Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Klassik bis Gegenwart: BASF Kammermusik mit „Les vents francais“

Das international gefeierte Bläserquintett „Les vents francais“ überzeugte auch im Feierabendhaus.
Das international gefeierte Bläserquintett »Les vents francais« überzeugte auch im Feierabendhaus.

Ein international gefeiertes Ensemble, „Les vents français“, gastierte am Dienstagabend im BASF-Feierabenhaus: Das Bläserquintett präsentierte Kammermusik von Klassik bis Gegenwart, darunter ausgesuchte Spezialitäten.

Die Kritiker sind des Lobes voll: Der britische „Guardian“ nannte sie eine „Supergroup“, eine Bezeichnung, die sonst für Rockbands und Popgruppen mit Starbesetzung üblich ist. Hier sind es Klassik-Stars, die seit Jahren mit Konzerten und Einspielungen Maßstäbe setzen. Das Programm war besonders geeignet, die Klangfarben und Spielweisen der Holzbläser in verschiedenen Stilen und Epochen vorzustellen. Die tatsächlichen Holzbläser und der Pianist kommen allesamt aus Frankreich. Es sind Emmanuel Pahoud (Flöte), François Leleux (Oboe), Paul Meyer (Klarinette) und Gilbert Audin (Fagott). Kein Holzbläser und kein Franzose ist Radovan Vlatcovic, der das Horn spielt. Das gehört zum Blech, ist aber wegen seines weichen Klangs die ideale Ergänzung zu den Holzbläsern. Das hat schon Wolfgang Amadeus Mozart sich gedacht, mit dessen Quintett für Klavier, Oboe, Klarinette, Fagott und Horn (KV 452) der Abend begann.

Die Besetzung war zu Mozarts Zeit noch etwas Neues. Die Klarinette hatte Mozart bei seinem Aufenthalt in Mannheim bei der Hofkapelle entdeckt und das Instrument gefiel ihm sehr. Auch dass der Klarinettenvirtuose Anton Stadtler wie Mozart ein Freimaurer war, mit dem sich der Komponist in seiner Wiener Loge oft getroffen hat, spielt eine Rolle. Sehr schön präsentierte das Ensemble Mozarts überbordende Fantasie und seine Lust an Klangfarben, mit denen sich jedes Instrument vorstellen konnte. Die spielerische Leichtigkeit begeisterte auch die Zuhörer.

Kantabler Spannungsbogen

Das nächste Werk war ursprünglich ein Streichquartett, nämlich das Quartett in e-Moll, das Guiseppe Verdi im reifen Alter von 60 Jahren geschrieben hat. Da war er als Opernkomponist schon ein Star und eigentlich erwartete das Publikum von ihm keine Kammermusik. Der vor knapp einem Jahr verstorbene Fagottist Mordechai Rechtman machte daraus ein Bläserquintett – nicht zuletzt weil das Fagott sich bestens eignet, das große Cello-Solo zu übernehmen. Das interpretierte im Feierabendhaus Gilbert Audin sehr schön mit kantablem Spannungsbogen.

Die zweite Hälfte des Konzerts stand im Zeichen zeitgenössischer Musik. Das „Osterlied“ (Chant de Pâques) von Philippe Hersant (geboren 1948) hat der Komponist eigens für Les Vents Français geschrieben. Dabei greift er einiges aus der musikalischen Tradition zu Ostern auf. Der Anfang, bei dem die Instrumente zunächst solistisch ein Motiv vorstellen, klingt wie aus alten gregorianischen Gesängen zur Osterzeit. Dabei entsteht eine meditative Stimmung. Neben dem Spiel mit den Klangfarben entwickelt der Komponist dann auch polyphone, kontrapunktische Strukturen. Die könnten von den großen barocken Werken zur Passion inspiriert sein. Das Ensemble zeigte sich dabei mit sehr differenziertem und ausgewogenem Zusammenklang.

Lebhaftes Finale

Der Österreicher Ludwig Thuille (1861 – 1907) lässt sich der Spätromantik zuordnen. Die Farbigkeit und Ausdruckskraft findet sich auch in seinem Sextett für Klavier, Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Horn (op. 6). Die ersten beiden Sätze beginnen mit schönen Horn-Melodien, die Gavotte des dritten Satzes mit einer leichtfüßig tanzenden Oboe. Das lebhafte Finale startet mit allen Bläsern zu einer harmonischen Klavierbegleitung und das ergibt eine ausgesprochen orchestrale Anmutung. Die Klangfreude und Lebhaftigkeit wirkte auf die Zuhörer sehr ansprechend, die Begeisterung entlud sich in lebhaftem und anhaltendem Applaus. Der Abend war eine beeindruckende Darstellung dieser Instrumentenkombination in verschiedenen Stilen und Epochen – exzellent gespielt von einem herausragenden Ensemble.

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