Ludwigshafen Klavier und Papier
Die Fußgängerzone in der Innenstadt gilt als Problemgebiet. Große Ketten haben sich zurückgezogen, allzu viele Menschen verirren sich nicht dorthin. Die soziale Zusammensetzung von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund unter den Ladenbetreibern und ihrer Kunden scheint gekippt. Unter den neuen Geschäften findet sich auch Kurioses. So wie der Laden von Emad Alkurde (45) in der Stadtmitte.
Der Vater von acht Kindern lebt seit Kurzem in Ludwigshafen. Gekommen ist er 1997 als Flüchtling aus Palästina, die Anerkennung erfolgte sieben Jahre später im Jahr 2004, wie er berichtet. Danach arbeitete er in Offenbach in einer Bäckerei, verdiente danach in Frankenthal sein Brot als Schrotthändler und führte einen kleinen Kiosk in Mannheim. Seit drei Monaten betreibt Alkurde seinen Laden in der Bismarckstraße. Er hat die Räume übernommen, in denen vorher knapp 20 Jahre lang das Schreibwarengeschäft „Paperie“ war. Inhaber Herrmann Lohr hat es zum Ende des vergangenen Jahres aus Altersgründen aufgegeben (wir berichteten). Einen Nachfolger zu finden, war nicht einfach. Nun versucht sich Alkurde in den Räumen. Die Produktpalette seines Ladens scheint gewöhnungsbedürftig. „Lebensmittel und Schreibwaren“ ist auf dem Schaufenster zu lesen. Zudem wird hinter dem Schaufenster ein großes Klavier zum Verkauf angeboten. Betritt man den Laden, sieht man, dass die Produktpalette noch breiter ist, als es von außen scheint. Alkurde erklärt, warum: Als er den Laden mietete, gab es dort eine Lotto-Annahmestelle. Durch diesen „Standortfaktor“ seien viele Kunden in den Laden gekommen. Lotto habe sich aber vom Laden zurückgezogen. Alkurde erzählt: „Ich möchte in meinem Laden etwas anbieten. Aber mir fehlt zurzeit Kapital. Ich bekomme keinen Kredit bei den Banken. Wenn ich etwas Kapital bekäme, könnte ich viele Kunden anlocken.“ Täglich würden viele Leute nach Brot und anderen Bäckerei-Produkten fragen. Er würde sie gerne dort verkaufen, aber das Geld fehle. So biete er alles an, was er in die Hand bekomme, unter anderem auch das Klavier, das er im Schaufenster ausgestellt hat. „Das Klavier ist über 100 Jahre alt“, erzählt er. Das habe er von einem Bekannten gekauft. Es sei voll funktionstüchtig. Auf die Frage, was er dafür haben möchte, antwortet er: „Ehrlich gesagt, kann ich den Wert nicht genau einschätzen. Wenn es jemanden gibt, der ein funktionstüchtiges Klavier haben will und bereit ist, dafür einen angemessenen Preis zu zahlen, gebe ich es ab. “ Er sei offen für Vorschläge, ergänzt er. |ik