem Vater gehört. „Er hat sie sich 1956 nach langem Sparen gekauft“, erzählt Frombold. Schöne Aufnahmen seien damit entstanden, zum Beispiel von viel Ausflügen. Erschwingliche und gute Kamera Ein Experte auf dem Gebiet der analogen Fotokameras ist Peter Pister aus Speyer. Gut 200 Kameras umfasst seine Sammlung, angefangen mit Plattenkameras über Box-Kameras, Sofort-Bild-, Kompakt- bis Spiegelreflex-Kameras. „Begonnen hat alles mit den Instamatic-Kameras von Kodak, das sind Sofortbildkameras“, erzählt der 76-Jährige. Seine erste hat er auf dem Flohmarkt erstanden. „Und dann habe ich mir in den Kopf gesetzt, alle Kodak-Instamatic-Kameras zu sammeln, die es in Deutschland auf dem Markt gibt.“ Über Ebay, auf Flohmärkten, bei Haushaltsauflösungen und Räumungsverkäufen ist er fündig geworden und hat tatsächlich seine Sammlung komplett. Doch damit war Pisters Sammelleidenschaft keinesfalls gestillt, im Gegenteil. Es war der Beginn seiner Sammlung analoger Kameras. Unter diesen sind auch zehn Box-Kameras verschiedener Marken, aus der Vor- sowie Nachkriegszeit. „Es sind einfach gebaute Kameras, im Prinzip ein kleiner Kasten mit einer Linse und einer Verschlusszeit, aufgebaut wie eine Loch-Kamera“, weiß der Experte. Die Fotoqualität sei in Ordnung gewesen, aus diesem Grund und weil sie erschwinglich gewesen sei, sei es eine beliebte Kamera gewesen: „Es gab sie schon für zehn Reichsmark“, weiß er. Fotos fürs Familienalbum Schöne Aufnahmen hat Marianne Reisner aus Mutterstadt an die „Marktplatz regional“-Redaktion geschickt. Es sind Erinnerungen an ihre Kindheit, in der mit der alten Bilora-Box-Kamera das Familienleben ab den 50er Jahren festgehalten wurde. Ihr erstes Foto durfte die damals Neunjährige im Urlaub in Bayern machen. „Natürlich war gut aufzupassen, dass es ja nicht misslang, denn jeder Abzug, auch der von verdorbenen Bildern, musste ja bezahlt werden“, erinnert sich Marianne Reisner. Aber es gelang, und das Fotografieren ist bis heute ihr Hobby. Der Apparat sei noch viele Jahre benutzt worden. Zum Beispiel bei einem Ausflug 1964 in den Odenwald. Eine Bekannte sollte ein Familienbild machen. „Auf dem Foto ist zu sehen, wie wir lachen mussten, als sie den Auslösehebel aus Versehen zweimal betätigte“, erzählt sie. Erbstück von der Schwiegermama Selbst fotografiert hat Winfried Seelinger aus Dannstadt mit der alten Kodak Box 620 noch nie. „Sie ist für mich stets nur ein Museumsstück gewesen“, erzählt der ehemalige Pädagoge und ist Teil seiner Kamera-Sammlung. Die alte Kodak Box war ein Konfirmationsgeschenk seiner inzwischen verstorbenen Schwiegermutter. „Box-Kameras wurden schon ab etwa 1900 gebaut. Es waren einfache Kameras für Rollfilme“, weiß Seelinger. Als er das Erbstück bekam, vor etwa 15 Jahren, hat er schon mit einer digitalen Spiegelreflexkamera fotografiert. „Die Bilder der Box wären auch viel zu klein für mich gewesen“, sagt er. Darum habe er es auch nie versucht, damit zu fotografieren. Erster Schritt in die Fotografie Mit der Bilora-Kamera hat Wolfgang Dilly aus Altrip seine ersten fotografischen Schritte gemacht. Als 14-Jähriger hat er sich diese 1954 in Kaiserslautern von seinen Ersparnissen gekauft. „Damit habe ich dann eher belanglose Motive im Haus und Hof aufgenommen und ab und zu mich an Bildern von meiner Familie versucht“, erinnert sich der 79-Jährige. Ihr Name Bilora besteht aus drei Silben aus den beiden ursprünglichen Firmennamen Kürbi und Niggeloh und dem Ort Radevormwalde, dem Standort der Fabrik. „Dort wurden seit 1935, unterbrochen durch die Kriegsproduktion, Kameraboxen, Stative und Ähnliches produziert“, weiß Dilly. 1957 ist er von zu Hause weg, „und die alte Box-Kamera ist in Vergessenheit geraten“. 1959 hat er sich eine Praktika Spiegel-Reflex-Kamera gekauft und fortan leidenschaftlich fotografiert. Während seiner Studienjahre in Mannheim hat er mit Freunden dann auch seine Fotos selbst entwickelt. Später entstanden schöne Motive zum Beispiel bei einer Südfrankreich-Reise mit seiner späteren Frau. „Das war dann auch die Zeit der Dia-Filme“, erzählt er. Heute fotografiert er mit einer digitalen Kleinbild-Kamera, am liebsten seine Familie oder Motive rund um Altrip. Besser als Konkurrenz Die Luxus-Version einer Box-Kamera hat Martin Bruckner aus Schifferstadt: eine Box Tengor von Zeiss Ikon von 1938. „Diese Box macht auf Rollfilm 120 acht Bilder im Format sechs mal neun Zentimeter und ist im Vergleich zur Konkurrenz gut ausgestattet“, erzählt er. Mit drei Blendenstufen und drei Entfernungseinstellungen sei sie bei der Bildgestaltung flexibler gewesen als die meisten, eher einfach ausgestatten Box-Kameras. Auch konnte der Sucher für Hoch- oder Querformat eingestellt werden. „Leider ist keine Blitzsynchronisation vorgesehen, es muss beim Blitzen langbrennendes Magnesiumpulver verwenden werden“. Der Apparat funktioniere noch einwandfrei. Bilder für Gemeinde Sieben Kameras hat Inge Kraushaar aus Altrip von ihrem Schwiegervater geerbt: eine Polaroid Colorpack Typ 80 sowie Typ II, zwei Geräte von Zeiss, eine Voigtländer Vitoret DR, eine Agfa Color Agnar und eine Minolta. Karl Kraushaar entwickelte die Bilder in der eigenen Dunkelkammer und machte auch Aufnahmen für die Gemeinde, etwa bei Festen, erinnert sich seine Schwiegertochter. Nach einigen eigenen Einsätzen seien die Apparate nun nicht mehr in Gebrauch.

Gut 200 analoge Fotoapparate umfasst die Sammlung von Peter Pister aus Speyer, darunter zehn Box-Kameras.
Gut 200 analoge Fotoapparate umfasst die Sammlung von Peter Pister aus Speyer, darunter zehn Box-Kameras.
Sich hart erspart hat Wolfgang Dilly seine Box-Kamera.
Sich hart erspart hat Wolfgang Dilly seine Box-Kamera.
Eine Doppelbelichtung von Marianne Reisner.
Eine Doppelbelichtung von Marianne Reisner.
Die Box-Kamera von Winfried Seelinger gehörte seiner Schwiegermutter, heute ist sie Teil seiner Fotoapparate-Sammlung.
Die Box-Kamera von Winfried Seelinger gehörte seiner Schwiegermutter, heute ist sie Teil seiner Fotoapparate-Sammlung.
Nur noch Deko: die Kamera von Hermann Brech.
Nur noch Deko: die Kamera von Hermann Brech.
Edevej Gremms Erbstück aus Finnland: eine Näpsä.
Edevej Gremms Erbstück aus Finnland: eine Näpsä.
Die Großformat-Kamera von Stefan Frombold.
Die Großformat-Kamera von Stefan Frombold.
Die Innenseite der Boxkamera von Theo Kißler.
Die Innenseite der Boxkamera von Theo Kißler.
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