Ludwigshafen Klang des Paradieses

„Wie klingt das Paradies?“ Liebliches Vogelgezwitscher sollte dort zu hören sein, ein Ort voller Harmonie und Entspannung eben. Die Künstlerin Karin Maria Zimmer hat eine Klangperformance zu diesem Thema auf der Parkinsel in Ludwigshafen gemacht. Stimmen und elektronische Klänge aus Lautsprechern vermischten sich mit den Monochord, das die Künstlerin spielte.
Die in St. Wendel geborene Künstlerin hat nach einer Ausbildung zur Physiotherapeutin klassischen Gesang studiert, danach an der Kunsthochschule Plastik und audiovisuelle Kunst. Sie war Meisterschülerin von Christina Kubisch in Saarbrücken. Musikstücke und Klangperformances zu Themen und Orten gehören ebenso zu ihren Projekten wie die Auseinandersetzung mit musikalischen Frequenzen und deren Wirkung auf den Körper. Dabei hat sie immer wieder das Monochord eingesetzt. Beim Kultursommer vor zwei Jahren hat sie die Performance „TempoRare“ gezeigt. Ausgangsmaterial für ihre jüngste Klangperformance „Paradiese“ waren Sprachnachrichten von Leuten, die auf eine WhatsApp-Umfrage der Künstlerin geantwortet hatten. Karin Maria Zimmer hatte gefragt, was das Paradies für sie bedeute. Aus sechs Lautsprechern tönten nun einige dieser Antworten, dazu hörte man Klänge aus der Natur sowie urbane Geräusche. Als große Komposition strukturierte die Künstlerin ihr akustisches Material, arbeitete mit Wiederholungen und Variationen der Klänge und Geräusche. Man hörte Straßenlärm, Glockenläuten und Kindergeschrei, aber auch friedvolle Naturklänge wie Wasserplätschern. Hinzu kamen Synthesizer-Klänge und das live gespielte 21-saitige Monochord. Alle Saiten dieses Instruments sind dabei auf Cis gestimmt, ein Ton, dessen Frequenz eine besonders entspannende Wirkung hat. Wie Glockentöne klang das. Feenhaft Gesänge lieferte Karin Maria Zimmer dazu, ruhevoll beschwörende Vokalisen, die an gregorianische Gesänge erinnerten. Dazwischen vernahm man immer wieder Sätze der Befragten über das Paradies, die gleichfalls wie Beschwörungen klangen. Dass „dieser Ort in einem selbst erschaffen“ werde oder dass dies ein „Land voller Genuss“ sei. Das Wort „Grenzenlos“ repetiert eine Frauenstimme dazwischen, und man hört das „Vaterunser“, das in seiner litaneihaften Gebetsstruktur an sich schon wie Gesang wirkt. Daneben entwickelte Karin Maria Zimmer eine onomatopoetische Sprache, welche die Stimmungen in eine lautmalerische Fantasiesprache kleidete. In einem kleinen, an den Seiten offenen Sternenzelt saßen die Zuhörer auf Sitzsäcken oder lagen auf dem Gras. Der Obertonreichtum des Monochords und die ruhige Erzählstimme der Künstlerin entwickelten eine sanfte und suggestive Kraft.