Ludwigshafen
Kinofans bangen: Fällt das Filmfestival ins Wasser?
Ab Anfang Juni sorgte ein starkes Hochwasser dafür, dass der Stadtpark auf der Parkinsel aus Sicherheitsgründen gesperrt werden musste. Bäume drohten im völlig aufgeweichten Erdreich ihren Halt zu verlieren und plötzlich umzustürzen. Um Gefahren für Menschen zu vermeiden, wurden vor einer Freigabe Kontrollen angesetzt. Erstes Fazit: Der Boden auf dem Areal des Filmfestivals ist immer noch sehr feucht. Ob der geplante Beginn der Aufbauarbeiten zum Filmfest am kommenden Freitag stattfinden kann, ist daher noch ungewiss.
Das starke Hochwasser des Rheins, das den gesamten Stadtpark unter Wasser gesetzt hat, hielt sich hartnäckig über viele Tage. Als am 21. Juni noch kräftige Winde über die Region fegten, sind im Stadtgebiet 15 Bäume umgestürzt, zwei davon auf der Parkinsel, berichtet Gabriele Bindert, Leiterin des Bereichs Grünflächen und Friedhöfe. Insgesamt seien 43 Bäume durch gebrochene Äste und andere Schäden betroffen gewesen.
Bei einem Rundgang durch den Stadtwald der Parkinsel beklagt Bindert das fehlende Verständnis mancher Bürger, die trotz der Absperrungen und Hinweise den Park betreten haben. Einige hätten sogar ihr Fahrrad über die Absperrungen gehoben.
„Wie die umgestürzten Bäume zeigen, ist eine Gefahr für Leib und Leben vorhanden“, warnt Bindert vor dem unkalkulierbaren Risiko. Beide umgestürzten Bäume im Park waren auf Spazierwege gefallen. Direkt nach dem Rückgang des Hochwassers vom Parkgelände hatte es erste Begehungen von Baumkontrolleuren des Wirtschaftsbetriebs (WBL) gegeben. Sieben Mitarbeiter seien nur mit diesen Kontrollen beschäftigt, drei hätten einen ganzen Tag auf der Parkinsel verbracht, informiert Elmar Schniedermeier, Abteilungsleiter für Grünflächen und Friedhöfe.
140.000 Stadtbäume im „Baumkataster“ erfasst
Neben einer Sichtprüfung auf Bodenrisse oder Auffälligkeiten am Baum können die speziell ausgebildeten Mitarbeiter mithilfe eines Schonhammers am Klang des Stamms Hohlräume im Inneren erkennen. Bei sichtbaren Faulstellen und Baumlöchern wird die noch vorhandene Restwandstärke mittels Einstechen einer Sondierstange gemessen. Im Zweifelsfall werden externe Spezialisten damit beauftragt, einen „Zugversuch“ am Baum durchzuführen. Je nachdem wie dieser nachgebe, lasse sich seine Standfestigkeit berechnen, erläutert Schniedermeier.
Bei festgestellten Mängeln in der Stabilität legen die Baumkontrolleure Maßnahmen zur Verkehrssicherheit fest, die von Mitarbeitern der Baumpflege umgesetzt werden. Sie reichen vom Rückschnitt der Baumkrone über das Entfernen oder Anbinden von Ästen bis zum Fällen des Stamms.
In einem „Baumkataster“ sind alle rund 140.000 Stadtbäume und ihr Zustand erfasst. Sie alle werden regelmäßig kontrolliert. „Die Kontrollintervalle richten sich nach Standort, Alter und Baumart, aber auch nach Schadmerkmalen und Krankheiten, die ein Baum aufweist. Wenn ein Baumstandort für die Verkehrssicherheit relevant ist, gibt es eine engmaschigere Kontrolle“, erläutert Bindert.
„Sonst geben wir die Fläche nicht frei“
Die Abstände lägen zwischen drei Monaten und drei Jahren und würden gerichtsfest dokumentiert. So würden die Platanen der Parkinsel wegen der Massaria-Pilzkrankheit alle drei Monate gecheckt. Die Platanen auf dem Festival-Gelände würden zur Sicherheit direkt vor Beginn der Veranstaltung noch einmal untersucht, versichert sie. Hier stehen auf der Wiese augenscheinlich noch größere Wasserlachen und Pfützen. Damit alles aufgebaut und die Wiese mit schweren Fahrzeugen befahren werden könne, müsse die Oberfläche zum Schutz der Wurzeln trocken sein und das Wasser mindestens 50 Zentimeter darunter stehen. „Sonst geben wir die Fläche nicht frei“, sagt Bindert. Am 12. Juli soll der Aufbau für das Filmfestival beginnen. Das könne knapp werden.
Programmvorstellung für 17. Juli geplant
Über die unklare Lage werde die Festivalleitung umgehend informiert, so Bindert. Das Jubiläums-Festival soll vom 21. August bis 8. September ausgetragen, das Programm am 17. Juli von Intendant Michael Kötz und Programmdirektorin Daniela Kötz vorgestellt werden. Bis dahin dürfte feststehen, ob die Jubiläumsausgabe tatsächlich über die Bühne gehen kann. Zur 19. Ausgabe kamen im Vorjahr 108.000 Zuschauer.