Ludwigshafen Kinderstube im Kirchturm

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Dannstadt-Schauernheim. Seit einigen Jahren beherbergt der Kirchturm der protestantischen Kirche Dannstadt vom Frühjahr bis zum Frühsommer eine Turmfalken-Kinderstube. In diesem Jahr hat ein Turmfalkenpaar hier in den letzten Wochen vier Junge großgezogen.

Vor fünf Jahren hat Hans-Martin Weber hinter den östlichen Schalljalousien des Kirchturms einen Nistkasten für Turm- und Wanderfalken eingebaut. Die Idee dazu entstand durch seinen früheren Arbeitskollegen, Franz Stalla, einen in Ludwigshafen aktiven Vogelkundler. „Eigentlich hätten wir hier gerne Wanderfalken, um unser Taubenproblem zu lösen, da Wanderfalken Tauben vertreiben“, erklärt er, warum er sich dafür entschieden hat, den Nistkasten einzubauen. Bei seinen Mitpresbytern in der Kirchengemeinde Dannstadt stieß Webers Vorschlag auf Zustimmung, und so bezog er von Franz Stalla einen in einer Behindertenwerkstätte passend angefertigten Nistkasten. „Gleich im ersten Jahr kam ein Turmfalkenpaar, das dann aber wieder verschwand“, erzählt Weber. Er vermutet, dass es den Vögeln direkt an den Glocken eventuell zu laut war. Daher brachte er am Nistkasten eine Isolierung an. 2012 brütete dann erstmals ein Turmfalkenpaar. 2013 waren Dohlen schneller. „Es kam zwar ein Turmfalkenpaar, aber da waren schon die Dohlen drin.“ Franz Stalla riet ihm die Dohlen brüten zu lassen, da diese unter Schutz stünden. 2014 belegte wieder ein Turmfalkenpaar den Nistkasten, brütete Eier aus und zog seine Jungen groß. Ebenso 2015 und auch in diesem Jahr. Für vier bis sechs Küken war der Kirchturm jedes Mal Kinderstube. Hans-Martin Weber hat sich dabei immer auf den umständlichen Weg hinauf gemacht, um das Geschehen mit seinem Fotoapparat durch die hintere Reinigungstür zu dokumentieren. „Dabei habe ich mir allerdings von Franz Stalla Verhaltensmaßregeln geben lassen, um die Tiere nicht zu stören.“ So dürfe man nicht mehr in die Nähe der Vögel kommen, sobald die Küken die ersten richtigen Federn bekommen, da dann ihr Fluchtinstinkt erwacht. Sie könnten aber noch nicht fliegen und würden bei vermuteter Gefahr aus dem Nest fallen. Dieses Jahr ist ihm sogar ein ganz besonders Bild gelungen: Ein erwachsener Turmfalke im Anflug auf den Nistkasten. „Normalerweise bleiben die Eltern weg, wenn sie um das Nest ungewöhnliches bemerken“, erklärt Weber. „Aber dieser Turmfalke kam zurück und flog mit lautem Geschrei vor dem Einflugloch hin und her.“ Ende Juni werden die Tiere meist flügge und verlassen dann circa vier bis sechs Wochen später endgültig das Nest. Einige Wochen danach steigt Hans-Martin Weber noch einmal auf den Turm. Diesmal, um den Nistkasten zu reinigen und bis zum nächsten Jahr zu verschließen. Dabei hat er ebenso wie auch Franz Stalla beobachtet, dass die Turmfalken bei den vergangenen gemäßigten Wintern immer früher aus ihren Winterquartieren im Süden gekommen sind. „Dieses Jahr hatte ich den Nistkasten im Februar kaum geöffnet, da waren auch schon die Turmfalken da“, berichtet Weber.

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