Ludwigshafen „Kind hat auch einen Vater“

Placeholder-Image

Donnerstagnachmittag, Hemshofer Geibelstraße: Beim BASF-Mitarbeiterzentrum, kurz „LuMit“, fahren dicke Autos mit gewichtig aussehenden Herrschaften vor. Im Gebäude selbst wimmelt es von aufgebrezelten Damen und Herren, Aniliner und Mitarbeiter des Bundesfamilienministeriums. Die Stimmung ist freudig-erregt. „Die Ministerin kommt!“, wird gemurmelt, so als dürfe es niemand hören. Dann ist sie da: Mit einem einladenden Lächeln betritt Manuela Schwesig den Raum. Ihr hellblauer Hosenanzug macht sie in den nächsten zweieinhalb Stunden auch optisch zum Mittelpunkt der Runde. Auf ihrer Sommertour quer durch Deutschland hat sich die Bundesfamilienministerin auch die BASF vorgenommen (wir berichteten gestern). Zum „Bürgerdialog“ zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist sie angereist. Das heißt: Schwesig antwortet auf die Fragen von 46 aus einer Bewerbungsrunde zufällig ausgewählten Anilinern. Die hatten sich im Vorfeld in sechs Arbeitsgruppen überlegt, welche Hindernisse es gibt, wenn man zugleich Familie haben und Karriere machen möchte, und was Politik und Wirtschaft dagegen tun können. Mit der Wirtschaft – damit ist an diesem Tag die BASF in Person ihres Vorstandsmitglieds Margret Suckale gemeint. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist auch für mich als Mutter sehr wichtig“, sagt die 41-jährige Schwesig und erzählt in vertrautem Ton, dass ihr erst neulich die vorwurfsvolle Frage gestellt worden sei, wo sie denn ihr Kind die ganze Woche über geparkt habe. „Das Kind hat auch einen Vater“, stellt sie vor der versammelten Menge klar und macht dabei anschaulich auf überholte Rollenbilder aufmerksam. Die Familienministerin schlägt sich während der Fragerunde tapfer und bietet für die angesprochenen Probleme viele Lösungsansätze an. „Ich habe das Gefühl, dass Kinder in Deutschland unerwünscht sind“, kritisiert etwa Felix Ludosan vom Schulkinder-Team. Dem hält Schwesig mit dem am 1. Januar eingeführten Elterngeld plus entgegen. Oder sie wirbt für das Modell der Familienarbeitszeit, bei dem beide Partner 32 Stunden die Woche arbeiten und beide davon profitieren. Das tut die SPD-Frau auf eine kompetent-charmante Art, mit der man ihr abnimmt, „dass das, was hier erarbeitet wird, auch wirklich in Berlin ankommt“, wie sie in ihrer Eröffnungsrede verspricht. Auf der Seite des Arbeitgebers hat Suckale, selbst kinderlos, weniger zu sagen. Sie betont immer wieder, dass die BASF viel mache, um etwa die Karriere von Frauen, die Teilzeit arbeiten, zu fördern. Beispiele gibt sie dafür keine. Lieber rückt sie ein Musterprojekt des Chemie-Riesen in den Fokus, die betriebseigene Kindertagesstätte „LuKids“. Die bietet 250 Krippenplätze für Kinder von BASF-Mitarbeitern. „Mit dem tollen LuKids können auch beide Eltern zu 100 Prozent arbeiten“, verspricht die Managerin. Die Zeit sitzt der blonden Familienministerin im Nacken, um 16.45 Uhr soll sie schon in Heidelberg auf der nächsten Station ihrer Sommertour sein. So geht es immer schneller von Arbeitsgruppe zu Arbeitsgruppe. Etwas unkoordiniert drängen die Aniliner und Ministeriumsmitarbeiter anschließend nach draußen. Schließlich soll noch die besagte Kita gleich nebenan besichtigt werden. Doch zunächst setzt sich Schwesig gekonnt in Szene, während die Fotografen Bilder schießen. Auch für Selfies ist sich die Politikerin nicht zu schade. Endlich geht es weiter zur Kita der BASF, wo wieder Fotos gemacht werden. Schwesig lächelt, während sie eine Gruppe Kinder auf der Schaukel anstupst. „Eigentlich könnten wir jetzt mal tauschen, das wäre schön“, flötet sie. Doch sie zeigt sich ebenso interessiert, stellt viele Fragen, auch kritische: „Es ist doch sicher nicht alles heile Welt hier, nur weil es die BASF ist?“ Nein, da müssen ihr die Aniliner ehrlicherweise zustimmen.

x