Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Kita-Krise: Viel Kritik aus dem Stadtrat

Rund ein Drittel aller Ludwigshafener Kinder mit Anspruch auf einen Kitaplatz muss nach den Berechnungen des Stadtelternausschus
Rund ein Drittel aller Ludwigshafener Kinder mit Anspruch auf einen Kitaplatz muss nach den Berechnungen des Stadtelternausschusses zu Hause betreut werden, weil Plätze fehlen.

Der Kita-Notstand in Ludwigshafen hat sich dramatisch verschärft: Rund 3100 Kita-Plätze fehlen in der Stadt – es mangelt an Gebäuden und Personal. Was gegen die Krise unternommen werden sollte, darüber hat der Stadtrat heftig debattiert.

Erzieherinnen und Erzieher werden in Ludwigshafen dringend gesucht. Trotz der dramatischen Lage hat die Stadt bisher darauf verzichtet, sich an einer Werbekampagne des Landes zu beteiligen, um mehr Fachpersonal zu werben. Kosten wären Ludwigshafen dadurch nicht entstanden. Auf Nachfrage hatte die Verwaltung auf eine eigene auf die Belange Ludwigshafens maßgeschneiderte Kampagne verwiesen.

Damit wollte sich die SPD nicht zufrieden geben, die bei der Sitzung am Montag eine Teilnahme der Stadt an der Fachkräftekampagne des Landes am Montag einforderte. Es sei unverständlich, warum die Stadt nicht alle Mittel bei der Suche nach Erzieherinnen ausschöpfe, kritisierte SPD-Fraktionschef David Guthier die Verwaltung und forderte Aufklärung.

Die zuständige Dezernentin Cornelia Reifenberg (CDU) erläuterte, dass es Gespräche mit dem Bildungsministerium in Mainz gegeben habe. „Ich bin überfragt, warum das versandet ist“, sagte Reifenberg. Die Stadt werde den Kontakt zum Land suchen und sich an der Kampagne beteiligen – wenn das sinnvoll sei.

Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) berichtete von zwei Terminanfragen aus Mainz, doch sie sei an beiden Terminen verhindert gewesen. „Danach kam keine Terminanfrage mehr. Es liegt nicht an uns, dass es keinen Kontakt mehr gab“, sagte die OB.

Bessere Bezahlung gefordert

Aus dem Stadtrat hagelte es Kritik an der aktuellen Lage, die für die betroffenen Familien in Ludwigshafen eine Katastrophe sei. Peter Uebel (CDU) sah die Gründe dafür nicht in einer fehlenden Werbekampagne. „Die Kampagne ist mir wurst. Unsere eigentlichen Probleme sind die, dass wir zu lange brauchen, um neue Kitas zu bauen – und wir müssten in Rheinland-Pfalz attraktivere Arbeitsbedingungen für Erzieher schaffen.“ Denn Ludwigshafen stehe im Wettbewerb um Fachkräfte mit den Nachbarkommunen in Hessen und Baden-Württemberg, wo Erzieher besser bezahlt würden.

Weil Erzieher und Erzieherinnen fehlen, können in Ludwigshafener Einrichtungen mehrere Hundert bereits vorhandene Kita-Plätze ni
Weil Erzieher und Erzieherinnen fehlen, können in Ludwigshafener Einrichtungen mehrere Hundert bereits vorhandene Kita-Plätze nicht besetzt werden

Skeptisch zu dem Erfolgsaussichten einer Werbekampagne zeigte sich Liborio Ciccarello (Fraktion Vernunft und Gerechtigkeit, vormals Linke). Die SPD betreibe mit ihrem Antrag auf die Teilnahme an der Fachkräftekampagne „Augenwischerei“. Letztlich gehe es um eine Reform des Erzieherberufs in der Ausbildung und eine bessere Bezahlung.

„Die Situation in Ludwigshafen ist katastrophal und die Stadt tut nichts dagegen“, kritisierte Thomas Schell (FDP). Wenn der Betreuungsanspruch der Eltern nicht erfüllt werden könne, dann müsse die Stadt ihnen Geld zahlen, sodass sie eine private Betreuung finanzieren können. „Es ist grässlich, die Kinder so hängen zu lassen“, sagte Schell. Er warnte vor den Folgen: Wenn Kinder ohne Deutschkenntnisse keine Kitas besuchten, führe das zu Schulversagen und letztlich fänden solche Jugendliche keinen Job und würden Sozialhilfeempfänger.

„In dieser Extremsituation brauchen wir Hilfe vom Land. Das ist eine tickende Zeitbombe, wir können da nicht abwarten“, sagte Rainer Metz (FWG).

Mehrheit für Kampagne

Am Ende stimmte der Stadtrat mehrheitlich dafür, dass sich die Stadt an der Landeskampagne zur Fachkräftegewinnung beteiligen soll. Jugenddezernentin Reifenberg warnte vor zu hohen Erwartungen: „Wir machen unsere eigene Kampagne seit 2021 mit einem gewissen Erfolg. Es wäre blauäugig, zu erwarten, dass sich mit der Landeskampagne grundsätzlich etwas verändert. In Rheinland-Pfalz fehlen 26.000 Erzieher.“

Auch eine Tarifhöhergruppierung der Erzieher in Ludwigshafen, wie ebenfalls von der SPD eingefordert, sei angesichts der Finanzlage nicht ohne Zustimmung der Finanzaufsichtsbehörde ADD möglich.

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