Ludwigshafen „Keiner ist zu alt“

Thomas Kreichgauer bringt Senioren die Handhabung von Tablet und Smartphone bei.
Thomas Kreichgauer bringt Senioren die Handhabung von Tablet und Smartphone bei.

Die ältere Generation kennt sich inzwischen ganz gut mit Computern aus, dafür haben unter anderem Kurse an Volkshochschulen und Senioren-Computer-Treffs, die es in vielen Orten des Kreises gibt, gesorgt. Derzeit möchten immer mehr ältere Menschen lernen, wie man Smartphones oder Tablets nutzt. Nicht immer ganz freiwillig. Aber wenn die erste Scheu genommen ist merken sie bald, dass das auch kein Hexenwerk ist. Thomas Kreichgauer bringt Senioren in Volkshochschul-Kursen den Umgang mit Smartphones und Tablets bei und berichtet über seine Erfahrungen. Herr Kreichgauer, ich bin zu alt für ein Smartphone, lassen Sie das gelten? Nein, keiner ist zu alt. Meist bekommen die Senioren von den Kindern oder Enkeln irgendwann das abgelegte Smartphone in die Hand gedrückt, mit den Worten: Hier so kannst du mit uns kommunizieren, mach mal. Mit diesem Hintergrund kommen die meisten Teilnehmer zu mir in den Kurs, denn oft hakt es ja schon beim Annehmen des Telefongesprächs. Die meisten drücken erst mal auf den grünen Knopf und sind genervt, dass es nicht klappt. Sie kennen ja nur: Knopf drücken. Wischen statt drücken ist ja auch gewöhnungsbedürftig. Geben Sie mal einem Teenie ein Wählscheibentelefon. Die pieksen auch erst mal in die Löcher. Die Senioren sind nicht zu alt, sie sind mit der Technik halt nicht groß geworden und müssen umdenken. Warum beschließen Senioren sich freiwillig mit dem Smartphone zu befassen? Das hat ganz unterschiedliche Gründe. Bei den Männern ist es meist das Interesse an der Technik, bei den Frauen die Neugierde nach dem Motto: Meine beste Freundin hat das auch schon. Womit fangen Sie in den Kursen jeweils an? Ich frage die Leute zu Beginn des Kurses, welche Geräte sie haben, was sie machen möchten und was sie schon können. Jeder Kurs ist also ganz individuell, das geht nicht mit einem Beamer-Vortrag, sondern ich gehe von Teilnehmer zu Teilnehmer, denn meist hat jeder ein anderes Handy und eine andere Android-Version. Was lernen Anfänger im ersten Kurs? Dreh- und Angelpunkt ist das Google-Konto. Daran hängen letztendlich die kompletten Kontakte, der Kalender und die Bilder, wenn man das will. Das Konto hat einen sehr hohen Sicherheitswert, ist sehr schwer zu knacken. Ich schaue erst mal, dass jeder sein Google-Konto kennt und weiß, wie sein Passwort ist. Wenn das noch nicht geschehen ist, wird gemeinsam ein Konto eingerichtet. Dann lernen wir, wie man die Kontakte im Google-Konto eingibt und dann geht es ans Telefonieren, SMS-Schreiben, WhatsApp nutzen. Außerdem lernen die Teilnehmer, wie man den Playstore nutzt und Apps installiert, deinstalliert und anordnet. Und wir lernen, was Updates sind. Wichtig ist für mich immer eine breite Basis zu vermitteln, auf die kann man dann aufbauen. Die Volkshochschule bietet auch einen Nachfolgekurs an, was steht da auf dem Programm? Das wird an die Bedürfnisse der Teilnehmer angepasst. In kleinen Gruppen lernen wir dann Fotografieren, den Kalender nutzen oder andere Apps, je nach Hobby. Das kann zum Beispiel auch Astronomie sein. So ein Handy kann quasi alles. Navigieren ist auch noch mal ein Punkt. Außerdem sehen die Teilnehmer ja, was die anderen machen. Wenn sie mal „Blut geleckt haben“, fällt ihnen meistens noch mehr ein, was sie auch noch machen könnten. Apropos Apps: Spielen Senioren auch? Klar. Wenn sie mal festgestellt haben, dass man spielen kann, wollen sie das auch, nur halt keine Action-Spiele wie die Jugendlichen. Sie bevorzugen Karten-Spiele, Legespiele, Mahjong, oder Sudokus. Bei den Frauen ist Candy-Crush, die moderne Variante von Tetris, beliebt. Lernt die ältere Generation den Umgang mit Smartphones anders als die Jugend? Die Jugendlichen machen es intuitiv ohne sich Gedanken zu machen, was sie tun. Ältere greifen erst mal auf das zurück, was sie mal gelernt haben. Sie denken mehr nach und stehen sich dabei manchmal auch im Weg. Ältere haben oft Angst, etwas falsch zu machen, es kaputt zu machen+. Oft haben sie eine Scheu: Was ich nicht kenne, mache ich nicht. Die Senioren fragen die Kinder und Enkel nicht, weil sie den Jungen nicht auf die Nerven gehen wollen oder weil sie Antworten bekommen wie: „Das weiß man doch“ und „Mach halt einfach“. Natürlich wissen das die Älteren so nicht, wie auch? Sie haben ja keinen Bezug dazu. Das betrifft nicht nur die Generation 65 plus. Es gibt genug jüngere, die nicht mit Computern arbeiten müssen und das privat ablehnen. Sind Cyber-Kriminalität und Sicherheit auch Themen? Dazu kommen auch Fragen. Das ist natürlich immer ein Thema, aber nicht im Kurs. Das klären wir dann meistens privat. Generell sprechen wir im Kurs über die Gefahren, die es gibt. Man sollte immer erst mal alles lesen, was da steht. Sich Zeit nehmen, bevor man sich einfach durchklickt. Info —Ein Kurs Smartphone und Tablet für Einsteiger ist am 17. und 24. Mai, jeweils 18 bis 21.30 Uhr, im Computerclub in Römerberg. —Ein Smartphone-Kurs für Einsteiger ist am 4. und 5. Juni, jeweils 18 bis 21.30, im Bildungszentrum in Schifferstadt. —Ein Smartphone-Aufbaukurs ist am 7. und 14. Juni, jeweils 18 bis 21.30,, im Computerclub in Römerberg.

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