Ludwigshafen Kein Spektakel mehr

LUDWIGSHAFEN. Seit sieben Jahren spielt der Ludwigshafener SC in der Fußball-Verbandsliga. In der vergangenen Saison hat sich ein Stilwandel vollzogen. Unter dem Strich steht der elfte Platz. Die junge Mannschaft hat aber das Abstiegsgespenst rechtzeitig vertrieben.
Eine junge Mannschaft hatte der LSC schon oft, in dieser Runde war es extrem. So wies der Kader, den Trainer Toni De Simone für die Partie gegen Kandel am vorletzten Spieltag nominiert hatte, ein Durchschnittsalter von 21,4 Jahren auf. „Zu Saisonbeginn hat man in manchen Partien gemerkt, dass den meisten Spielern Erfahrung fehlt“, spielt De Simone auf die deftigen Packungen gegen Ingelheim (0:4) und beim späteren Meister FK Pirmasens II (1:5) an. Da befanden sich die Hochfelder noch in der Findungsphase, was auch dem überdimensionierten 30-Mann-Kader geschuldet war. Doch der verschlankte sich zusehends, denn die Edelreservisten warfen zum großen Teil das Handtuch. 18 Punkte aus der Vorrunde, zwei weitere bis zur Winterpause waren eine ordentliche Ausbeute, aber kein sanftes Ruhekissen. „Die Mannschaft hat Potenzial und wird sich steigern“, sagte der Coach und sollte recht behalten. Im März startete der LSC mit einer 2:4-Heimniederlage gegen Pirmasens, doch danach erwiesen sich die Rot-Weißen als sehr stabil. Von den folgenden zehn Partien wurde nur eine verloren. In dieser Phase setzte es auch lediglich fünf Gegentore. „Die Defensivarbeit der gesamten Mannschaft war gut. Es ist wichtig, dass man in der Abwehr geordnet steht“, erklärt De Simone. Und da kommen wir zur Veränderung des Stils. Unter seinem Vorgänger Hermann Kohlenbrenner waren die Spiele lange Zeit ein Offensivspektakel, was auch mit der großen Qualität in den vorderen Reihen zusammenhing. Erst in den beiden letzten Spielzeiten unter dem Ex-Profi fielen weniger Tore. De Simone legt Wert auf Sicherheit – die letzten vier Siege endeten alle 1:0 –, das Spektakel ist nüchternem Zweckfußball gewichen. Das muss nicht negativ sein. In der Saison 2014/15 holte der LSC mehr Punkte und war besser platziert als in den beiden Jahren zuvor. Zwar erzielten die Hochfelder seit dem Aufstieg 2008 nie weniger Tore als in der abgelaufenen Runde (36), doch 42 Gegentore sind der Bestwert in dieser Zeit. „Die Defensive hat komplett überzeugt und war sehr stabil“, lobt der Coach. Das lag auch daran, dass der LSC für die sieben Positionen Torwart, Viererkette und Doppelsechs weitgehend mit acht Spielern auskam. Diese Kontinuität schlägt sich auch in der Einsatzliste nieder. Hüseyin Coskun war immer dabei, 28 der 30 Partien absolvierten Enis Baltaci, der spielende Co-Trainer Bernd Fröhlich sowie Furkan Konur, und 27 Einsätze verbuchten Malcolm Little, Melvin Loch, Berkant Sahin sowie Marco Zühlsdorff. Einer der Gewinner der Saison war Torwart Little – eigentlich. Nicht nur De Simone pries die Ausstrahlung des kürzlich erst 20 Jahre alt gewordenen Torhüters, der mit einer herausragenden Spieleröffnung manch erfolgversprechenden Angriff einleitete. Mit seinem Abgang zu Borussia Neunkirchen, trotz Zusage beim LSC, hat sich Little viele Sympathien verscherzt (wir berichteten). „Bei den Offensivkräften gab es Höhen und Tiefen. Zielstrebigkeit, Torgefährlichkeit und Kaltschnäuzigkeit sind uns zu oft abgegangen“, bemängelt der Trainer. Weniger Tore als der LSC schossen nur der Letzte und Vorletzte. So waren Baltaci und Ninoslav Mitov mit sechs Treffen am erfolgreichsten. Es folgen Coskun und Elfmeterspezialist Zühlsdorff mit fünf Toren – zwei Verteidiger. Auf die meisten RHEINPFALZ-Bestnoten kamen Fröhlich (14) und Konur (13). Abwehrchef Fröhlich spielt nicht mehr so auffällig wie einst, ist aber eine Bank. Konur hat große Qualitäten im Eins-gegen-eins, ist technisch versiert, aber eher Vorbereiter als Vollstrecker. Baltaci verbuchte neun Bestnoten, Little acht. „Die Handschrift des Trainer ist zu erkennen. Die Mannschaft ist kompakt, agiert diszipliniert, und es ist eine Entwicklung zu sehen“, sagt Sportchef Jakob Brunn. Diese Disziplin stempelt den LSC zusammen mit Pirmasens und Waldalgesheim zur fairsten Mannschaft der Verbandsliga. Für ein junges Team eine besondere Auszeichnung. (thl)