Ludwigshafen Kindern Stärke geben
«Ruchheim.» Es ist um eine ernste Sache gegangen, und dennoch hatten die 24 Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren Spaß: Der Handball-Spielgemeinschaft (HSG) Mutterstadt/Ruchheim Spaß ging es am Samstag bei einem Aktionstag darum, Kinder für Situationen des täglichen Lebens in Schule oder Familie stark zu machen – etwa bei Mobbing und Gewalt.
Von 9 bis 12 Uhr gab es Theorie und Praxis und dazwischen hatten die Kinder immer wieder Zeit, sich auszutoben. So fiel auch das Zuhören im theoretischen Teil leichter. Geleitet wurde der Aktionstag von den externen Gewaltpräventionstrainern Markus Bentz und Thomas Rapp. „Das hier Erlernte sollte regelmäßig wiederholt werden, damit die Kinder das verinnerlichen“, erklärte Bentz. Die Unterstützung durch das Elternhaus sei sehr wichtig. In dem Moment war die Pause zu Ende. Rapp zählte von zehn rückwärts und schon saßen die Kinder im Kreis und hörten der nächsten Lektion zu. Es ging um die Befreiung aus Körpergriffen. Gleich im Anschluss an die Erklärung wurde das auch praktisch erprobt. Aber nicht nur das lernten die Kinder: In einem weiteren Rollenspiel wurde eines von einem Erwachsenen, dargestellt von Rapp, weggezerrt. Sofort stürzten sich fünf weitere Kinder aus der Gruppe auf den Erwachsenen und schlugen ihn gemeinsam in die Flucht. Jede Situation wurde mehrfach wiederholt – und das aus gutem Grund. „Nur was man selbst probiert hat, merkt man sich“, meinte Bentz. Ein theoretischer Vortrag habe nicht so eine Wirkung. Dass es viele verschiedene Möglichkeiten der Selbstverteidigung gibt, erfuhren die Teilnehmer des Aktionstags „Kinder stark machen“. Nicht nur das Herausdrehen aus einem Haltegriff und das Einschlagen auf den Angreifer ist eine Möglichkeit. Auch die Stimme ist ein wichtiges Instrument. Denn ein leises Nein ist schnell überhört. „Der Mensch achtet unbewusst auch auf die Körperhaltung, Gestik und Mimik eines anderen“, erklärte Bentz. Deshalb sei es wichtig, den Kindern auch hierzu Informationen zu vermitteln. Verbale Angriffe und wie man sie kontert, standen auch auf dem Programm, denn das erleben die Kinder häufig in der Schule, und es sei wichtig, dass sie wüssten, wie man darauf reagieren kann. „Eine passende Antwort, die deeskalierend wirkt, beendet manche heikle Situation, und ein Streit entsteht gar nicht erst“, stellte Bentz fest. Mit dem Aktionstag beteiligte sich der HSG Mutterstadt/Ruchheim an der bundesweiten Initiative „Kinder stark machen“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Im Eingang der Sporthalle des TV Ruchheim gab es dementsprechend auch kostenloses Informationsmaterial des Ministeriums. Ziel der Aktion ist eine frühe Suchtvorbeugung: Durch die Stärkung des Selbstbewusstseins und die Förderung der Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit sollen die Kinder lernen, dem Gruppendruck standzuhalten und „Nein“ zu Suchtmitteln aller Art zu sagen. Hier können Sportvereine einen wichtigen Beitrag leisten, denn sie sind ein guter Ort, um Fähigkeiten und Grenzen auszuloten, Konflikte zu lösen und dergleichen. Die Beteiligten in Ruchheim wünschen sich, dass mehr solcher Aktionstage zustandekommen, denn starke Kinder sind enorm wichtig – nicht nur im Kampf gegen Drogen.